Ausmaß noch unklar: Schwierige Rettung nach Indonesien-Beben

Ausmaß noch unklar

Nach dem schweren Erdbeben in Indonesien am Samstag sind am Sonntag die Rettungsarbeiten auf der Insel Flores weitergegangen. In den Trümmern wurde nach Überlebenden gesucht, doch manche Orte sind nach Erdrutschen nur schwer zugänglich. Die Zahl der Toten stieg weiter.

Online seit heute, 17.59 Uhr

Mindestens 53 Menschen kamen im Zuge des Erdbebens ums Leben, hieß es am Sonntag von den Behörden. Rund 5.000 Menschen wurden insgesamt in Sicherheit gebracht. Bei dem Beben der Stärke 7,7 in der Provinz Ost-Nusa-Tenggara Samstagfrüh wurden mehr als 130 Personen verletzt, viele von ihnen schwer.

„Fast alle Einwohner von Sikka trauten sich nicht, in den Häusern zu bleiben, weshalb sie auf Veranden oder in Zelten schliefen“, sagte der stellvertretende Regent von Sikka, einem Teil der Insel Flores, dem Nachrichtensender KompasTV.

Verletzte imK Kranknehaus in Labuan Bajo
Zahlreiche Menschen wurden in Notunterkünfte gebracht

3.500 Soldaten und Polizisten in der Region

Laut Behördenangaben wurden mehr als 3.500 Soldaten und Polizisten in die Region entsandt. Rettungskräfte konnten Teile der Hafenstadt Maumere erreichen, die durch Erdrutsche abgeschnitten waren. Die meisten Vermissten seien unter Trümmern eingeschlossen. Zudem wurden mehr als 1.300 Häuser beschädigt.

„Wir haben die meisten Erdrutsche beseitigt und die Straßen zu den zuvor isolierten Dörfern wieder freigegeben, doch Kommunikationsstörungen und Stromausfälle behindern die Sucharbeiten weiterhin“, zitierte die Nachrichtenagentur AP den Leiter des Such- und Rettungsdienstes in Maumere.

Gesamtausmaß der Schäden noch nicht abschätzbar

Laut AP verteilten Helfer Reis, Fertiggerichte, Trinkwasser, Decken und Medikamente, während Notunterkünfte für die obdachlos gewordenen Bewohner eingerichtet wurden. Die Wiederherstellung von Strom- und Kommunikationsleitungen habe momentan Priorität, hieß es von den Behörden. Die Versorgung abgelegener, durch Erdrutsche abgeschnittener Dörfer mit Hilfsgütern zähle zu den größten Herausforderungen.

Das gesamte Ausmaß der Katastrophe ist bisher noch unklar. Insgesamt wurden laut der nationalen Katastrophenbehörde 341 Nachbeben gemessen. Die Behörde meldete auch, dass 10.500 Hilfspakete in die betroffenen Regionen entsandt wurden.

„Die Deckung der Grundbedürfnisse und die logistische Versorgung der Geretteten sind zu einer der obersten Prioritäten der Katastrophenhilfe geworden“, zitierte die BBC die indonesische Behörde.

Erdbeben überraschte Bewohner im Schlaf

Ein Video, das im Hafen von Maumere – der größten Stadt auf Flores – aufgenommen wurde, zeigt laut BBC, wie große Betonbrocken von einem Terminalgebäude auf Passagiere herabstürzten, die darauf warteten, an Bord einer Fähre zu gehen. Einige wurden ins Meer geschleudert, als die Landungsbrücke zu einem Schiff einstürzte.

Emanuel Melkiades Laka Lena, Gouverneur der Provinz Ost-Nusa Tenggara, sagte auf einer Pressekonferenz, dass mehrere der Opfer im Schlaf durch herabstürzende Trümmer ums Leben gekommen seien.

Nachbeben auch im Westen Indonesiens

Nach einigen schwächeren Nachbeben bebte die Erde am Samstagabend erneut. Ein Beben der Stärke 6,9 traf die Insel Sumatra im Westen des südostasiatischen Landes, wie das US-Erdbebenzentrum (USGS) mitteilte.

Das Epizentrum lag dieses Mal bei Pematangsiantar, etwa 126 Kilometer südöstlich der Inselhauptstadt Medan. Das Beben ereignete sich in einer Tiefe von 183 Kilometern. Es wurde keine Tsunami-Warnung ausgegeben.

Indonesien wird wegen seiner Lage auf dem Pazifischen Feuerring häufig von Erdbeben erschüttert. Im Jahr 2004 war die Provinz Aceh bei einer Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe schwer zerstört worden, damals starben allein in Indonesien 170.000 Menschen.