Hortsterben in Frankfurt: Die Stadt verdrängt die Schulhorte

Es ist ein Ende mit Ansage. In Frankfurt schließen immer mehr kleine Horte und Schülerläden, in denen Grundschüler nachmittags betreut werden. Oft waren sie Jahrzehnte in Betrieb. Doch die Kommune macht den Trägern das Leben schwer. Die Stadt Frankfurt hat die interne Nachmittagsbetreuung an den Grundschulen derart stark ausgebaut, dass die von Kirchen und privaten Trägern geführten Horte in dieser Konkurrenz kaum noch überleben können.

An allen Grundschulen in Frankfurt entstehen nach und nach große Kinderbetreuungszentren. Viele Eltern melden ihre Kinder dort an, weil es ihnen praktisch erscheint. Die Wege sind kurz, die Kinder bleiben auch nach Schulschluss auf dem Schulgelände und gehen einfach „rüber“ in die Nachmittagsbetreuung. Die Horte, die zum Teil seit Jahrzehnten im Stadtteil etabliert sind, haben es dagegen schwer.

Dabei übersehen viele Eltern die Vorteile der kleinen Einrichtungen: Sie bieten oft eine familiäre Atmosphäre und eine persönlichere Betreuung. Manche Kinder brauchen nach dem Unterricht auch einfach Abstand vom schulischen Umfeld. Sie blühen erst in kleinen Gruppen, die eine Trennung von Schule und Freizeit ermöglichen, richtig auf.

Die Stadt verzerrt den Wettbewerb

Der Ausbau der Grundschulen zu Ganztagsschulen hat die Entwicklung beschleunigt. Hinzu kommt, dass die Stadt Frankfurt den Wettbewerb jahrelang verzerrt hat. Sie hat die schulinterne Betreuung bevorteilt und für Dritt- und Viertklässler keine Elternbeiträge verlangt. So konnten Eltern bisher rund 200 Euro im Monat sparen. Das soll sich zwar ändern. Künftig soll die Kinderbetreuung überall kostenpflichtig sein. Aber die kleinen Horte spüren den Wettbewerbsnachteil schon seit Jahren.

Um den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung zu erfüllen, hat es die Stadt mit dem Ausbau der schulinternen Betreuung übertrieben. In vielen Grundschulen ist sie zu groß konzipiert. Die Stadt hat an den Schulen derart viele Plätze geschaffen, dass hundert Prozent der Schüler dort betreut werden könnten, obwohl bekannt war, dass es auch externe Horte im jeweiligen Stadtteil gibt. Mit Rücksicht auf sie wäre es geboten gewesen, den Ausbau der schulinternen Betreuung kleiner zu dimensionieren.

Der aktuelle Fall des „Räubernests“ im Stadtteil Bornheim führt vor Augen, mit wie wenig Fingerspitzengefühl und pädagogischem Gespür das Stadtschulamt vorgeht. Einer gut geführten, beliebten und stark nachgefragten Institution, die lediglich umziehen wollte, werden Steine in den Weg gelegt, anstatt sie zu unterstützen.

Mit den Schülerläden stirbt eine Tradition. Familien sollten zwischen verschiedenen Konzepten wählen können, statt faktisch nur noch ein schulisches Angebot vorzufinden.