Mara Pallokat
24. September 2026, 18:31 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Übergewicht in der Jugend gilt als Risikofaktor für zahlreiche Erkrankungen. Eine neue Langzeitstudie aus Finnland legt nun nahe, dass die Folgen noch weiter reichen könnten: Teenager mit einem höheren BMI zeigten Jahrzehnte später Anzeichen einer beschleunigten biologischen Alterung. Besonders betroffen waren Personen, die genetisch zu einem höheren Körpergewicht veranlagt sind.
Für die Untersuchung nutzten Forscher Daten der sogenannten Young Finns Study.1 Diese begleitet seit 1980 dieselben Teilnehmer von der Kindheit bis ins mittlere Erwachsenenalter. Ausgewertet wurden Daten von mehr als 2000 Personen, deren BMI im Alter von 9, 12, 15 und 18 Jahren erfasst wurde. Zusätzlich untersuchten die Wissenschaftler Blutproben aus mehreren Lebensphasen. Mithilfe sogenannter epigenetischer Uhren analysierten sie chemische Veränderungen der DNA, die Hinweise darauf geben, wie schnell der Körper biologisch altert. Außerdem berechneten die Forscher genetische Risikowerte, die anzeigen, wie stark eine Person aufgrund ihrer Gene zu einem höheren BMI neigt.
Höherer BMI in der Jugend, schnelleres Altern später
Die Auswertung zeigte, dass Personen mit einer genetischen Veranlagung für einen höheren BMI biologisch schneller alterten als Menschen mit geringerem genetischem Risiko. Dieser Zusammenhang war noch in ihren Vierzigern und Fünfzigern erkennbar.
Besonders interessant: Nicht die Geschwindigkeit der Gewichtszunahme während der Jugend schien entscheidend zu sein. Vielmehr spielte das Gewicht zu Beginn der Teenagerjahre die größere Rolle. Wer bereits früh einen höheren BMI hatte, zeigte später stärkere Anzeichen beschleunigter Alterungsprozesse.
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Hinweise auf einen ursächlichen Zusammenhang
Um herauszufinden, ob Übergewicht tatsächlich zur schnelleren Alterung beiträgt oder ob lediglich ein statistischer Zusammenhang besteht, nutzten die Forscher ein Verfahren namens Mendelsche Randomisierung. Dabei zeigte sich, dass ein genetisch bedingt höherer BMI in der Jugend wahrscheinlich direkt mit einer schnelleren biologischen Alterung zusammenhängt. Die Ergebnisse fielen allerdings je nach verwendetem genetischem Modell und Alterungsmarker unterschiedlich stark aus.
Was bedeuten die Ergebnisse?
Der Zusammenhang erklärt sich zu einem großen Teil dadurch, dass ein hohes Gewicht in der Jugend größtenteils bis ins Erwachsenenalter bestehen bleibt. Wer allerdings als Erwachsener sein Gewicht reduziert oder hält, kann dem beschleunigten Altern womöglich entgegenwirken. Zudem bezog sich die Studie ausschließlich auf Personen europäischer Abstammung.
Die Forscher betonen außerdem, dass die biologische Alterung nur ein Marker ist und nicht automatisch bedeutet, dass Betroffene früher erkranken oder sterben. Dennoch gilt eine beschleunigte biologische Alterung als Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für verschiedene chronische Erkrankungen im späteren Leben.
Die Studie liefert damit weitere Argumente dafür, Übergewicht bereits im Kindes- und Jugendalter ernst zu nehmen. Denn die Auswirkungen könnten den Körper deutlich länger begleiten als bisher angenommen.