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Die Sonne scheint, die Menschen sind am See oder im Freibad, treffen Freunde oder fahren in den Urlaub. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ist der Sommer die Lieblingsjahreszeit von 44 Prozent der Deutschen, dicht gefolgt vom Frühling. Doch längst nicht alle können die warme Jahreszeit genießen. Für Menschen mit einer Sommerdepression ist die Zeit schwer zu ertragen.
Der stellvertretende Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité, Prof. Dr. med. Nils Opel, beschäftigt sich intensiv mit saisonal abhängigen Depressionen (SAD). Er erklärt, welche Mechanismen hinter der Erkrankung stecken, warum ausgerechnet der Sommer für manche Menschen zur psychischen Belastung wird – und was Betroffene dagegen tun können.
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Sommerdepression: Das sind die Symptome
Neben anhaltend depressiver Verstimmung, leiden Betroffene oft unter Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und innerer Unruhe. Viele ziehen sich auch von sozialen Aktivitäten zurück, was insbesondere im Sommer, der aktiven und geselligen Jahreszeit, für Unverständnis bei Mitmenschen sorgt.
Die Sommerdepression zählt wie die bekanntere Winterdepression zu den sogenannten „seasonal affective discorders“, auf Deutsch: saisonal abhängige Depression (SAD). Dabei handelt es sich um psychische Erkrankungen, die zu bestimmten Jahreszeiten auftreten oder sich in diesem Zeitraum verstärken. Wie es genau zu der Sommerdepression kommt, ist laut Prof. Nils Opel von der Charité noch nicht abschließend erforscht. Genau wie bei anderen Formen der Depression spielt genetische Veranlagung eine Rolle. Es gibt jedoch einige plausible Hypothesen, warum die Erkrankung gerade im Sommer ausbricht.
Zum einen geht die Wissenschaft davon aus, dass die veränderten Lichtbedingungen und Temperaturen eine Rolle spielen. Während bei einer Winterdepression der Mangel an Sonnenlicht die Erkrankung begünstigt, wird im Sommer der umgekehrte Fall zum Problem. Durch die Lichtintensität wird weniger von dem Schlafhormon Melatonin produziert. In der Folge kann der Schlafrhythmus durcheinandergeraten – auch das kann Depressionen Vorschub leisten.

Prof. Dr. med. Nils Opel ist stellvertretender Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité in Berlin. © Charité | UKJ, Michael Szabo
Depression im Sommer: Warum Frauen häufiger erkranken
Eine weitere Hypothese ist, dass Allergien, die bekanntermaßen vor allem im Frühling und Sommer auftreten, das Auftreten von Depression beeinflussen, da sie Entzündungsprozesse im Körper auslösen. „Wir wissen, dass bei einigen Formen der Depressionen niedriggradige Entzündungen im Körper eine Rolle spielen“, sagt Prof. Opel. Hier sei jedoch noch weitere Forschung nötig.
Laut Forschung der Med Uni Graz betrifft die Sommerdepression etwa vier bis sechs Prozent der Bevölkerung, wobei Frauen am häufigsten erkranken. Sie sind jedoch auch insgesamt häufiger von Depressionen betroffen. Laut Deutscher Depressionshilfe erhalte Frauen doppelt so häufig eine Depressionsdiagnose wie Männer. Die Erkrankung an der Sommerdepression im Speziellen spiegelt demnach das insgesamt höhere Depressionsrisiko bei Frauen. Doch warum haben sie ein höheres Risiko zu erkranken?
Neben sozialen Faktoren geht man davon aus, dass auch die hormonelle Prädisposition eine Rolle spielt. „Es gibt bestimmte Depressionsformen, die durch hormonelle Veränderungen ausgelöst werden, zum Beispiel die postpartale Depression. Das betrifft Frauen, die während oder nach der Schwangerschaft schwer depressiv werden, sehr wahrscheinlich durch starke hormonelle Veränderungen“, sagt Prof. Opel. Inwieweit der Hormonhaushalt auch eine Rolle bei der Entstehung anderen Depressionsformen und saisonal affektiven Störungen spiele, könne man noch nicht abschließend sagen.
