„Sind Plünderern ausgeliefert“: Anwohner protestieren am Supervulkan

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In Pozzuoli ist die Angst längst Alltag. Die Hafenstadt liegt im Gebiet des Supervulkans bei Neapel, wo immer wieder die Erde bebt. Häuser, die dabei zu Schaden kamen, stehen teilweise leer, viele Bewohner schlafen weiterhin in ihren Autos, andere haben ihre Wohnungen verlassen und wissen nicht, wann oder ob sie zurückkehren können. Unter den Anwohnern wächst die Sorge vor Plünderungen. Am Donnerstag machten einige ihrem Unmut vor dem Sitz des Regionalparlaments in Neapel Luft – mit Campingzelten und einem großen Transparent: „Pozzuoli esiste ancora“ („Pozzuoli existiert noch“).

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Italienische Ortschaft am Supervulkan wird zur Geisterstadt

Die Protestaktion fand parallel zu einer Sondersitzung des Regionalrats zu den Phlegräischen Feldern statt. Die Bewohner fordern nach dem schweren Erdbeben der Stärke 4,7 vom 31. Juli konkrete Hilfe. „Wir können nicht mehr warten. Wir wollen Lösungen – alle und sofort“, sagt Salvatore Buonanno vom Netzwerk „Pozzuoli esiste ancora“. Die Betroffenen verlangen eine vollständige Finanzierung von Maßnahmen zur Erdbebensicherung, Unterstützung für obdachlose Familien sowie Transparenz bei der Verwendung der von der Regierung bereitgestellten Mittel.

Pozzuoli mit seinen circa 74.000 Einwohnern gleicht inzwischen teilweise einer Geisterstadt. Viele Wohnungen sind beschädigt und stehen leer. Die Bewohner der beschädigten Immobilien organisieren deshalb eigene Wachen und wechseln sich bei der Kontrolle der Häuser ab. „Wir sind der Willkür der Plünderer ausgeliefert“, beklagen die Bewohner. Die Gemeinschaft versuche, sich so gut wie möglich selbst zu helfen. Besonders schwierig ist die Situation für Familien mit Kindern und ältere Menschen. Einige Betroffene schlafen weiterhin in ihren Autos, weil sie nicht in ihre Wohnungen zurückkehren können. „Wir sind Vertriebene“, beklagen sie.

Erdbeben bei Neapel

Ein Blick auf die Schäden, die durch ein Erdbeben der Stärke 4,7 im Gebiet von Italiens Supervulkan verursacht wurden. © Alessandro Garofalo/LaPresse/AP/dpa | ALESSANDRO GAROFALO

Nach dem Erdbeben fehlt es an Unterkünften

Gleichzeitig verschärft sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt. Die hohe Nachfrage nach Unterkünften für Menschen, die ihre Wohnungen verlassen mussten, treibt die Preise in die Höhe. Die Betroffenen fürchten, dass sie sich die Mieten auf Dauer nicht leisten können. Manche sehen sogar die Gefahr, Pozzuoli dauerhaft verlassen zu müssen.

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Bereits am Mittwochabend waren in der Hafenstadt zahlreiche Menschen mit Fackeln auf die Straße gegangen. Auf Plakaten standen Sätze wie „Wartet nicht auf die Katastrophe, handelt jetzt“ und „Wir wollen nicht die Toten zählen, sondern die Lebenden“. Die Demonstranten fordern die Ausrufung des Notstands sowie ein Sondergesetz für das Gebiet der Phlegräischen Felder.

Die Region des Supervulkans ist seit Jahren vom sogenannten Bradyseismus betroffen. Dabei hebt und senkt sich der Boden langsam, begleitet von wiederkehrenden Erdbeben. Die Erschütterungen verunsichern die Bevölkerung und haben bereits zu Evakuierungen und zahlreichen Gebäudekontrollen geführt. Das Beben vom 31. Juli war nach Angaben aus der Region das stärkste seit rund 40 Jahren. In der Folge wurden 217 Gebäude geräumt; 1101 Wohneinheiten sind betroffen.