Volkswagen prüft die Schließung von vier Werken. IG-Metall-Chefin Christiane Benner sieht darin einen Verstoß gegen Betriebsvereinbarungen und kündigt Widerstand an.
Quelle: DIE ZEIT, Reuters, AFP,
akm
Aktualisiert am 1. September 2026, 8:24 Uhr
Ihr Browser unterstützt die Wiedergabe von Audio Dateien nicht. Download der Datei als mp3: https://zon-speechbert-production.s3.eu-central-1.amazonaws.com/articles/4a559c4f-27e5-4003-8aab-10f0709c07e3/full_cfff43413a80a479fedd455ba5d7e85d8fb888d689ffbc9aaef7fbe3ef8e369c621d126bdf5e7fe629a0cc14851fed2a.mp3
131 KommentareWenige Tage vor der Aufsichtsratssitzung über den Sparkurs bei Volkswagen hat IG-Metall-Chefin Christiane Benner Konzernchef Oliver Blume Fehler vorgeworfen. Dieser stelle sich mit der Ankündigung von Werksschließungen gegen Betriebsvereinbarungen, sagte Benner der Augsburger Allgemeinen. »Mit der IG Metall werden die Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm nicht geschlossen«, sagte sie und kündigte damit Widerstand bei der Sitzung des Aufsichtsrats am Freitag an. Benner ist Mitglied in dem Gremium.
»Es ist ein großer Fehler der VW-Führung, Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm anzuzählen, 50.000 weitere Arbeitsplätze abbauen zu wollen und zugleich zu verkünden, die Umsatzrendite müsse von zuletzt 3,8 bis 2030 auf 8 bis 10 Prozent steigen«, sagte Benner. Der Konzern könne die vier Werke aber nicht schließen. »Wir haben Ende 2024 eine Vereinbarung geschlossen, die der Vorstand unterschrieben hat und die er zu erfüllen hat.«
Bei Volkswagen wird derzeit über weitere Sparmaßnahmen debattiert. Der laufende Arbeitsplatzabbau, 50.000 Stellen bis 2030, reicht aus Sicht des Vorstands um Konzernchef Oliver Blume nicht aus. Im Raum steht der Abbau weiterer Zehntausender Stellen. Die VW-Werke Emden, Hannover und Zwickau sowie das Audi-Werk Neckarsulm stehen auf der Kippe. Für sie gibt es laut Blume noch »keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre«.
Neue Industriepolitik gefordert
VW habe auch aufgrund seiner Geschichte eine gesellschaftliche Verantwortung, sagte Benner. »Die historische DNA des Konzerns ist, dass Wirtschaftlichkeit und Soziales in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.« So sei die Region Ostfriesland wirtschaftlich stark vom VW-Werk in Emden abhängig. Zudem hänge in Ostdeutschland jeder vierte Arbeitsplatz von der Autoindustrie ab. VW müsse Emden und Zwickau mit neuen Modellen auslasten und neue Geschäftsmodelle für die Standorte finden. Insgesamt habe man noch vier bis fünf Jahre Zeit, um eine Lösung für Hannover, Neckarsulm, Emden und Zwickau zu finden. »Wir werden diese Zeit nutzen.«
Benner warf Blume gegenüber Beschäftigten und Öffentlichkeit eine verfehlte Kommunikationspolitik vor: »Die war bislang schlecht, denn es wurden einfach weitere Abbauzahlen und Werkschließungen in den Raum gestellt. Dabei haben wir schon 2024 vereinbart, dass 50.000 Stellen ohne betriebsbedingte Kündigungen sozialverträglich abgebaut werden.«
Blume habe stattdessen für Konfusion gesorgt, weil viele glaubten, VW wolle noch einmal 100.000 Jobs streichen. »Die VW-Kommunikationspolitik hat Mitarbeitende in Emden und Zwickau belastet und drückt sicher auf die Arbeitsmoral, zumal sich viele Beschäftigte nur noch fragen, wann sie das Unternehmen verlassen müssen«, sagte die Gewerkschafterin.
Benner forderte im ZDF-Morgenmagazin mit Blick auf die gesamte Automobilindustrie in Deutschland und Europa eine neue Industriepolitik. »Wir erwarten auch, und das würde auch bei VW helfen, dass wir beispielsweise endlich eine Zollpolitik bekommen, die unsere Automärkte vor diesem chinesischen Billigimport schützt.« Heimische Hersteller und Zulieferer müssten gestärkt werden. »Wir müssen anders reagieren und davon würde dann auch VW profitieren.«