Stand: 20.07.2026, 18:00 Uhr
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Tausende Spanier haben in der Nacht zum Montag in Frankfurt den Weltmeistertitel ihrer Mannschaft gefeiert. Die Polizei meldet keine besonderen Vorkommnisse.
Laute Böllerschüsse über dem Main, Hupkonzerte in der Innenstadt und vor Freude weinende Menschen in roten Trikots, die sich jubelnd in den Armen liegen: Tausende spanische Fans haben in Frankfurt in der Nacht zum Montag bis in die frühen Morgenstunden den neuen Fußball-Weltmeister gefeiert. Schon als Stürmer Ferran Torres in der Verlängerung den 1:0-Siegtreffer im Finale gegen die Argentinier erzielte, brachen im überfüllten Centro Cultural Gallego an der Konstablerwache alle Dämme.

Eine Stunde vor Spielbeginn sind in dem spanischen Restaurant bereits alle Plätze besetzt. Um dem großen Ansturm gerecht zu werden, haben die Betreiber einen zusätzlichen Bildschirm im Hinterhof angebracht, vor dem rund 300 weitere Fans dicht gedrängt stehen und sich siegesgewiss mit heimischem Estrella-Bier zuprosten. „Wir gewinnen 3:1“, sagt Rafael, der sein ganzes Gesicht in den spanischen Nationalfarben Rot-Gelb-Rot bemalt hat. In den gleichen Farben trägt er eine Mütze mit zwei Stierhörnern und unterhalb seines roten Trikots um die Hüfte gewickelt eine Flagge der Iberer.
Damit ist er an diesem Abend nicht nur der bestausstaffierte Fan von „La Furia Roja“, sondern auch der lautstärkste. „Viva España!“ („Es lebe Spanien!“), schreit der 62-jährige Privatdetektiv, der in Madrid geboren wurde und im Alter von fünf Jahren nach Frankfurt kam. Dazu hämmert er so laut auf seine mitgebrachte Trommel, dass alle um ihn herum zusammenzucken.
Sein Freund Jorge aus Maintal ist das bereits gewohnt und lächelt deshalb nur milde. Der 58-jährige Elektriker hat heute Geburtstag und bloß einen Wunsch: den Weltmeistertitel. „Und dann machen wir die Nacht zum Tag“, verspricht er.
Zwei einsame Argentinien-Fans
Zwischen all den roten Trikots im Hinterhof lugen zwei einsame hellblau-weiß-gestreifte hervor. Zahnmedizinstudentin Nina aus dem Westend, die eine deutsche Mutter und einen argentinischen Vater hat, hofft mit ihrer deutschen Freundin Jasmin auf einen Sieg der „Albiceleste“. „Wir gewinnen 3:2“, sagt sie. „Und wenn nicht, feiern wir eben mit unseren spanischen Freunden.“

Als sich die Mannschaften aufgestellt haben und die spanische Nationalhymne erklingt, summen alle Fans unisono nur mit. Was weniger an ihrer mangelnden Textsicherheit liegt, sondern vielmehr daran, dass die „Marcha Real“ („Königlicher Marsch“) über keinen Text verfügt. Als Ausgleich dafür stimmen die stolzen Spanier:innen sofort nach Spielbeginn immer wieder lautstark „Yo soy español“ („Ich bin spanisch“) an. Dazu wird jede gelungene Szene der eigenen Mannschaft bejubelt und Argentiniens Superstar Lionel Messi bei Ballbesitz konsequent ausgebuht.
So richtig Euphorie will wegen der an Höhepunkten armen Partie aber nicht mehr aufkommen. Erst als der Argentinier Enzo Fernández in der Nachspielzeit mit Gelb-Rot vom Platz fliegt und Ferran Torres in der 106. Minute die Iberer verdientermaßen endlich in Führung schießt, brandet wieder Jubel auf. Der entlädt sich schließlich in totaler Begeisterung, als der Schiedsrichter die Begegnung um zwei Minuten nach Mitternacht abpfeift und Spanien zum zweiten Mal nach 2010 Fußball-Weltmeister ist.

Tränen der Rührung und „Campeones“-Rufe
Rund eine halbe Stunde später fließen dann auch Tränen der Rührung, als Kapitän Rodri den goldenen Weltpokal in den Himmel streckt. Parallel singen die Fans in Dauerschleife „Campeones“ („Champions“). Aber das ist erst der Anfang.
Diejenigen, die es noch können, steigen in ihre Autos und fahren laut hupend die Kurt-Schumacher-Straße rauf und runter. Aus den heruntergekurbelten Fenstern wehen spanische Flaggen, dazu hört man immer wieder „Viva España!“. Rafael und Jorge begeben sich mit ihrem Freund Antonio zu Fuß in Richtung Alte Oper. „Dort machen wir mit allen anderen Spaniern wie immer den Torero“, sagen sie. „Bis uns wie 2010 und wie vor zwei Jahren nach dem Gewinn der Europameisterschaft wieder die Polizei verscheucht.“
Doch dieses Mal lassen sie die Ordnungshüter:innen gewähren. „Es gab in der gesamten Nacht keine besonderen Vorkommnisse“, teilt Polizeisprecherin Sina Martin auf FR-Anfrage mit. Das sehen die spanischen Fans ganz sicher anders.