Staatsbürgerschaft „zum Fenster rausgeworfen“: Als es um CSD-Anschlag geht, wird Wahl-Talk in Sachsen-Anhalt hitzig

Stand: 28.07.2026, 07:38 Uhr

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Beim Wahlforum in Magdeburg treffen die Spitzenkandidaten aufeinander. Insbesondere die Themen Terror und Bildung erregen die Gemüter.

Magdeburg – In Sachsen-Anhalt wird es in knapp sechs Wochen spannend: Wenn am 6. September ein neuer Landtag gewählt wird, entscheiden die Wahlberechtigten, welche Macht sie der AfD geben wollen, die in diesem Bundesland als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft wird. Am Montag beim Talk „RND vor Ort“ stellten sich die Spitzenkandidaten der AfD, CDU, Linken, SPD, Grünen und der FDP einer themenübergreifenden Debatte. Hitzig wurde es insbesondere zwischen Ulrich Siegmund (AfD) und dem Ministerpräsidenten Sven Schulze (CDU).

Wahlforum "RND vor Ort"

Beim Wahlforum lieferten sich die Spitzenkandidaten der CDU, Sven Schulze, und der AfD, Ulrich Siegmund, ein Duell. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

In der 90-minütigen Veranstaltung sollte über Migration, Wirtschaftskonzepte, Energiepolitik, Bildung – und natürlich über den mutmaßlich islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin – gesprochen werden. Bezüglich etwaiger Konsequenzen sagte Schulze: „Ich möchte nicht mehr, dass Menschen die doppelte Staatsbürgerschaft, die deutsche und ihre eigene, haben, wenn sie hier als Gefährder leben.“ Dieses Thema müsse auf die Agenda, wenn Sachsen-Anhalt ab Herbst den Vorsitz der Ministerpräsidentenkonferenz hat. 

AfD-Spitzenkandidat Siegmund im Streit mit CDU-Ministerpräsident Schulze

Siegmund erklärte hierzu, die deutsche Staatsbürgerschaft werde aktuell „zum Fenster rausgeworfen, sie wird verschenkt“. Er beklagte einen „Kuschelkurs“, wenn radikalisierten jungen Leuten Beratung angeboten werde. Man müsse „rechtsstaatlich hart durchgreifen“. Der mutmaßliche CSD-Attentäter Abdul B. war in Deutschland geboren und in Berlin aufgewachsen.

FDP-Kandidatin Lydia Hüskens betonte hierzu, man müsse klären, wie man mit Gefährdern umgehe. Die Grüne Susan Sziborra-Seidlitz erinnerte daran, dass Queerfeindlichkeit das Problem sei, im Islamismus, aber auch im Rechtsextremismus. SPD-Kandidat Armin Willingmann wies darauf hin, man solle nicht sofort nach Gesetzesverschärfungen schreien, denn vieles sei noch unklar. Und der Linken-Vorsitzende Hendrik Lange erklärte, dass Präventionsprogramme wie Demokratie leben! wichtig seien.

Erwartbar hitzig wurde es auch beim Thema Migration. So zeigte sich AfD-Mann Siegmund überzeugt, dass man den Fachkräftemangel „ganz sicherlich nicht aus dem Ausland decken“ könne – das Land müsse es „aus eigener Kraft“ über eine „vernünftige Familienpolitik“ schaffen. Meint er, jetzt „Fachkräfte“ zu zeugen, damit sie in 17 bis 18 Jahren berufstätig sein können? Schulze konterte entsprechend: Der AfD fehle ein Konzept für die nächsten fünf Jahre.

Streitthema in Sachsen-Anhalt: Bildung

Beim Streitthema Inklusion – dem gemeinsamen Unterrichten von Kindern mit und ohne Behinderung – hielten die übrigen Kandidatinnen und Kandidaten der AfD vor, das Modell beenden zu wollen. So stehe es im Wahlprogramm, sagte Schulze. „Was Sie machen wollen, ist Selektieren unserer Kinder, das hatten wir mal vor vielen, vielen Jahrzehnten, das will ich nicht“, sagte der CDU-Politiker. 

Siegmund hielt entgegen, niemand habe etwas „gegen ein Kind im Rollstuhl“. Man müsse nur jedes Kind individuell anschauen. „Deswegen kann man es nicht pauschal machen“, sagte der AfD-Kandidat. SPD-Mann Willingmann warf Siegmund Vernebelungstaktik vor.

Parteien stecken Koalitionsoptionen vor Wahl ab

In Sachen Koalitionsoptionen wurden auch die Grenzen abgesteckt. So schlossen die CDU, die SPD, die FDP, die Grünen und die Linke eine Koalition mit der AfD aus. Siegmund erteilte seinerseits den übrigen Parteien eine Absage: „Wir müssen es alleine schaffen.“ Schulze will nach eigenem Bekunden auch nicht mit der Linken koalieren.

Dann könnte es für die demokratischen Parteien jedoch schwierig werden: Die letzte Erhebung vom 23. Juli zeigt die AfD bei 41 Prozent, die CDU bei gerade einmal 24 und die SPD bei 5 Prozentpunkten. Andere Parteien wären nicht im Landtag vertreten. Schulze käme also um die Linke gar nicht herum. (Quellen: dpa, eigene Recherche) (ktho)