Stand: 28.09.2026, 19:58 Uhr
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15 Jugendliche aus Hessen haben ein Jahr lang zweimal pro Woche in Frankfurter Museen Kunst studiert und eigene Werke geschaffen. Jetzt zeigt die Schirn ihre Arbeiten – und jeder Teilnehmer stellt sie persönlich vor.
Innenstadt – Ein Jahr lang haben sich 15 Mädchen und Jungen zweimal wöchentlich für jeweils drei Stunden getroffen, sich Ausstellungen im Städel Museum, der Schirn Kunsthalle und im Liebieghaus angeschaut, haben Galerien besucht, sich intensiv mit verschiedenen Positionen der Kunst auseinandergesetzt, darüber gesprochen und diskutiert und ihre ästhetischen Erfahrungen in eigene Kunstwerke einfließen lassen. Möglich gemacht hat dies das Förderprogramm „Kunsttalente“, ein Gemeinschaftsprojekt von Städel Museum, Schirn Kunsthalle und Liebieghaus Skulpturensammlung.
Am Anfang steht eine Bewerbung
Die Jugendlichen wurden dabei von der bildenden Künstlerin Claudia Gaida und der Kunsthistorikerin Inge Brocar begleitet, die das Projekt seit dessen erstmaliger Durchführung vor genau 20 Jahren zusammen künstlerisch leiten. Es richtet sich an ästhetisch begabte junge Leute aus Hessen, die für ihre Teilnahme alle ein Bewerbungsverfahren durchlaufen haben und die hierdurch in ihrem künstlerischen Schaffen gefördert werden sollen. Voraussetzung hierfür ist, dass die Jugendlichen Interesse an Kunst und am künstlerischen Arbeiten haben. Vorgeschlagen für das Projekt werden die Schüler von ihren Kunstlehrern.
„Jährlich nehmen zwölf bis 15 Jugendliche hieran teil“, sagt Olga Schätz von der Schirn Kunsthalle. Zusammen mit ihrer Kollegin Anne Sulzbach vom Städel Museum und der Liebieghaus Skulpturensammlung hat sie die kunstpädagogische Leitung für das Projekt. Schätz erzählt, dass seit 2006 rund 240 junge Menschen am Förderprogramm teilgenommen hätten, das durch die Stiftung Giersch finanziell gefördert werde. Für alle Jugendlichen ist die Teilnahme kostenlos.
Sophia, Klara, Lilith (alle 17 Jahre) haben bei der nun zu Ende gehenden Runde mitgemacht. Den Abschluss bildet eine Ausstellung von Werken aller 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Foyer der Schirn Kunsthalle in Bockenheim. Die Schau zeigt eine Auswahl an Arbeiten, die die Jugendlichen während ihrer Zeit bei den Kunsttalenten geschaffen haben. Eltern, Freunde, Bekannte, aber auch Besucher der Schirn haben Gelegenheit, die zweitägige Präsentation zu besichtigen. Vor der offiziellen Eröffnung heißt es für die Mädchen und Jungen noch einmal sich sammeln, denn jeder von ihnen stellt seine Werke samt Ideen später kurz den Gästen vor. Und das ist aufregend. Zusammen Claudia Gaida und Inge Brocar geht jeder von ihnen noch einmal durch, was sie sagen möchten. Auch das ist Teil des Projekts.
Dass Kunst für alle von ihnen eine wichtige Rolle spielt, zeigt sich spätestens in diesem Augenblick. Man spürt als Betrachter, wie wichtig es den Jugendlichen ist, ihre Ideen den Besuchern zu vermitteln. „Ich mache schon immer zu Hause Kunst“, erzählte Sophie aus Frankfurt noch zuvor beim Aufbau der Präsentation. Für sie habe sich das Projekt sofort sehr interessant angehört. „Es ist eine besondere Gelegenheit, und ich fand es vor allem sehr spannend, dass wir die Möglichkeit hatten, mit ganz unterschiedlichen Materialien zu experimentieren“, sagt Sophia, die überlegt, ob sie nach dem Abitur Kunst studiert.
Manche sind schon Preisträgerinnen
Dieses freie Arbeiten und Experimentieren heben auch Klara und Lilith als Besonderheit des Projekts hervor, aber auch die Möglichkeit dazu, sich ganz unterschiedliche Kunstpositionen anzuschauen. Die beiden kommen aus Marburg und sind dort bereits Preisträgerinnen des Günther-Blau-Kunstpreises. „Kunst ist für mich ein Weg, um laut zu sein“, sagt Lilith, die sich selbst als eher ruhig beschreibt. „Mich haben die unterschiedlichen Herangehensweisen der Künstler, die in den Galerien zu sehen waren, sehr angesprochen“, sagt Klara. Kunst sei etwas, das Spaß mache, aber auch nicht immer perfekt sein müsse, findet sie. „Es ist eine Möglichkeit, über den Tellerrand zu blicken, und auch ein Ventil, um Sachen, die man fühlt, auszudrücken.“