Nach den jüngsten mutmaßlichen Sabotageakten wird über bessere Schutzmaßnahmen für kritische Infrastruktur diskutiert. Die Gesellschaft müsse sich darüber einigen, was die Betreiber solcher Anlagen dürften, sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Reul, CDU, im ZDF.
03.09.2026

Es gehe dabei etwa um Fragen nach Videoanlagen oder einer eigenen Drohnenabwehr. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft verlangte in dem Zusammenhang Anpassungen der Datenschutzbestimmungen, sodass öffentliche Bereiche rund um die Anlagen rechtssicher überwacht werden können.
Hessens Innenminister Poseck, ebenfalls CDU, betonte, zwar fahre die Polizei an sensiblen Einrichtungen nun verstärkt Streife. Betreiber kritischer Infrastruktur, wozu etwa Energie, Wasser, Ernährung und Verkehr gehörten, seien aber für die Sicherung ihres Geländes generell selbst verantwortlich. Ähnlich äußerte sich die Deutsche Polizeigewerkschaft. Es fehle nicht an technischen Möglichkeiten, sondern an konsequenten Investitionen, sagte der Bundesvorsitzende Teggatz. - Die EU-Kommission in Brüssel hatte betont, sie werde jedes Mitgliedsland dabei unterstützen, seine alltägliche Infrastruktur zu schützen.
Forderungen nach Backup-System
Der Bundesverband Erneuerbare Energie forderte ein Backup-System für Notfälle. Die Präsidentin des Dachverbands, Heinen-Esser, nannte in der "Rheinischen Post" Bioenergie, Wasserkraft und Batteriespeicher. Diese könnten im Ernstfall kurzfristig einspringen und günstigen Strom bereitstellen. Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion, Mihalic, warf Bundesinnenminister Dobrindt Versäumnisse vor. Deutschland sei auf Angriffe gegen kritische Infrastruktur nur sehr unzureichend vorbereitet, sagte sie dem "Handelsblatt". Ein Ministeriumssprecher erklärte, zwar arbeiteten Staat und Wirtschaft eng zusammen. Grundsätzlich seien jedoch die Betreiber für den Schutz ihrer Einrichtungen verantwortlich.
Wegen der beiden Angriffe ermittelt die Polizei; im Falle des Umspannwerks bei Jänschwalde in Brandenburg auch wegen Terrorverdachts. Von den im Rheinischen Revier vom Netz genommenen fünf Blöcken zweier Kohlekraftwerke konnten inzwischen drei wieder in Betrieb genommen werden.
Diese Nachricht wurde am 03.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.