Stand: 21.09.2026, 20:40 Uhr
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Die CSU blickt mit einer Mischung aus Sorge und Distanz auf das CDU‑Desaster – und liefert eine Kampfansage an die AfD in Bayern.
Kloster Banz – Die Schockwellen aus Schwerin sind auch in Oberfranken spürbar. Seit dem Montagmorgen sitzen die Abgeordneten der CSU-Landtagsfraktion dort im Kloster Banz zur Klausur beisammen. Sie haben hier ihre eigenen Baustellen. Ein neuer Justizminister aus ihren Reihen wird an diesem Tag noch gekürt, und auch das missliche CSU-Abschneiden bei der eigenen Kommunalwahl im März wirkt noch immer nach. Dennoch: Das Ausscheiden der Schwesterpartei aus dem Landesparlament in Mecklenburg-Vorpommern treibt auch die CSU-Abgeordneten um. Wer sagt Friedrich Merz, dass es so nicht mehr weiter geht? Das ist schon auch eine Frage, die sich am Vormittag in den Klosterräumen zugeraunt wird.
Ihr Parteichef wird es dieses Mal nicht sein, so viel scheint vorerst sicher. Von der CSU werden keine Personaldiskussionen ausgehen, macht Markus Söder einmal mehr klar, als er am Montag im Klosterhof vor Journalisten tritt. Gleichzeitig schont er die Schwesterpartei in seiner Analyse nicht. Einen „Totalschaden“ habe die Kanzler-Partei am Sonntagabend in Mecklenburg-Vorpommern erlitten. Man habe ein „historisches Ereignis“ erlebt – „in negativer Form“, sagt Söder mit ernster Miene. Man dürfe nun aber nicht Fassung und Struktur verlieren. Es sei „wichtig, dass die Union nicht zum Hühnerhaufen gerät“. Gemeint ist natürlich vor allem die CDU.
Und Söder stellt klar, dass er es im Freistaat nicht so weit kommen lassen will wie nun im Nordosten der Republik – also nicht mal annähernd, natürlich. „Wir wollen unser schönes Bayernland nicht der AfD überlassen“, sagt er. Teil der Botschaft: Mecklenburg-Vorpommern ist noch immer ein ganzes Stück weit weg, und die CSU nicht die CDU.
Söder nimmt Regierung in die Pflicht – rückt aber nicht von Reformplänen ab
Damit es so bleibt, drängt der CSU-Chef auf eine „neue Nähe zum Volk“, gleich mehrfach wiederholt er diesen Begriff. Und dazu gehört für ihn mit Blick auf die Wahlergebnisse auch das Stellen der Frage: „Was wollen uns die Bürger damit sagen?“ Das Land könne nur mit den Menschen und nicht gegen sie verändert werden. Der Reformkurs müsse daher im Zweifel „auch mit einigen Anpassungen“ fortgesetzt werden. An möglicherweise nötigen „Ausnahmen und Übergangsfristen“ –etwa bei der sogenannten Rente mit 63 – werde es nicht scheitern. Er hat das zuletzt schon öfter einfließen lassen, von einem „Gerechtigkeitscheck“ gesprochen, dem man die einzelnen Maßnahmen unterziehen müsse.
Von den Reformen an sich distanziert sich Söder aber nicht. Im Gegenteil, er nimmt den Koalitionspartner in die Pflicht. „Ich hoffe sehr, dass die SPD weiter auf Reformkurs bleibt“, sagt er. Alles andere wäre „grundlegend falsch“. Nach teils gegenläufigen Signalen müssten die Sozialdemokraten nun klären, wer bei ihnen „das Sagen“ habe.
In einem Bereich komwomöglich das Nebeneinander von privater und gesetzlicher Krankenversicherung infrage zu stellen, erteilt Landtags-Fraktionschef Klaus Holetschek eine prompte Absage. Es brauche „echte Strukturreformen statt Systemdebatten“. Ein bewährtes System mit über 15 Milliarden Euro an Zuschüssen dürfe man „nicht leichtfertig infrage stellen“, betont Holetschek.