Selbstversuch auf der Vibrationsplatte: Good Vibes, meistens

Ann-Kathrin Leclere

Unsere Autorin ist weiterhin auf der Suche nach dem für sie passenden Sport. In einem Bräunungsstudio fand sie ein besonderes Trainingsgerät.

Vibrationstraining
Kribbeln, straffen, optimieren: Vibrationsplatten sind vielfältig einsetzbar

Foto: Imago/momentphoto/Michael

I ch stehe in einem Berliner Einkaufszentrum mit 70er-Chic in einem Sonnenstudio in einer Raumfahrtkabine. Vibrationswellen wandern von meinen Füßen langsam bis zum Kopf. Wenn ich meinen Mund leicht öffne, klappern meine Zähne aufeinander, meine Haut juckt nach ein paar Minuten, wegen der Durchblutung. Ich mache ein Vibrationstraining, „das ist dreimal so effizient wie Sport“, versicherte mir die Person am Empfangstresen.

Die Kabine ist etwa 1 Quadratmeter breit und sie kann so einiges. Sie soll nämlich nicht nur durch ein Vibrationsboard im Boden dafür sorgen, dass man seine Muskeln stimuliert. Man wird auch gleichzeitig noch von allen Seiten durch UV–Röhren gebräunt oder – in meinem Fall – eher geröstet. Außerdem gibt es ein „Collagenlicht“. (Das ist Infrarotlicht, das sich reiche Leute als diese weißen Cyborg-artigen Masken aufs Gesicht legen.) Von oben bläst ein Ventilator, von unten rüttelt die Platte. Das Produkt verspricht „3 in 1“: Anti-Aging, Soft Tanning, Fitnesstraining. Das Gerät formt den Körper, der Körper wird zum Gerät.

Ich bin vor allem mit einer Sache beschäftigt: Reize minimieren. Ventilator runter. Dann aber wieder hoch, weil die UV-Lampen sonst viel zu heiß auf die Haut knallen. Die sollen aber eigentlich eh aus. Schlechter House scheppert in den Boxen, die Musik muss auch aus. Oder wechsel ich den Kanal? Wie kann man heute eigentlich noch so schlechte Boxen herstellen?

Die Maschine passt natürlich perfekt in das heutige System: Sie verspricht, in möglichst wenig Zeit möglichst viel für den Körper zu machen.

Was für eine Aufregung. Aber alles für die Kolum… eh Gesundheit. Die Vibration soll das Gleichgewicht fördern, die Durchblutung unterstützen, Muskeln trainieren und den Körper straffen. Straffen, straffen, straffen. „SHAPE“ steht auf der Außenseite der Kabine, als wäre es ein Problem des menschlichen Körpers, dass er noch keine ausreichende Form besitzt. Der Körper ist ein Optimierungsobjekt und das kann nur optimieren, wer das Geld dazu hat. Zeit braucht man nicht mehr. Denn wir müssen ja nur noch 15 bis 20 Minuten auf einer vibrierenden Platte, während wir gleichzeitig etwas gegen das Altern, für die Bräune und für die Muskeln tun. Zack, alles in einem Rutsch erledigt. Die Vibrationsplatten in Fitness- und Sonnenstudios sind natürlich vor allem für ein weibliches Publikum ausgelegt.

Im Reha- und Leistungssport sind sie aber schon lange etabliert. Mein Opa präsentierte mir bei meinem letzten Besuch auch stolz eine Platte für zu Hause, die er nach dem Einsetzen eines neuen Hüftgelenks fleißig nutzte. Ob sie der Grund ist, dass er schon nach wenigen Wochen wieder völlig ohne Schmerzen laufen konnte? Vielleicht. Ob man zur Vibration auch noch Bräunung und Straffung braucht? Vermutlich nicht. Aber es liegt im Trend. Und die Maschine passt natürlich perfekt in das heutige System: Sie verspricht, in möglichst wenig Zeit möglichst viel für den Körper zu machen.

Ich stehe also da und vibriere. 20 Minuten maximal. Als ich die Kabine verlasse, freue ich mich über den sicheren Boden unter meinen Füßen. Mein Bauch grummelt, meine Oberschenkel glühen. Ob ich es noch einmal mache? Vielleicht. Richtigen Sport, und vor allem den Spaß am Sport und sich dafür Zeit zu nehmen, kann eine solche Platte aber nicht ersetzen.

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Ann-Kathrin Leclere

Ann-Kathrin Leclere

Aus Kassel, lange Zeit in Erfurt gelebt und Kommunikationswissenschaft studiert. Dort hat sie ein Lokalmagazin gegründet. Danach Masterstudium Journalismus in Leipzig. Bis Oktober 2023 Volontärin bei der taz. Jetzt Redakteurin für Medien (& manchmal Witziges).

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