Stand: 22.09.2026, 08:06 Uhr
Die spanische Steuerbehörde und der französische Zoll stellten die Drogen im Atlantik sicher. Sie nahmen vier Crewmitglieder der Segelyacht sowie den in Girona ansässigen mutmaßlichen Drahtzieher fest.
Girona – Mitten im Atlantik haben Einsatzkräfte ein Segelboot mit mehr als zwei Tonnen Kokain gestoppt. Dabei zerschlugen sie ein Logistiknetz des Drogenhandels. Die gemeinsame Operation von Marine und Zoll vor der galicischen Küste endete mit der Festnahme der Besatzung auf hoher See sowie des mutmaßlichen Kopfes des Netzwerks in Girona.
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Dieser Artikel von Escarlata Sánchez entstand in Kooperation mit Euronews
Für die Drogenschmuggler bedeutet die Aktion einen der schwersten Rückschläge auf den maritimen Routen der vergangenen Jahre. Bei der Operation „Doncella“ der spanischen Zollfahndung und des französischen Zolls wurden fünf Personen festgenommen und mehr als 2.000 Kilogramm Kokain sichergestellt.

Die Drogen befanden sich nach Angaben der Behörden auf dem Weg nach Europa und sollten dort in mehrere Länder verteilt werden. Das Segelboot war den Ermittlern bereits im Februar in Girona aufgefallen, als es ungewöhnlich häufig die Liegeplätze wechselte.
Dadurch konnten sie das Schiff später auf hoher See abfangen und die logistische Struktur der Organisation zerschlagen. Die Fahnder legten ein detailliertes Bewegungsprofil an, das schließlich zur laufenden Überwachung der Yacht führte.
Yacht unter polnischer Flagge im Visier der Ermittler
Im Mittelpunkt der Ermittlungen stand eine 14 Meter lange Segelyacht unter polnischer Flagge. Den Ermittlern waren zuvor ungewöhnliche Bewegungen auf See aufgefallen, etwa nächtliche Kurswechsel fernab regulärer Schifffahrtsrouten. Zudem stellte sich heraus, dass der Eigner wegen Diebstahls vorbestraft ist, was den Verdacht auf kriminelle Aktivitäten zusätzlich erhärtete.
Die Hinweise verdichteten sich, dass das Netzwerk Freizeitboote unter ausländischer Flagge an mafiöse Gruppen in Osteuropa und auf dem Balkan vermittelte. Über das Zentrum für Terrorismus- und organisierte-Kriminalität-Analyse (CITCO) holten die Ermittler zusätzliche Informationen aus Polen ein.

Diese bestätigten, dass die Yacht bereits früher im Umfeld verdächtiger Transporte aufgefallen war und mit einschlägig bekannten Personen in Verbindung stand. Sie lokalisierten die Yacht im Hafen von Roses in der Provinz Girona und beobachteten sie bis zum 11. Juli rund um die Uhr.
An diesem Tag lief das Boot aus – das Ortungssystem wurde abgeschaltet, offenbar um eine Verfolgung zu erschweren und die Route zu verschleiern. Daraufhin aktivierten die Behörden internationale Kooperationsmechanismen, um das Schiff auf offener See aufzuspüren.
Internationale Fahndung auf hoher See
Die Zusammenarbeit mit der US-Drogenbehörde DEA und der britischen National Crime Agency (NCA) über das MAOC-N ermöglichte es dem Patrouillenboot „Petrel I“, die Yacht rund 400 Seemeilen vor der galicischen Küste aufzuspüren.
Die Informationen aus den internationalen Datenbanken lieferten Hinweise zu mutmaßlichen Kontaktpunkten auf beiden Seiten des Atlantiks. So konnten die Einsatzkräfte den möglichen Treffpunkt zwischen Lieferanten und Abnehmern genauer eingrenzen.
Beim Boarding in den frühen Morgenstunden des 14. September fanden die Einsatzkräfte 70 Ballen mit insgesamt 2.100 Kilogramm Kokain, die auf dem Deck verteilt waren. Vier Crewmitglieder aus Argentinien, Uruguay, Kolumbien und Albanien wurden festgenommen.
Der Mann aus Albanien soll für die Übergabe der Drogen an Abnehmer auf dem Balkan verantwortlich gewesen sein und als Verbindungsmann zu dortigen kriminellen Strukturen fungiert haben.
Festnahmen in Girona und Fahndung in Barcelona
Während die „Petrel I“ das Segelboot nach Vigo schleppte, nahm die Polizei in Girona den mutmaßlichen Kopf des Netzwerks fest. Bei ihm handelt es sich um einen chilenischen Staatsbürger, der die Schiffe für die Transporte angeworben haben soll und als zentrale Koordinationsfigur galt.
Die Ermittlungen dauern an, insbesondere zu möglichen Hintermännern in Südamerika und zu Finanzströmen, über die die Transporte finanziert wurden. In Barcelona suchen die Behörden noch nach dem Mann, der für die Überwachung und Logistik der Gruppe zuständig sein soll.

Weitere Festnahmen sind daher nicht ausgeschlossen, da die Ermittler weitere Mitglieder des Netzwerks identifizieren wollen. Die Beschuldigten müssen sich vor der Audiencia Nacional verantworten, einem Gericht, das auf besonders schwere und internationale Straftaten spezialisiert ist.
Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Schmuggel und Drogenhandel vor. Die Ermittler gehen damit weiter gegen den internationalen Kokainschmuggel über die Atlantikroute vor und warnen, dass diese Seewege trotz wiederholter Beschlagnahmungen weiterhin intensiv genutzt werden.
Mit der aktuellen Operation wollen die Behörden auch potenzielle Nachahmer abschrecken und bestehende Netzwerke nachhaltig schwächen.