Studie schlägt Alarm: Zwei Drittel der Amazon-Religionsbücher wohl von KI – und stecken voller Fehler

Studie enthüllt: Fast zwei Drittel der Amazon-Religionsbücher stammen wohl von KI

Stand: 24.08.2026, 14:01 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Auf einem Tablet-Computer sucht ein Mann bei dem Online-Versandhaus Amazon nach Literatur, während seine Frau ein Buch aus dem Bücherregal nimmt (Archiv)

Viele Bücher auf Amazon stammen inzwischen von KI (Symbolbild). © Oliver Berg/dpa

KI-Bücher fluten Amazons Religionssparte: 63 Prozent der Neuerscheinungen wohl von Algorithmen – Experten warnen vor Falschinfos und fehlender Kennzeichnung.

Seattle – Die Verbreitung von KI-generierten Inhalten erreicht einen neuen Höhepunkt auf dem Buchmarkt. Wie das Krypto- und Technologieportal The Cryptonomist unter Berücksichtigung von Daten des Branchendienstes Decrypt berichtet, stammen knapp zwei Drittel der kürzlich veröffentlichten Titel in Amazons Kategorie für Religion und Spiritualität wahrscheinlich von Algorithmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des KI-Erkennungsunternehmens Originality.ai.

Für die Studie analysierten die Forscher insgesamt 2.034 Buchtitel aus 14 Glaubensrichtungen. Bewertet wurden dabei Buchbeschreibungen, Autorenbiografien und Textproben. Das Ergebnis: 1.272 Titel - was einem Anteil von 63 Prozent entspricht - wurden mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 50 Prozent als KI-generiert eingestuft. Besonders hoch war der Anteil im Bereich Wicca, Hexerei und Paganismus mit 78 Prozent, gefolgt von Hinduismus mit 76 Prozent und Taoismus mit 74 Prozent. Deutlich geringere Quoten zeigten sich hingegen bei Büchern über Mormonismus mit 42 Prozent, Atheismus mit 40 Prozent sowie Satanismus mit 22 Prozent.

Fehlerhafte Angaben bei Ratgebern

Besonders besorgniserregend sind laut The Cryptonomist die inhaltlichen Mängel: In der Kategorie Hexerei stufte das Forschungsteam 53 Prozent der überprüfbaren Aussagen als potenziell falsch ein. Dies betrifft ungeprüfte Ratschläge zu Heilkräutern, Edelsteinen und energetischen Reinigungspraktiken. Amazon verlässt sich derzeit weitgehend auf die Selbstauskunft der Autoren, ob KI eingesetzt wurde.

Wahrscheinlichkeiten statt absoluter Beweise

Hauptautor Michael Fraiman betonte gegenüber Decrypt, dass die Erkennungswerkzeuge hohe Wahrscheinlichkeiten liefern, aber keine absoluten Beweise darstellen, berichtet The Cryptonomist. „Unser Modell ermittelt die Wahrscheinlichkeit mit einem hohen Grad an Sicherheit“, erklärte Fraiman. Speziell Nischenmärkte wie Ratgeber für mentale Gesundheit oder Esoterik seien für KI-Produzenten attraktiv, da dort kaum wissenschaftliche Standards erfüllt werden müssen.

Erschwert wird die Einordnung durch Schwächen bei Detektionsprogrammen. So lieferten Tests an historischen Dokumenten wie der US-Unabhängigkeitserklärung teils völlig widersprüchliche Ergebnisse bei verschiedenen Anbietern. Dennoch zeigt die Untersuchung, wie rasant KI-generierte Texte Marktlücken im Online-Buchhandel füllen. (Redaktion)