Schmetterschläge und die perfekte Noppe: Wie Hans Nolte (90) die Tischtennis-Welt erobert
Stand: 19.10.2026, 19:14 Uhr
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Mit 90 Jahren fliegt er nach Südkorea und holt die Goldmedaille im Einzel: Hans Nolte von der SV Kirchweyhe ist der älteste Weltmeister seines Vereins. Im Podcast „Auf Schritt und Tritt“ der Mediengruppe Kreiszeitung erzählt der frühere Bergmann und Postbeamte, warum ihn Butterkuchen fit hält, wie er Favoriten mit Noppenbelag bezwingt und warum die Reise noch lange nicht vorbei ist.
Wer Hans Nolte in seinem Haus in Kirchweyhe besucht, muss zwei Dinge wissen: Erstens sind es von Bremen aus exakt 16 Kilometer bis zum Kirchturm – Hans Nolte legt Wert auf diese Präzision. Und zweitens verlässt kein Gast das Haus ohne frisch gebrühten Kaffee und Butterkuchen. Ob Fernsehteams, Zeitungsreporter oder Podcast-Host Hagen Wolf von der Mediengruppe Kreiszeitung im Podcast „Auf Schritt und Tritt“: Gastfreundschaft gehört für den 90-Jährigen genauso zum guten Ton wie der Respekt vor dem sportlichen Gegner.
Dabei gäbe es allen Grund für Starallüren: Vor wenigen Monaten krönte sich Nolte bei den Senioren-Weltmeisterschaften in Südkorea zum Weltmeister in der Altersklasse Ü90. Ein Triumph, der selbst für die erfolgsverwöhnte Sportvereinigung (SV) Kirchweyhe historisch ist: Hans Nolte ist zwar schon der vierte Weltmeister in der Vereinsgeschichte, „aber mit Abstand der Älteste“, wie Christian Timmermann aus der Spartenleitung mit Stolz betont.
Steckbrief: Hans Nolte
- Geburtsjahr: 1935 (geboren in Nienburg, aufgewachsen in Sulingen)
- Verein: SV Kirchweyhe (Kreis Diepholz)
- Größte Erfolge: 🥇 Weltmeister Ü90 Einzel (Gangneung, Südkorea 2026) & 🥈 Vize-Weltmeister Doppel | 🥇 Zweifacher Europameister Ü90 Einzel & Doppel (Novi Sad, Serbien 2025) | 🏆 Sportler des Jahres im Landkreis Diepholz (2025)
- Besonderheit: Rückhand mit Spezial-Noppenbelag, gefürchteter Vorhandschmetterball
Vom Kohlepütt an den Postschalter
Der Weg des Seniors an die Weltspitze verlief keineswegs geradlinig. Geboren in Nienburg und aufgewachsen in Sulingen (Landkreis Diepholz), lernte Nolte zunächst unter Tage: Fast siebeneinhalb Jahre schuftete er als Bergmann auf der Zeche Gneisenau in Dortmund-Derne. Als in den 1950er-Jahren der Strukturwandel einsetzte und Züge sowie Großbetriebe von Kohle auf Diesel umstellten, riet ihm der Schwiegervater zum Berufswechsel.
Über die Deutsche Bundespost verschlug es Nolte schließlich nach Norddeutschland. Mit seiner Jugendliebe aus Solingen zog er nach Kirchweyhe, saß jahrzehntelang am Schalter des örtlichen Postamts und fand in der SV Kirchweyhe seine sportliche Heimat. Dass die Tischtennis-Sparte damals die größte in ganz Niedersachsen war, passte perfekt zu seinem Bewegungsdrang.

Dass Nolte erst im hohen Alter die ganz großen Titel abräumt, hat System. Bis zu dreimal pro Woche steht er an der Platte – für Training und reguläre Punktspiele. An der Seite von deutlich jüngeren Vereinskollegen hält er mühelos mit. Sein Erfolgsgeheimnis an der Platte ist mehr als nur taktische Finesse:
- Material-Vorteil: Auf der Rückhand setzt Nolte auf einen Noppenbelag. Wird er mit Topspin angegriffen, wandelt der Noppenbelag den gegnerischen Drall in gefährlichen Unterschnitt um.
- Die Vorhand-Peitsche: Wenn der Gegner den Ball verunsichert zu hoch zurückspielt, vollendet Nolte mit einem platzierten Vorhandschmetterball.
- Kühler Kopf: Im WM-Finale in Gangneung lag sein Kontrahent durch aggressive Vorhandaufschläge schnell vorn. Nolte reagierte routiniert: Er trat einen Schritt vom Tisch zurück, verlangsamte das Spiel und drehte das Match zum souveränen 3:0-Sieg.

Fit halten ihn nicht nur gute Gene – sein ältester Bruder erreichte stolze 97 Jahre –, sondern konsequente Bewegung. Bis heute mäht er seinen Rasen selbst, erledigt den Haushalt und profitiert beim Sport von einer Lektion aus seiner Jugend: Beim Jiu Jitsu lernte er früh das richtige Abrollen bei Stürzen.
Nächstes Ziel: Titelverteidigung in Riga
Nach dem Gewinn der Doppel-Europameisterschaft in Novi Sad (kreiszeitung.de) und dem WM-Triumph in Südkorea blickt Hans Nolte bereits auf das nächste Großereignis: Bei den kommenden Europameisterschaften in Lettlands Hauptstadt Riga will er seinen Titel verteidigen.
🎧 Direkt zur Podcast-Folge: Das Gespräch mit Hans Nolte
Alleine reisen muss er diesmal nicht: Aus Kirchweyhe haben sich bereits mehrere Vereinskollegen für die Reise nach Riga angemeldet. Und der Ehrgeiz bleibt ungebrochen: Wenn man einmal ganz oben auf dem Treppchen stand, möchte man diesen Platz nicht kampflos räumen.