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Serie Kulinarische DNA „Schnitzel geht immer“ – Saarstahl-Köchin gewährt Einblicke in ihre Kantine
Serie | Völklingen · Sie kam als Küchenhilfe zu Saarstahl und führt heute ein 14-köpfiges Team: Julia Sauter leitet die Saarstahl-Kantine in Völklingen und versorgt täglich bis zu 600 Mitarbeiter mit frischen Gerichten. Wie sich die Wünsche der Gäste über die Jahre gewandelt haben.
07.09.2026 , 21:43 Uhr
Saarstahl-Kantinenchefin Julia Sauter erzählt aus ihrem Arbeitsalltag und gibt ihr Lieblingsrezept preis. Hier ist sie an ihrem Arbeitsplatz.
Foto: BeckerBredel
„Wenn wir Schnitzel auf dem Plan haben, dann können 600 zu wenig sein, und ich muss nachbestellen – Schnitzel geht immer.“ Das sagt Julia Sauter, die Leiterin der Saarstahl-Kantine in Völklingen. Dass Schnitzel in einer Kantine der Renner sind, ist kein Geheimnis und dürfte für alle Großküchen gelten. Doch die Saarstahl-Köchin kann mehr. Viel mehr. Wir haben sie im ehemaligen Schlafhaus der Saarstahl AG besucht und treffen dabei auch einen Großküchen-Profi.
Julia Sauter leitet die Saarstahl-Kantine in Völklingen
Seit 14 Jahren arbeitet die 49-Jährige im Völklinger Unternehmen und übernahm vor vier Jahren sogar die Leitung der Küche. Ihr Weg dorthin war nicht alltäglich. Sauter kam mit 24 Jahren als Deutschrussin aus Kirgisien nach Deutschland und absolvierte eine Kochausbildung im Gästehaus der Dillinger Hütte.
Nach Stationen im Fischrestaurant „Calari“ in Merzig und dem damaligen Hotel „Haus Sonnwald" in Bessingen bewarb sie sich bei Saarstahl. „Ich habe bei Saarstahl vor 14 Jahren als einfache Küchenhilfe angefangen", erinnert sie sich.
Von der Küchenhilfe zur Kantinenchefin bei Saarstahl
Obwohl sie eine ausgebildete Köchin ist, begann sie in dieser Position, qualifizierte sich aber mit einer kaufmännischen Ausbildung weiter und konnte die Leitung am Standort Völklingen schließlich übernehmen. Die Küche versorgt täglich zwischen 500 und 600 Mitarbeiter. Gekocht wird zentral in Völklingen, von wo aus auch die Kantinen in Burbach und Neunkirchen beliefert werden. „Gekocht wird alles hier“, bestätigt Sauter.
Julia Sauters Lieblingsrezept ist ein selbstgemachter Döner.
Foto: BeckerBredel
Das Team aus 14 Mitarbeitern lege großen Wert auf Frische. „Wir kaufen so gut wie nie fertige Salate. Das machen wir alles selbst und frisch“, betont die Küchenchefin. Auch Soßen würden grundsätzlich selbst hergestellt. Fertigsoßen habe man nicht.
Frisches Kantinenessen für bis zu 600 Beschäftigte täglich
„Wir wollen gesund kochen und haben regionale Lieferanten, die sehr verlässlich sind“, sagt sie. Über die Jahre hätten sich die Essgewohnheiten der Belegschaft verändert. „Heute sind die Bedürfnisse der Menschen ein bisschen anders.“ Vegetarische und leichtere Gerichte seien stärker nachgefragt. Die klassische deftige Küche aus ihren Anfangsjahren sei nicht mehr so angesagt. Und das Klischee, dass der Hüttenarbeiter kräftiges Essen liebt, sei heute nicht mehr haltbar. Trotz des Trends zu bewusster Ernährung sei ein Klassiker unschlagbar: „Schnitzel geht immer.“
Aber darauf ruhe man sich nicht aus, der Speiseplan setze auf große Abwechslung. Anregungen für den Speiseplan, der sich frühestens alle zwölf bis 14 Wochen wiederhole, hole sie sich aus Fachliteratur, dem Internet und im Gespräch mit Lieferanten. Gerade die Zulieferer würden die Branche gut kennen und oft mit eigenen Ideen aufwarten, da sie nicht nur Zutaten liefern, sondern auch beraten.
Bilderstrecke zuletzt aktualisiert:
17.06.2025
So plant die Saarstahl-Kantine den Speiseplan und vermeidet Reste
Aus diesem Ideenmix entstehe dann die Speisekarte immer bis zu drei Wochen im Voraus. Die Wirtschaftlichkeit sei dabei ein tägliches Thema, das durch eine Mischkalkulation aus günstigeren und teureren Gerichten gesteuert werde. Reste würden durch eine vorausschauende Planung und Weiterverarbeitung, etwa als „Bauernsuppe“, minimiert.
Vieles könne auch eingefroren werden. „Nur Ware, die einmal in der Auslage ist, muss vernichtet werden, wenn sie nicht gegessen wird. Aber das ist nicht viel. Wir wissen aus unserer Statistik, wie hoch die Nachfrage ungefähr sein wird, und bestellen knapp. Wenn uns etwas ausgeht, bestellen wir nach. Glücklicherweise haben wir Lieferanten, die das ermöglichen“, erklärt die Köchin das nachhaltige Arbeiten. Einiges lande freitags in einem Eintopf, auch das vermeide das Wegwerfen von Lebensmitteln.
Julia Sauter kocht auch nach Feierabend für ihre Familie
Für die Köchin, die in Besseringen wohnt, endet die Arbeit am Herd nicht mit dem Feierabend. Auf die Frage, ob sie auch zu Hause koche, antwortet sie: „Leider ja. Mein Mann kocht nicht und daher muss ich ...“ Die Frage „Mama, was werden wir heute essen?" gehöre zu ihrem täglichen Leben. Auch wenn ihre Kinder bereits 26 und 22 Jahre alt sind. Ihren Job in der Kantine liebe sie.
Und Kreationen wie der Saarstahl-Burger mit der eigenen vom Vorgänger kreierten Soße würden gern genommen. Was nicht mehr so recht geht, seien Königsberger Klopse oder Schweinebauch. „Diese alten Gerichte werden nicht mehr gegessen. Wir machen sie trotzdem ab und an, denn ältere Mitarbeiter schätzen das“, sagt sie und verneint die Frage, ob sie auch die Küche aus Kirgisien einfließen lasse.
„Ich habe Kochrezepte von meiner Oma und meiner Mutter, will aber die Küche hier nicht damit beeinflussen. Einmal gab es eine russische Sommersuppe, und vielleicht gibt es im Rahmen der Themenwochen irgendwann mal eine Woche mit osteuropäischen Gerichten. Aber das habe ich mir bisher nicht zugetraut“, gibt sie zu.
Stattdessen seien französische oder italienische Wochen beliebt, und an Weihnachten gibt es in der Saarstahl-Kantine sogar ein Weihnachtsmenü mit drei Gängen, serviert von den Auszubildenden in der dekorierten Kantine.
Für die Leserinnen und Leser der SZ hat sie einen Kebapteller zubereitet, damit wir ihn fotografieren können. Auch den gibt es im regulären Kantinenessen und hier zum Nachkochen als Rezept. (lwg)