Derzeit wird über ein Verbot von Social Media für Kinder gesprochen. Was es bringt, wenn Kinder und Jugendliche weniger Zeit mit Snapchat und dergleichen verbringen, haben Forscher nun im Auftrag der britischen Regierung untersucht. Demnach fühlen sie sich weniger gestresst, schlafen besser, verbringen mehr Zeit mit ihrer Familie und können sich in der Schule besser konzentrieren. Zudem hat eine repräsentative Befragung von knapp 2300 britischen Kindern und Jugendlichen ergeben, dass gut die Hälfte von ihnen bereits versucht hat, Alterskontrollen im Netz zu umgehen. 39 Prozent waren dabei erfolgreich.
Die Ergebnisse dürften in die aktuelle Debatte um Social-Media-Verbote für Heranwachsende einfließen. Nachdem im Dezember ein Verbot für unter Sechzehnjährige in Australien in Kraft getreten war, haben nicht zuletzt Frankreich und das Vereinigte Königreich ähnliche Pläne präsentiert. Ein Expertengremium der Europäischen Kommission hat sich jüngst für ein Verbot für Kinder unter 13 Jahren ausgesprochen, ähnlich äußerte sich eine von Bildungsministerin Karin Prien (CDU) einberufene Fachgruppe hierzulande.
Ministerin Liz Kendall: „Ergebnisse bestätigen, was Eltern schon lange sagen.“
Derzeit liegt zu dem Experiment aus Großbritannien nur eine Erklärung der Regierung vor und keine von unabhängigen Experten begutachtete Studie. Laut Angaben des Ministeriums für Wissenschaft, Innovation und Technologie nahmen über 300 Familien teil, die in drei Gruppen aufgeteilt waren: Bei der ersten gab es ein komplettes Social-Media-Verbot. Die Teenager in der zweiten Gruppe verzichteten nur nachts auf soziale Medien. Die dritte konnte täglich 15 Minuten lang die Apps verwenden. So ging es über sechs Wochen, wobei die Familien davor und danach befragt wurden.
„Diese Ergebnisse bestätigen, was Eltern uns schon lange sagen: Wenn Kinder weniger Zeit in sozialen Medien verbringen, hat das echte Vorteile“, sagte die zuständige Ministerin Liz Kendall laut der Mittelung.
Ausgeruhter und weniger gestresst
Die Familien mit generellem und nächtlichem Verbot verbrachten mehr Zeit miteinander. Besonders stark nahm die gemeinsam verbrachte Zeit bei der Gruppe zu, die komplett auf soziale Medien verzichteten, teilt das Ministerium mit. Die Teenager in der Verbotsgruppe verbrachten zudem weniger Zeit am Bildschirm und konnten sich besser konzentrieren.
Die Regierung erklärt zudem: Der nächtliche Verzicht habe sich positiv auf den Schlaf ausgewirkt. Die Jugendlichen berichteten, dass sie früher ins Bett gegangen seien, sich ausgeruhter und weniger gestresst fühlten und sich besser konzentrieren konnten.
Besonders schwer durchzusetzen war für die Familien offenbar, wenn die Jugendlichen täglich 15 Minuten auf sozialen Medien verbringen durften. Diese tägliche App-Nutzung sei am seltensten eingehalten worden.
Keine Angabe zur Effektstärke des Social-Media-Verzichts
Allerdings gibt es einige Kritikpunkte: Etwa lässt das Schreiben offen, wie stark die Effekte wirklich waren. Zudem beruhen die Ergebnisse auf Selbsteinschätzungen der Teilnehmer. Diese können allein durch das Bewusstsein, an einer Studie teilzunehmen, getrübt sein. Allerdings decken sich die Ergebnisse durchaus mit wissenschaftlichen Studien, wonach ein Verzicht auf soziale Medien sich positiv auf das Wohlbefinden auswirken kann, vor allem nachts.
Unabhängig von sozialen Medien schreibt im Vereinigten Königreich der „Online Safety Act“ seit Juli 2025 generell Alterskontrollen für schädliche Inhalte im Netz vor. Das können beispielsweise Gewaltdarstellung oder Pornographie sein. Die zweite Befragung der Regierung hat untersucht, wie Kinder und Jugendliche mit diesen Kontrollen umgehen.
Alterskontrollen versagen, wenn sie zu simpel sind
Zwar war es 39 Prozent der Befragten gelungen, Alterskontrollen auszutricksen. Jedoch kam es dabei auf die Art der Kontrolle an. „Kinder, die eine Altersüberprüfung umgangen haben, sind am häufigsten mit Selbstauskunftsprüfungen konfrontiert worden“, heißt es in dem Bericht. Seltener seien aufwendigere Kontrollen wie die Altersschätzung anhand des Gesichts oder das Hochladen eines amtlichen Ausweises überlistet worden.
„Es geht hier weniger darum, dass die Altersüberprüfung versagt, sondern vielmehr darum, dass zu viele Dienste noch keine wirksame Methode eingeführt haben“, kommentierte Alan Woodward, Professor für Cybersicherheit von der University of Surrey die Studie. Die offene Frage sei, ob und wie eine wirksame Altersüberprüfung für diese Altersgruppe umgesetzt werden könnte, sagte er gegenüber dem britischen Science Media Center.
Diese Frage wird auch bei den Bemühungen für digitalen Kinder- und Jugendschutz hierzulande und in anderen Staaten entscheidend sein. Nicht zuletzt hat eine Analyse des Verbots in Australien gezeigt, dass die Überprüfung des Alters entweder gar nicht funktioniert oder leicht zu umgehen ist. Ohne eine technische Lösung für Alterskontrolle wird sich aber keinerlei maßgeschneiderte Form des Jugendschutzes umsetzen lassen.