Nach Anschlag in Leipzig: Die „Zeitenwende 2.0“ kommt – diese harten Schritte plant die Regierung nun

Sprengstoffdrohne in Leipzig: Merz will harte Sanktionen gegen Russland – „Zeitenwende 2.0“

Stand: 29.08.2026, 13:31 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Nach dem vereitelten Anschlag in Leipzig wächst der Druck auf Moskau. In Berlin ist laut Welt von einer „Zeitenwende 2.0“ die Rede.

Berlin – Deutschland steht vor der schärfsten Reaktion auf russische Sabotage seit Beginn des Ukraine-Kriegs. Die Bundesregierung will Russland in den kommenden Tagen offiziell für den versuchten Sprengstoffdrohnen-Anschlag am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich machen. Gleichzeitig soll ein „umfangreiches“ Maßnahmenpaket gegen Moskau angekündigt werden. Das berichten drei mit dem Vorgang vertraute Personen gegenüber Welt am Sonntag und Politico.

Klausurtagung des Bundeskabinetts

Merz will harte Sanktionen gegen Russland. © Michael Kappeler/dpa

Im Regierungsviertel ist bereits von einer „Zeitenwende 2.0“ die Rede. Das bedeutet: Die Bundesregierung verlässt offenbar ihre bisherige Zurückhaltung gegenüber Russland und bereitet sich auf eine neue Eskalationsstufe vor.

Zeitenwende 2.0“: Nach Drohnenanschlag drohen Folgen

Die geplanten Maßnahmen sollen eine Kombination aus direkten deutschen Schritten und neuen EU-Sanktionen umfassen. Die Ankündigung ist für Anfang nächster Woche geplant. Sie soll parallel zum informellen EU-Außenministertreffen im irischen Wicklow am Dienstag erfolgen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) könnte den Zeitpunkt aber auch noch vorziehen. Einzelne Maßnahmen wie die Ausweisung russischer Diplomaten oder die Schließung des Russischen Hauses in Berlin reichten nicht mehr aus. „Es brauche härtere Schritte wie intensivierte Sanktionen oder auch weitere und umfangreichere Waffenlieferungen an die Ukraine“, so eine der anonymen Quellen.

Merz hatte bereits am Dienstag unmissverständlich formuliert: „Deutschland schreckt ab. Die Bundesregierung erlegt Urhebern hybrider Angriffe einen Preis auf. Sie werden dafür bezahlen.“ Ein Regierungssprecher wollte die Berichte weder bestätigen noch dementieren: „Das Kanzleramt beteiligt sich nicht an Spekulationen. Relevant ist allein die offizielle Zuordnung, die die Bundesregierung nach eigenem Ermessen und unter Abwägung aller Ermittlungsergebnisse vornimmt.“

Russland im Visier – Regierung bereitet Schritte vor

Mehrere Indizien weisen nach dem vereitelten Anschlag in Leipzig nach Russland. Die mit Sprengstoff präparierte Drohne sollte den Ermittlungen zufolge eine ukrainische Antonow-Frachtmaschine treffen, die auch für Rüstungstransporte eingesetzt wird. Amerikanische Geheimdiensterkenntnisse bringen Russland laut einem Bericht des Wall Street Journal direkt mit der Drohne in Verbindung. Moskau hat jede Beteiligung zurückgewiesen.

Zusätzlich spielt ein Waffenfund bei Berlin eine Rolle. BfV-Agenten entdeckten in einem Waldstück nahe des Müggelsees ein Erddepot mit zwei halbautomatischen Waffen. Die Waffen waren wetterfest verpackt, neuwertig und sofort einsatzbereit. Tatverdächtig ist der 24-jährige Ukrainer Vadym S. Er soll Teil einer Gruppe sein, die im Auftrag des russischen Geheimdienstes Anschläge in Europa geplant haben soll. Vadym S. sitzt seit Ende des vergangenen Jahres in Rumänien in Untersuchungshaft. Ihm und einem Komplizen wird vorgeworfen, mit Brandsätzen bestückte Pakete in einer Filiale des ukrainischen Kurierdienstes Nova Post in Bukarest aufgegeben zu haben. Die Hauptverhandlung beginnt kommende Woche.

Wer hinter Leipzig steckt: Berlin will Moskau benennen

Der Leipziger Vorfall steht nicht allein. Zuletzt häuften sich sicherheitsrelevante Vorfälle in den NATO-Staaten. In Rumänien wurde eine mit Sprengstoff beladene Seedrohne nahe dem Gasprojekt Neptun Deep im Schwarzen Meer entdeckt. Präsident Nicusor Dan machte Russland ausdrücklich verantwortlich. In der Slowakei vereitelte die Polizei einen geplanten Brandanschlag auf eine Drohnenfabrik. In Estland ermitteln die Behörden nach einem Brandanschlag auf einen Rüstungskonzern wegen möglicher russischer Beteiligung.

Auf europäischer Ebene wird nun ein sehr umfangreiches Sanktionspaket gegen Russland vorbereitet. Laut einem EU-Diplomaten werden derzeit 1600 Ziele geprüft – 800 Einzelpersonen und 800 Unternehmen aus Russland. Die Sanktionen sollen Mitte Oktober beschlossen werden. Auch die Nutzung des eingefrorenen russischen Staatsbankvermögens steht wieder zur Debatte. Der größte Teil der in der EU eingefrorenen russischen Zentralbankreserven liegt beim belgischen Finanzunternehmen Euroclear. Ein EU-Diplomat fasste die Strategie zusammen: „Die Strategie besteht darin, alle Register zu ziehen. Wir setzen jedes nur mögliche Sanktionsregime ein.“ (Quelle: Welt, Politico) (cs)