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Aber nicht nur biologische, sondern auch soziale Faktoren haben einen Einfluss. Der Sommer ist die Jahreszeit, in der Menschen aktiver und geselliger sind, oft auch besser gelaunt. Der Kontrast zur eigenen Verfassung wird den Erkrankten in dieser Zeit besonders deutlich vor Augen geführt. „Wenn alle anderen ausgelassen, fröhlich und unternehmungslustig sind und man selbst kann das gerade nicht, dann kann einen das zusätzlich belasten und auch unter Druck setzen“, sagt Prof. Opel. Häufig entstünden dann Gedanken und Gefühle, unter denen Depressive häufig leiden: Ich bin anders, ich bin allein, ich gehöre nicht dazu, ich bin eine Belastung für die anderen. Hier sollte man sich regelmäßig überprüfen und versuchen, die Dinge nicht als sozialen Druck wahrzunehmen, rät der Mediziner.
Während die Winterdepression gut und effektiv mit Lichttherapie behandelt werden kann, gibt es für die Sommerdepression leider noch keine spezifischen Behandlungsansätze. „Man kann bei der Sommerdepression lediglich die Allgemeinstrategie in der Depressionsbehandlung einsetzten“, sagt Prof. Opel. Das bedeutet in erster Linie Psychotherapie und bei schweren Erkrankungen gegebenenfalls auch ein Antidepressivum.
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Zusätzlich könne man jedoch mit seinem Lebensstil den Krankheitsverlauf und auch die Wahrscheinlichkeit zu erkranken beeinflussen. Schlafhygiene, regelmäßiger Sport und eine gesunde Ernährung sind für die Prävention besonders wichtig. Die Wirksamkeit dieser drei Säulen auf die psychische Gesundheit ist mittlerweile gut erforscht.
1. Tag-Nacht-Rhythmus: Nicht gut zu schlafen, ist schon für gesunde Menschen eine Belastung. Für Menschen mit einem Risiko für psychische Erkrankungen kann ein gestörter Rhythmus ein Auslöser für eine Depression sein. Man sollte versuchen, die üblichen Tipps zur Schlafhygiene zu beachten, das Schlafzimmer kühl und dunkel zu halten und einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus zu etablieren.
2. Sport: Es ist bekannt, dass Sport und Bewegung positiven Einfluss auf die psychische Gesundheit haben. „Regelmäßiger Sport kann einen Effekt auf die Psyche haben, der fast so groß ist wie ein Antidepressivum“, sagt Prof. Opel. Studien zufolge sollte man dafür regelmäßig mindestens dreimal in der Woche trainieren.
3. Ernährung: Auch Ernährung kann Einfluss auf die psychische Gesundheit nehmen. Entzündungen im Körper, verursacht durch hochverarbeitete Lebensmittel, sind ein Risikofaktor für Depressionen. Eine gesunde Ernährung hingegen mit wenig Zucker und viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen und Fisch kann die Psyche positiv beeinflussen.

Tatsächlich tritt bei den meisten Betroffenen eine Besserung ein, wenn der Sommer endet. „Es ist ja gerade das Kennzeichen einer SAD, dass die Menschen eigentlich nur in dieser Zeit betroffen sind“, sagt Prof. Opel. In jedem Fall sei es bei Anzeichen einer Depression wichtig, sich professionelle Hilfe zu suchen. Sollten Symptome depressiver Verstimmung und Niedergeschlagenheit länger als zwei Wochen anhalten oder wiederkehrend auftreten, sollte man sich an einen Arzt wenden. Die gute Nachricht: Eine Depression ist in der Regel gut therapierbar.
Dieser Artikel wurde erstmals im Juli 2025 veröffentlicht.