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Bei der wissenschaftlichen Untersuchung eines 16‑jährigen Jungen haben Forscher eine außergewöhnlich ausgeprägte Gedächtnisleistung festgestellt. Der Jugendliche ist in der Lage, sich an persönliche Erlebnisse und Details zu erinnern, die bis in seinen dritten Lebensmonat zurückreichen. Dieses ausgeprägte autobiografische Gedächtnis (HSAM) ist allerdings keine Superkraft, denn es hat eine wesentliche Einschränkung.
Gedächtnis erreicht außergewöhnliches Leistungsniveau
Der 16‑jährige Jugendliche wird in der Studie aus Gründen des Schutzes seiner Identität unter dem Pseudonym „KCL“ geführt. Er wandte sich an den Kognitionsforscher Krystian Barzykowski, der unter anderem zum Phänomen unwillkürlicher autobiografischer Erinnerungen publiziert hat. KCL berichtete ihm von persönlichen Erinnerungen, die bis in seinen dritten Lebensmonat zurückreichen. Mehrere dieser Erinnerungen aus seiner frühen Kindheit konnten nach seinen Angaben auch von seinen Eltern bestätigt werden.
Nach eigener Aussage werden seine Erinnerungen häufig unwillkürlich durch alltägliche Reize ausgelöst, etwa durch einen bestimmten Geruch, ein Lied oder eine charakteristische Formulierung. Er gab zudem an, sich an detaillierte Ereignisse aus ungefähr der Hälfte seiner Lebenstage erinnern zu können. Die wissenschaftliche Untersuchung ergab, dass seine autobiografische Gedächtnisleistung ein außergewöhnlich hohes Niveau erreichte und statistisch betrachtet vermutlich über dem von 99,9 Prozent der Allgemeinbevölkerung liegt.
Wie „Live Science“ über die Untersuchung berichtete, stellten die Forschenden zudem keine auffälligen Besonderheiten in der Gehirnstruktur des Jugendlichen fest. Auch seine Entwicklung verlief nach den vorliegenden Angaben unauffällig und war weder von psychiatrischen Erkrankungen noch von schulischen Problemen geprägt.
Keine Superkraft: Erinnerungen beziehen sich auf die eigene Person
KCL wurde im Rahmen der Untersuchung verschiedenen wissenschaftlichen Tests unterzogen. Barzykowski und sein Forschungsteam ließen ihn unter anderem eine Computeraufgabe bearbeiten, bei der er eine Abfolge verschiedener Muster auf einem Bildschirm betrachtete. In regelmäßigen Abständen wurde er aufgefordert, anzugeben, welche Gedanken ihm während der Aufgabe durch den Kopf gegangen waren.
Im Vergleich mit bereits vorliegenden Daten von Personen ohne HSAM zeigte KCL während der Untersuchung eine deutlich erhöhte Häufigkeit unwillkürlich auftretender autobiografischer Erinnerungen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bei ihm nicht nur besonders viele persönliche Erinnerungen gespeichert sind, sondern diese auch besonders leicht durch alltägliche Reize aktiviert werden können.

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Seine außergewöhnliche Gedächtnisleistung lässt sich jedoch nicht als allgemeine Gedächtnissuperkraft verstehen. Die Besonderheit beschränkt sich auf Erinnerungen an das eigene Leben und betrifft damit vor allem das autobiografische Gedächtnis. Beim Erlernen von Alltagswissen, Vokabeln oder Zahlen zeigte KCL hingegen keine außergewöhnlichen Fähigkeiten und unterschied sich in diesem Bereich nicht wesentlich von anderen Menschen.
„Seine Einzigartigkeit liegt möglicherweise nicht nur darin, woran man sich erinnert, sondern auch darin, wie auf autobiografische Erinnerungen zugegriffen wird“, schreiben die Forscher. Demnach könnten insbesondere die Zugänglichkeit solcher Erinnerungen und die Prozesse ihres Abrufs eine zentrale Rolle für ein außergewöhnlich ausgeprägtes autobiografisches Gedächtnis spielen.