„Die Linke hat mich verloren“: Clan-Chef Remmo widerspricht den Dementis von Linken-Politiker Koçak

Sicherheitsrisiko im Berliner Innenausschuss? Remmo widerspricht Linken-Politiker Koçak

Stand: 16.10.2026, 20:25 Uhr

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Der Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak gibt seinen Sitz im Innenausschuss des Bundestages auf.

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak gibt seinen Sitz im Innenausschuss des Bundestages auf. © Michael Kappeler/dpa

Erhielt ein Clan-Boss Zugang zum Berliner Innenausschuss? Neue Aussagen widersprechen den Erklärungen von Linken-Politiker Ferat Koçak.

Berlin – Der Berliner Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak (Direktmandat Neukölln) bezeichnete sein Handeln im Nachhinein als „naiv und überfordert“ – doch jetzt widerspricht ihm Clan-Oberhaupt Issa Remmo öffentlich. Die Debatte um Koçaks Kontakte flammt durch die neuen Aussagen wieder auf. Zuvor hatte der Politiker seinen Sitz im Innenausschuss des Bundestages geräumt. Er beteuerte, er habe bei dem Nachrichtenaustausch nicht gewusst, mit wem er es genau zu tun hatte.

Clanchef Issa Remmo in Berlin.

Clanchef Issa Remmo (vorne) in Berlin (Archivbild) © AFP

An dieser Darstellung gibt es nun Zweifel durch neue Vorwürfe: Wie die Bild-Zeitung berichtet, behauptet Remmo, dass es keineswegs nur um flüchtige oder unwissentliche Kontakte ging. Koçak sei persönlich in sein Büro gekommen und habe dort über eine Stunde lang mit ihm über Politik, Sozialismus und Enteignungen diskutiert. Koçak und die Linkspartei ließen eine entsprechende Anfrage der Zeitung unbeantwortet. Damit steht Aussage gegen Aussage: Die Erklärung des Politikers trifft auf die gegenteilige Schilderung von Issa Remmo.

Sicherheitsrelevantes Gremium im Fokus

Der Fall birgt vor allem wegen Koçaks bisheriger Funktion politische Brisanz. Der Innenausschuss des Bundestages ist ein zentrales Sicherheitsgremium: Er kontrolliert Behörden wie das Bundeskriminalamt (BKA), die Bundespolizei und das Bundesamt für Verfassungsschutz. Abgeordnete haben dort Einblick in vertrauliche Lageberichte – auch zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität.

Dass Koçak Kontakte zu Angehörigen der Familie Remmo pflegte, löste bei Sicherheitspolitikern scharfe Kritik und Rücktrittsforderungen aus. Ihren Anfang nahm die Debatte, als Issa Remmo auf einer Wahlparty der Linken in Berlin auftauchte. Kurz darauf veröffentlichte dessen Sohn Firas Remmo Chatprotokolle auf Instagram.

Darin schrieb Koçak unter anderem: „Grüße mit Respekt zurück an deinen Vater“ und bat um Hilfe bei der Verbreitung eines Videos, in dem er die Debatte um Clankriminalität kritisch hinterfragte. Zudem räumte Koçak ein, ein gespendetes Mobiltelefon von Issa Remmo für Antifa-Jugendliche entgegengenommen zu haben, wie der Tagesspiegel berichtete.

Verantwortung übernommen – doch die Debatte hält an

Unter wachsendem Druck erklärte Koçak schließlich seinen vollständigen Rückzug aus dem Innenausschuss. Er betonte: „Ich bin weder kriminell noch unterstütze ich organisierte Kriminalität.“ Die Fraktionsspitze um Sören Pellmann stufte diesen Schritt zunächst als ausreichend ein.

Gleichzeitig prüft die Berliner Staatsanwaltschaft Vorwürfe gegen Koçak. Clan-Chef Remmo kündigte unterdessen an, künftig keine Wahlwerbung mehr für Die Linke zu machen („Die Linke hat mich verloren“). Er bringt laut eigener Aussage bei Erhalt der deutschen Staatsbürgerschaft sogar die Gründung einer eigenen Partei ins Spiel. (Quellen: Bild, Tagesspiegel, taz, dpa) (frs)