Sprengstoff-Drohne in Leipzig: Terrorismus-Experte schlägt Alarm – Deutschland völlig unvorbereitet

Sprengstoff-Drohne in Leipzig: Experte übt deutliche Kritik – und äußert sich zu brisantem Verdacht

Stand: 07.08.2026, 07:48 Uhr

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Nach dem Fund einer Sprengstoff-Drohne in Leipzig fordert Experte Neumann mehr Tempo bei der Abwehr – in Deutschland sei bisher kaum etwas passiert.

Berlin – Terrorismus-Experte Peter Neumann schlägt Alarm. Nach dem Fund einer mit Sprengstoff bestückten Drohne am Flughafen Leipzig/Halle übte der Fachmann vom Londoner King’s College scharfe Kritik an Versäumnissen der Vergangenheit: „Wir sprechen da seit Jahren drüber, und wirklich passiert ist eigentlich nichts“, sagte er im „heute journal“ des ZDF.

Ukrainische Antonow-Maschinen parken am Flughafen Leipzig/Halle.

Ukrainische Antonow-Maschinen parken am Flughafen Leipzig/Halle. © Hendrik Schmidt/dpa

Neumann warf der Politik vor, bei der Drohnenabwehr über Jahre untätig geblieben zu sein. Er forderte dringende Hausaufgaben und konsequente Reformen: Nötig seien Fortschritte bei Systemen zur Drohnenabwehr und -erkennung, bei der Beseitigung des „Kompetenzwirrwarrs“ zwischen den zuständigen Behörden sowie bei der Schaffung eines einheitlichen rechtlichen Rahmens.

Sprengstoff-Drohne in Leipzig: Neumann sieht klare Hinweise auf staatliche Urheberschaft

Am Flughafen Leipzig/Halle wurde in der Nacht auf den 6. August in der Nähe ukrainischer Transportflugzeuge eine mit Sprengstoff und Zünder bestückte Drohne entdeckt und von einem Mitarbeiter zum Absturz gebracht. Ein Flugzeug, das kurz nach der daraufhin verhängten Sperrung durchstartete, kollidierte zudem mit einem unbekannten kleineren Flugobjekt – möglicherweise einer zweiten Drohne. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach von einem „hybriden Anschlagsszenario“, das auf hochprofessionelle Täter zurückgehe, und schloss „fremde Mächte“ als Drahtzieher nicht aus

Während sich die Bundesregierung mit direkten Anschuldigungen aber noch bedeckt hält, sieht Neumann klare Hinweise auf eine staatliche Urheberschaft. Mit den Formulierungen „fremde Mächte“, „professionelle Akteure“ und „hybride Bedrohung“ habe Dobrindt Begriffe verwendet, die „wir erstens in Bezug auf Staaten und meistens in Bezug auf Russland verwenden“. Aus Neumanns Sicht sprechen mehrere Punkte dafür, dass Russland hinter dem Vorfall stecken könnte:

  1. Ziel des Angriffs sei offenbar eine Operation zur Unterstützung der Ukraine gewesen.
  2. Russland führe „seit 2022 ganz häufig“ gefährliche Drohnenflüge durch.
  3. Es passe „in den strategischen Kontext“, dass Russland wegen des erfolgreichen Drohnenkriegs der Ukraine „im Gegenzug auch das Hinterland der Ukraine, das heißt die NATO-Staaten, angreifen möchte“.

Sprengstoff-Drohne in Leipzig: „False-Flag“-These der Ukraine hält Neumann für unwahrscheinlich

In sozialen Medien kursiert die Hypothese, die Ukraine könnte selbst hinter dem Angriffsversuch stecken – als Täuschungsmanöver. Verwiesen wird dabei auf die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines, bei der zunächst Russland verdächtigt wurde, am Ende aber ein Ukrainer angeklagt wurde.

Neumann hält den Vergleich jedoch für nicht tragfähig: Bei Nord Stream habe die Ukraine mutmaßlich gehandelt, um Russland zu schaden – und sei damit erfolgreich gewesen. Beim Leipziger Vorfall verhalte es sich umgekehrt: „Hier ist es ja eher so, dass der Ukraine geschadet wird“, so Neumann. „Unmittelbar, weil ihre Transportflugzeuge zerstört werden, mittelbar, weil wir jetzt eine Diskussion über genau dieses Thema haben und möglicherweise eine Diskussion über die Unterstützung der Ukraine.“ Sein Fazit: Der Ukraine schade das eher und deswegen sei eine Aktion der Ukraine auch nicht sinnvoll.

Peter R. Neumann, Professor für Sicherheitsstudien am King‘s College London, nach einem Pressestatement während der CSU-Winterklausur.

Peter Neumann vom King’s College London sieht Deutschland bei der Drohnenabwehr schlecht aufgestellt. © Daniel Vogl/dpa

Wie Deutschland nach dem Fund der Sprengstoff-Drohne in Leipzig reagieren sollte

Sollte sich der Verdacht gegen Russland bestätigen, müsse Deutschland „tatsächlich eine Botschaft senden“, so Neumann. Entscheidend sei dabei, „genau den richtigen kommunikativen, strategischen Punkt“ zu finden: Die Reaktion dürfe weder eine Überreaktion sein, durch die man in den Ukraine-Krieg hineingezogen werde, noch ein Zeichen von Schwäche. „Gar nichts zu tun, das würde von (Präsident Wladimir) Putin so interpretiert, als wäre es möglich, diese Art von Angriff zu machen, und es passiert nichts“, warnte der Experte. Das richtige Maß zu finden, sei „die große Herausforderung“ für die Bundesregierung. Denn sonst funktioniere die Abschreckung nicht. (Quellen: ZDF, dpa) (cs)