Stand: 01.09.2026, 23:31 Uhr
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Nach dem Ende des Deadline Days erklärt Sportchef Clemens Fritz Werder Bremens Transfer-Politik – und äußert sich zur Kritik aus dem Umfeld.
Bremen – Hektisch war er, der Deadline Day 2026 im und am Bremer Weserstadion – das war im Vorfeld nicht anders erwartet worden. Wie schon in vielen vergangenen Sommern war der SV Werder Bremen auch kurz nach dem (verpatzten) Start der Bundesligasaison 2026/27 wieder darauf angewiesen, auf den allerletzten Drücker nachzubessern und Veränderungen an seinem Kader vorzunehmen – nicht zuletzt wegen großer Verletzungssorgen, die sich kurzfristig eingestellt hatten.

Werder Bremens Sportchef Clemens Fritz: „Alles, was wir in den letzten Tagen vorbereitet haben, haben wir umgesetzt bekommen“
Unter dem Strich stand nach dem letzten Transfertag, der am Dienstagabend um 20 Uhr beendet war, folgende Bilanz: Drei neue Spieler sind kurz vor knapp noch am Osterdeich angekommen (Regeer, Ndiaye, Arthur), zwei andere dafür weg (Mbangula, Covic) und einer so gut wie weg (Malatini) – allesamt Leihgeschäfte. Sportchef Clemens Fritz zog in einer Medienrunde ein insgesamt positives Fazit des kompletten Transfersommers, musste aber gegen die allgemein kritische Stimmung im Umfeld des SV Werder Bremen anreden.
„Alles, was wir in den letzten Tagen vorbereitet haben, haben wir umgesetzt bekommen“, sagte der Ex-Profi und meinte damit die Verpflichtungen der beiden Außenverteidiger Moussa Ndiaye (RSC Anderlecht) und Arthur (Bayer 04 Leverkusen) sowie die von Mittelfeldspieler Youri Regeer (Ajax Amsterdam), der bereits am Montag als Ersatz für den bis ins neue Jahr hinein verletzten Jens Stage gekommen war. „Bei Youri war es eine ungeplante Leihe. Wir mussten auf den Ausfall von Jens reagieren“, erklärte Fritz, der durch die Transfers von Ndiaye und Arthur wiederum die Baustellen auf den Außenverteidigerpostionen als geschlossen ansieht.
Warum kein offensiver Neuzugang bei Werder Bremen mehr? Clemens Fritz: „Felix Agu hat gezeigt, dass er auf dem Flügel spielen kann“
Kurios: Unmittelbar nach dem Freiburg-Spiel und der Nachricht des Stage-Ausfalls hatte der Sportchef am Sonntag noch öffentlich in Aussicht gestellt, zwei neue Mittelfeldspieler holen zu wollen, dazu war lange mit nur einem Außenverteidiger gerechnet worden. Dass es nun genau andersherum kam, wollte Fritz nicht als panischen Aktionismus eingeordnet wissen. „Wir haben uns bewusst so entschieden, weil wir wissen, dass in Mitchell Weiser und Felix Agu demnächst zwei Spieler zurückkehren werden, die sehr flexibel sind“, erklärte Fritz.
Er führte aus, dass beide (derzeit noch verletzten Akteure) künftig offensiver zum Einsatz kommen sollen: „Mitch kann auch im Mittelfeld einen guten Impact auf unser Spiel haben, und Felix hat schon gezeigt, dass er auf dem offensiven Flügel spielen kann.“ Erst einmal müssen beide Spieler allerdings tatsächlich fit werden – und zurück zur Form finden, auf eher ungewohnten Positionen. Eine sicher nicht abwegige Alternative wäre es gewesen, Weiser und Agu weiterhin auf den Außenverteidigerpositionen einzuplanen und im Mittelfeld frische, möglichst kreative Kräfte zu holen, was letztlich auch am Geld gescheitert sein dürfte.
Auf die Frage, warum kein Ersatz für den ebenfalls langfristig verletzten Justin Njinmah (fehlt mit einer schweren Muskelverletzung für acht bis zehn Wochen) oder den zum FC Bologna abgegebenen Samuel Mbangula mehr gekommen sei, entgegnete Fritz: „Wir haben uns auch wegen der Kurzfristigkeit und der Marktsituation dagegen entschieden.“ Die Nachricht vom Njinmah-Ausfall hatte Werder Bremen erst im Laufe des Deadline-Days erreicht. Danach habe es laut Fritz zwar kurzzeitig den Gedanken gegeben, die Mbangula-Leihe zu stoppen. „Das hätte uns aber den Handlungsspielraum bei anderen Themen genommen.“ Heißt: Ohne die zwei Millionen Euro Leihgebühr, die Bologna sofort nach Bremen überweist, wären die Verpflichtungen von Ndiaye und Arthur nicht drin gewesen. Dass in Covic zudem ein hochveranlagter Mittelfeldspieler gen Dresden verliehen wurde, erklärte Fritz so: „Es war Patrices Wunsch, mehr Spielzeit zu bekommen. Das hätten wir ihm nicht garantieren können.“ Nun soll sich das Talent in der 2. Liga weiterentwickeln. Was viele Fans nicht gerade freut.
Sportchef Clemens Fritz erklärt Werder Bremens Transfer-Strategie des Sommers: „Gehe optimistisch in die Saison“
Zieht man die Perspektive bis in den Mai zurück auf, hat Werder Bremen zwischen den Saisons insgesamt 14 Spieler für den Profikader verpflichtet, fünf davon per Leihe. Nach den bemerkenswert frühen Transfers von Kenny Quetant, Darwin Soylu, Chuki, Karl Hein, Cedric Itten, Dariusz Stalmach, Oskar Wojcik und Alexander Schlager folgten später Ludovit Reis sowie die Rückkehrer Eren Dinkci und Niclas Füllkrug, ehe es zu besagtem Dreierpack kurz vor Schluss kam. Demgegenüber stehen die sportlich bedeutsamen Abgänge von Mio Backhaus, Romano Schmid und Karim Coulibaly sowie die Ausfälle von Stage und Njinmah, was im Umfeld dazu führt, dass der Kader nicht gerade als verbessert im Vergleich zum Vorjahr betrachtet wird. Diese Kritik ist Fritz durchaus bewusst.
„Wir müssen versuchen, die bestmögliche Qualität in den Kader zu bekommen, mit den Mitteln, die wir zur Verfügung haben“, sagte er – und hob hervor: „Wir haben Erfahrung und Frische dazugewonnen. Ich sehe unseren Kader als konkurrenz- und wettbewerbsfähig an und gehe optimistisch in die Saison. Wir wollen so schnell es geht 40 Punkte haben und begeisternden Fußball spielen.“ Dass viele Fans und Beobachter da deutlich skeptischer sind, kommentiert der Sportchef des SV Werder Bremen wie folgt: „Wir können es nicht jedem rechtmachen und nur das umsetzen, was die Möglichkeiten hergeben. Wir können zufrieden sein, wenn wir auf den Kader schauen und werden unseren Weg gemeinsam und erfolgreich gehen.“ (dco)