Stand: 05.08.2026, 18:06 Uhr
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Am Dienstag hatte sie ihren letzten Arbeitstag: Petra Regauer vom Gesundheitsamt, die sich fast 40 Jahre in den Dienst der Landkreisbürger gestellt hatte. Jetzt will sie „rumsandeln“, aber auch ihre Hobbys pflegen – unter anderem das Reiten, das sie wieder angefangen hat.
Weilheim – An einem ihrer letzten Arbeitstage, bevor sie nach fast 40 Jahren vom Gesundheitsamt Weilheim-Schongau Abschied nimmt, blättert Petra Regauer in ihrem Büro an der Eisenkramergasse in einem Fotobuch. Beim Gespräch mit der Heimatzeitung zeigt die stellvertretende Leiterin des Sachgebiets „Gesundheitsförderung und Prävention“ Bilder und Dokumente, die Kollegen in dem Buch für sie gesammelt haben. Darunter sind auch viele Erinnerungen an teils preisgekrönte Projekte, die sie für die Landkreisbürger entwickelt und umgesetzt hat. Wenn Regauer über ihre Arbeit spricht, wird deutlich, dass die Diplom-Sozialpädagogin eng mit ihrem Beruf verbunden war – egal, ob es um Suchtprävention bei jungen Menschen ging, um die Beratung für Schwangere oder um Sturzprävention für Senioren.
Am gestrigen Dienstag hatte die 63-jährige Mutter zweier erwachsener Söhne ihren letzten Arbeitstag. Anfang September tritt sie dann in die Freistellungsphase der Altersteilzeit. Im Interview blickte Regauer, die seit 2024 verwitwet ist, zurück, aber auch nach vorn.
Frau Regauer, was haben Sie für Erinnerungen an Ihren ersten Arbeitstag beim Gesundheitsamt?
An dem Tag Anfang Januar 1987 musste ich erst einmal Fragen wegen meines Namens beantworten. Denn ich war noch als Petra Baumann eingestellt worden, hatte aber zwischenzeitlich geheiratet und trat meine Stelle als Petra Regauer an. Mein Arbeitsplatz war damals ein schönes Büro am Oberen Graben 6.
Wofür waren Sie damals zuständig?
Beim Gesundheitsamt, das damals noch gar nicht zum Landratsamt gehörte, war ich die Nachfolgerin einer Fürsorgerin. Diese hatte sich um TBC-Fürsorge gekümmert, die Mütter- und Väterberatung begleitet und war für die Beratung von Alkoholikern zuständig gewesen. Als Diplom-Sozialpädagogin war ich keine Fürsorgerin, war aber noch im kleinen Rahmen in der TBC-Fürsorge aktiv. Hauptsächlich war ich jedoch in der Einzelfallhilfe tätig, wenn jemand auffällig geworden war – egal, ob wegen psychischer Probleme oder wegen Alkoholproblemen.
Wie haben sich Ihre Aufgaben dann verändert?
Der Trend ging weg von der Einzelfallhilfe hin zur Präventionsarbeit. So bin ich 20 Jahre lang im Rahmen unserer Sexualpädagogik mit einem Kollegen in Schulklassen gegangen. Wir informierten etwa über Körperfunktionen, Verhütungsmittel und sexuell übertragbare Krankheiten. Am Ende hatten die Mädchen, um die ich mich kümmerte, oft unheimlich viele Fragen, darunter auch die: „Bin ich so richtig, wie ich bin?“ Und ich konnte sagen: „Ja, du bist in Ordnung.“ Als Erfolg unserer Präventionsarbeit in Bezug auf den Alkoholkonsum werte ich, dass die Alkoholvergiftungen, die in den Krankenhäusern im Landkreis behandelt wurden, klar zurückgingen. 2006 waren es noch 69, 2019 nur noch sechs.
Gab es einen Aufgabenbereich, der Ihnen besonders am Herzen lag?
Das war die Arbeit für Kinder und Jugendliche. Meine Motivation war, dass sie gut und gesund aufwachsen können. Später waren mir auch die Schwangerschafts- und die Schwangerschaftskonfliktberatung sehr wichtig sowie die Familien. Als ich Stadträtin in Weilheim war, habe ich das örtliche „Familienbündnis“ ins Leben gerufen. Dieses sollte sich für bezahlbaren Wohnraum und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie einsetzen. Es machte auch auf das Problem aufmerksam, dass damals für viele Sozialwohnungen die Sozialbindung endete.
Was ist der größte Erfolg, der im Laufe Ihrer Dienstzeit in Ihrem Arbeitsbereich erreicht wurde?
Das Highlight waren für mich die Preise für die Präventionsprojekte „No Alc for Kids“ und „Wir geben Halt“. Aber auch die Einführung der „Gesundheitsregion plus“, die Einrichtung der Hebammenkoordinationsstelle und die Einführung des Verhütungsmittelfonds, der kostenlose Verhütungsmittel für Bedürftige ermöglicht, gehören zu den großen Erfolgen.
Wo sehen Sie derzeit besonderen Handlungsbedarf?
In der Schwangerenberatung erfahre ich oft, dass es an bezahlbarem Wohnraum fehlt. Dies ist ein sehr brennendes Thema. Zudem wäre es wichtig, die Medienkompetenz der Eltern zu stärken. Denn auch wenn moderne Technik unglaublich viele Chancen bietet, sind Smartphones für Grundschüler nicht geeignet. Bei der Mediennutzung müssen Kinder und Jugendliche durch Ältere gut begleitet werden.
Werden Sie im Ruhestand etwas aus Ihrem Berufsleben vermissen?
Auf alle Fälle werde ich die Kollegen vermissen, da ich zu ihnen intensive Kontakte hatte und von ihnen viel Wertschätzung bekam. Auch die Schwangerschaftsberatungen werden mir abgehen, weil ich immer schnell einen guten Draht zu den Menschen hatte. Ich werde es aber genießen, lange auszuschlafen und rumzusandeln. Dann gibt es auch noch meine Hobbys. Ich habe wieder angefangen zu reiten und neu begonnen, Klavierspielen zu lernen. Zudem lerne ich Thai, da ich den großen Teil des Winters in Thailand verbringen möchte, wo einer meiner Söhne lebt.