„Erschließt sich mir nicht“: Straßenausbau macht Knick um Gullydeckel – Anwohner fürchtet Chaos

Stand: 17.08.2026, 06:30 Uhr

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Nicht zufrieden mit dem Ausbau der Straßen Am Sandberg, Am Fuchsberg und Im Grund in Bassum ist Anwohner Karl Weinbrenner.

Nicht zufrieden mit dem Ausbau der Straßen Am Sandberg, Am Fuchsberg und Im Grund ist Anwohner Karl Weinbrenner. © Fabian Pieper

In Bassum ist der Straßenausbau Am Sandberg fast fertig. Die Fahrbahn macht nun einen deutlichen Knick um eine Grundstücksauffahrt und einen Gullydeckel herum.

Bassum – Einen positiven Schlussstrich hatten sie vergangenes Jahr gezogen, die Anwohner der Bassumer Straßen Im Grund, Am Sandberg und Am Fuchsberg. Dem war eine wochenlange und teils sehr emotional geführte Diskussion mit der Stadtverwaltung über den Ausbau der Straßen vorausgegangen. Die waren nämlich seit der Erschließung des Wohngebiets im Westen Bassums in den 1970er-Jahren im Baustraßen-Zustand verblieben. An dem Ausbau führte laut Verwaltung kein Weg vorbei, aber das Wie gefiel den Anwohnern nicht: zu teuer, zu ausführlich, so die Kritiker. Am Ende fanden beide Seiten einen tragfähigen Kompromiss, der aktuell von Bauarbeitern umgesetzt wird. Doch nun meldet sich erneut ein Anwohner, der Probleme auf sich und seine Nachbarn zukommen sieht.

Es ist Karl Weinbrenner. Sein Haus liegt zwar offiziell an der Straße Auf den Höhen, wird aber von den Straßen Am Sandberg und Am Fuchsberg eingerahmt. Und er ist so etwas wie ein Ureinwohner: Seit 53 Jahren wohnt er dort bereits. „Wir waren das dritte Haus, das hier gebaut worden ist“, sagt er, während er durch seinen üppigen Gemüsegarten schreitet. Sein Ziel: ein Gartentor, das ihm die Straße Am Fuchsberg zugänglich macht.

Eine deutliche Verschwenkung macht die Straße Am Sandberg in Bassum nach dem Ausbau. Für Anwohner Karl Weinbrenner eine Gefahrenquelle und ein Hindernis.

Eine deutliche Verschwenkung macht die Straße Am Sandberg nach dem Ausbau. Für Anwohner Karl Weinbrenner eine Gefahrenquelle und ein Hindernis. © Fabian Pieper

Als er auf die Straße hinaustritt, stehen seine Füße bereits fest auf Pflastersteinen. Das Gros der Bauarbeiten dort ist seit Kurzem erledigt. Lediglich die Straßenseitenräume sind noch nicht fertig. Zudem zeugen ein Baucontainer und zwischengelagertes Material davon, dass noch Restarbeiten anstehen. Aber der Blick von Weinbrenner fällt auf eine Aussparung im Seitenraum, an der die Straße eine kleine Verschwenkung macht. Dort, an der Seite zu seinem Grundstück hin, soll noch ein Baum gepflanzt werden. Die Fahrbahn daneben verengt sich dadurch etwas. „Wo da der Sinn ist, erschließt sich mir nicht“, sagt er und schüttelt den Kopf. Er deutet auf seinen Garten: „Dort ist alles grün.“ Deshalb sei ein Baum an der Stelle für ihn eher ein Verkehrshindernis der eh schon recht schmalen Straße als ein Grün- und Schattenspender.

Aber sein Hauptkritikpunkt ist die Straße Am Sandberg. Dort steht er nun nicht mehr auf Steinen, sondern noch auf Sand. Während im Hintergrund Bauarbeiter um einen Bagger herumstehen und die nächsten Arbeitsschritte planen, blickt Weinbrenner die Straße hinab in Richtung Sandstraße. Erneut drückt er sein Unverständnis aus: „Das ist keine gerade Linie mehr. Wie soll da ein 40-Tonner durchpassen?“ Und tatsächlich: Bergab macht die Straße einen ziemlich deutlichen Knick um eine Grundstücksauffahrt und einen Gullydeckel herum.

Der Stand der Baumaßnahmen

Den weiteren Fahrplan der Bauarbeiten im Westen Bassums kennt Juri Gellert, Tiefbau-Experte aus dem Bauamt der Stadt Bassum: Die Straße Am Fuchsberg sei weitestgehend fertig. In der nun startenden Woche soll die Straße Am Sandberg gepflastert werden, in etwa drei bis vier Wochen dürfte sie verkehrstauglich sein. Danach starten die Arbeiten an der verbliebenen Straße Im Grund. Da dort noch am Kanal herumgewerkelt werden müsse, sei ein Abschluss der Maßnahme nur schwer zu schätzen, so Gellert: „Wir gehen von November aus.“ ⇥fap

Das bringt laut Weinbrenner Probleme mit sich, die er bereits kommen sieht: Im Winter bei Schnee und Eis sei für Autofahrer das große Rutschen angesagt, was insbesondere für Fußgänger gefährlich werden könnte, für die nach den Planänderungen kein Fußweg mehr vorgesehen ist. Und sollte ein Autofahrer die Straße in Richtung Innenstadt befahren und ihn ein Linksabbieger aus der Rechts-vor-Links-Kreuzung zur Straße Am Fuchsberg zum Anhalten zwingen, könnten die wegen des fehlenden Platzes kaum aneinander vorbeifahren. „So etwas kann man nur planen, wenn man im Büro sitzt und gar nicht rausgeht“, macht Weinbrenner seinem Ärger Luft.

Er erläutert, die Baupläne gesehen und akzeptiert zu haben: „Da schaut man drauf und sagt sich: Na ja, was soll‘s?“, sagt der 86-Jährige, der seinen finanziellen Anteil als Anwohner auf rund 40.000 Euro schätzt. „Aber wenn man das dann in echt sieht, sieht es ganz anders aus!“ Er schimpft auf die Stadtverwaltung, die „sowieso macht, was sie will“.

So etwas kann man nur planen, wenn man im Büro sitzt und gar nicht rausgeht.

Dem kann Martin Kreienhop, Bauamtsleiter der Stadt Bassum, nur bedingt folgen. Das Anpflanzen von Bäumen sei für die Verwaltung „der letzte Rest von Raum zur Gestaltung“. Die Verschwenkungen und Einbuchten dienten in erster Linie der Verkehrsberuhigung. Und grundsätzlich sei, trotz zugegeben schmaler Fahrbahnbreite, Begegnungsverkehr möglich: „Es ist alles so geplant, dass es fahrbar sein müsste.“

Ursprünglich, das betont er, seien Gehwege und Parkbuchten an den Straßenrändern vorgesehen gewesen. Die seien aber aus Kostengründen und dem daraus resultierenden Druck der Anwohner gestrichen worden. „Das haben wir alles diskutiert“, betont er, „aber das wurde nicht gewollt.“ Damit nimmt er den Vorwürfen, die Stadtverwaltung mache eh, was sie wolle, ein Stück weit den Wind aus den Segeln. Vielleicht auch deshalb bleibt er ob der Kritik gelassen: „Man kann es nicht jedem recht machen.“