So gefährlich ist das feline Parvovirus 22 Katzen sterben bei Seuchenausbruch im Tierheim Ahaus
04.08.2026 · 19:32 Uhr
Eine Katze wartet in einem Tierheim darauf, in ein neues Zuhause ziehen zu dürfen. (Symbolbild)
Foto: picture alliance/dpa/Boris Roessler
Düsseldorf · Nach dem Ausbruch der Katzenseuche im Tierheim Ahaus sind 22 Katzen gestorben. Der Kölner Tierarzt Ralf Unna erklärt, warum Tierheime besonders gefährdet sind – und was Katzenhalter tun können, um ihre Tiere zu schützen.
Der Ausbruch der Katzenseuche hat das Tierheim Ahaus im Münsterland schwer getroffen. Insgesamt 22 Katzen sind an der hochansteckenden Viruserkrankung gestorben. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, musste das Tierheim Ende Juni einen Aufnahmestopp für Katzen verhängen und die Vermittlung vorübergehend einstellen. Inzwischen entspannt sich die Lage. „Seit drei Wochen ist keine Katze mehr erkrankt. Wir sehen langsam Licht am Ende des Tunnels“, sagt Tierheimleiterin Julia Rehermann.
Tödliche Virusinfektion
Die sogenannte Katzenseuche wird durch Parvoviren verursacht und zählt zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten bei Katzen. „Das ist keine harmlose Durchfallerkrankung“, sagt der Kölner Tierarzt Ralf Unna, der mit seiner Praxis seit vielen Jahren auch ein großes Tierheim betreut. Das Virus greife die Darmzellen an, zerstöre die Darmschleimhaut und führe zu schweren, später oft blutigen Durchfällen sowie einem massiven Flüssigkeitsverlust. Unbehandelt kann die Erkrankung tödlich verlaufen.
Dass Tierheime besonders häufig von solchen Ausbrüchen betroffen sind, überrascht den Tierarzt nicht. Anders als in einem Zoo wechselten die Tiere dort ständig. „Die Frage ist nicht, ob infektiöse Tiere kommen, sondern wann“, sagt Unna. „Neue Tiere gehören zunächst konsequent in Quarantäne.“ Ebenso wichtig seien eine strikte Trennung von gesunden und kranken Tieren sowie konsequente Hygienemaßnahmen. „Schon vermeintliche Kleinigkeiten können dazu führen, dass sich das Virus ausbreitet“, sagt Unna. Werden Futternäpfe oder Katzenklos aus verschiedenen Bereichen gemeinsam gereinigt oder Desinfektionsmaßnahmen nicht konsequent eingehalten, könne sich das Virus schnell im gesamten Bestand verbreiten.
Im Schutzanzug ins Katzenzimmer in Ahaus.
Foto: RPO/Rehermann
Aufwendige Hygienemaßnahmen
Genau diese Schutzmaßnahmen bestimmen derzeit den Alltag im Tierheim Ahaus. Neue Fundkatzen sollen voraussichtlich erst Mitte September wieder aufgenommen werden. Bis dahin werden frei werdende Katzenzimmer nach und nach vollständig desinfiziert und neu eingerichtet. Möbel aus Holz oder anderen schwer zu reinigenden Materialien müssen entsorgt werden, wie Leiterin Rehermann erzählt. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wechseln beim Betreten jeder Katzenstube Schutzanzüge und Schuhe, da infizierte Katzen den Erreger noch bis zu sechs Wochen nach einer Erkrankung ausscheiden können“, sagt sie.
„Diese Hygienemaßnahmen sind aufwendig und kosten viel Geld“, sagt Unna. Separate Quarantänebereiche, Isolierstationen und speziell geschultes Personal verursachten erhebliche Kosten. Nach seiner Einschätzung werde dieser Aufwand von den Kommunen häufig nicht ausreichend finanziert. Auch das Tierheim Ahaus spürt die finanziellen Folgen deutlich. Neben hohen Ausgaben für Schutzkleidung, Desinfektionsmittel und zusätzlichen Personalaufwand fehlen seit Wochen Einnahmen aus der Aufnahme von Fundkatzen sowie aus Vermittlungsgebühren.
Hinzu kommt die emotionale Belastung für die Beschäftigten. „Ein größerer Seuchenausbruch bedeutet nicht nur deutlich mehr Arbeit, sondern auch den täglichen Umgang mit schwerkranken oder sterbenden Tieren“, sagt Unna. „Gerade Tierpflegerinnen und Tierpfleger leiden oft stark unter solchen Situationen.“
Katzenhalter sollten Impfstatus überprüfen
Erschwerend kommt nach Einschätzung des Tierarztes auch der Zeitpunkt des Ausbruchs hinzu. Kostenpflichtiger Inhalt Gerade in den Sommermonaten werden besonders viele Katzen abgegeben oder aufgefunden. Muss ein Tierheim in dieser Zeit seine Aufnahme und Vermittlung einschränken, fehlen dringend benötigte Plätze. Umso wichtiger seien funktionierende Quarantänekonzepte, konsequente Hygiene und ausreichend qualifiziertes Personal, um den vorhandenen Tierbestand zu schützen.
Für Katzenhalter hat Unna eine klare Empfehlung: den Impfstatus überprüfen. „Die Grundimmunisierung gegen die Katzenseuche gehört zu den Standardimpfungen und sollte regelmäßig aufgefrischt werden“, sagt er. Besonders Freigänger und Katzen mit Kontakt zu anderen Tieren sollten zuverlässig geschützt sein, aber auch Wohnungskatzen. Bei Katzen aus dem Ausland oder aus unklarer Herkunft komme es immer wieder vor, dass angegebene Impfungen tatsächlich nicht erfolgt seien.
Der Ausbruch im Tierheim Ahaus betrifft ausschließlich den Katzenbereich. Für Hunde und Kleintiere läuft der Betrieb einschließlich der Tierpension normal weiter, wie Rehermann sagt. Auf Menschen ist die feline Parvovirose ebenfalls nicht übertragbar. Für Hunde gibt es zwar eine eigene Form der Parvovirose, dabei handelt es sich jedoch um eine andere Virusvariante.
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