Sturmflutwarnung an der Ostsee: Erstes Hochwasser der Saison erwartet

Hochwasser in Flensburg.

Stand: 17.10.2026 • 20:04 Uhr

Ab Samstagabend wird an der Ostseeküste eine Sturmflut erwartet. Laut Vorhersage sind Wasserstände von bis zu 1,35 Meter über Normalhöhennull möglich. In einigen Orten könnte das Meer über die Kaikante treten.

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hat für die kommende Nacht eine Sturmflutwarnung für die Ostsee herausgegeben. Entlang der Küste muss mit erhöhten Wasserständen gerechnet werden.

Hohe Pegelstände für Travemünde und Flensburg vorhergesagt

In Flensburg erwartet das BSH am Sonntagfrüh einen Höchststand von 1,08 Metern. Danmarks Meteorologiske Institut (DMI) geht mit einem anderen Windmodell von 1,18 Metern am Sonntagmorgen aus. In diesem Fall würde das Wasser über die Kaikante schwappen. Im Hafenbereich kann es deshalb zu Straßensperrungen kommen. Zuvor lagen Prognosen noch bei bis zu 1,64 Meter. In Schleswig werden laut BSH Wasserstände von 1,03 Meter erwartet, in der Kieler Bucht bis zu 1,09 Meter. In Eckernförde werden vom BSH gegen 6 Uhr morgens 1,13 Meter erwartet.

Am Flensburger Hafen schotten die ersten Anlieger ihre Gebäude ab.

Nach aktuellen Prognosen ist Lübeck-Travemünde am stärksten von dem steigenden Wasser betroffen. Dort werden gegen 3 Uhr laut BSH 1,18 Meter und laut DMI 1,35 Meter vorhergesagt.

Auch Küste von Mecklenburg-Vorpommern betroffen

Auch an der übrigen Ostseeküste werden erhöhte Wasserstände von mehr als einem Meter erwartet. In der Wismarer Bucht wird der Wasserstand nachts laut BSH auf 1,14 Meter über Normalhöhennull vorhergesagt, das DMI prognostiziert 1,24 Meter. Die Stadt Rostock weist darauf hin, dass davon auch die Warnowufer und tiefliegende Küstenbereiche betroffen sein könnten. In Wismar will die Feuerwehr vorsorglich Container mit Sand aufstellen. Bei Bedarf sollen dann Sandsäcke am Ziegenmarkt und in der Rabenstraße verteilt werden, so die Stadtverwaltung.

Vorhersagen bleiben unsicher

Laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie ist die Vorhersage durch die Wetterlage in der Ostsee mit Unsicherheiten verbunden und wird regelmäßig aktualisiert. Die Ursache ist den Angaben zufolge ein Hochdruckgebiet über den Britischen Inseln, das für starken Wind über der zentralen und südlichen Ostsee sorgt.

Sturmflut oder Hochwasser: Was ist der Unterschied?

An der Ostseeküste wird bei einem Wasserstand von mehr als 1 Meter über Normalhöhennull (NHN) von einer Sturmflut gesprochen. Davor spricht man von Hochwasser.
An der Nordsee gilt eine Sturmflut, wenn das Wasser mehr als 1,5 Meter über das mittlere Tidehochwasser steigt. In Buchten und Förden liegen die Sturmflutwasserstände in der Regel höher als an den Außenküsten.
Sturmfluten entstehen, wenn starke Winde große Wassermengen zum Land schieben. Diese stauen sich an den Küsten auf und erhöhen dort die Wasserstände.

Kein Fährbetrieb auf der Schlei bei Arnis

Bereits am Samstagmorgen wurde aufgrund des ansteigenden Wasserstandes auf der Schlei der Fährbetrieb zwischen Arnis und Sundsacker (Kreis Schleswig-Flensburg) für den gesamten Tag ausgesetzt. Ob die Fähre am Sonntag wieder den Betrieb aufnehmen kann, kann der Betreiber noch nicht absehen. Fahrgäste werden gebeten den Bereich der Schlei großräumig zu umfahren.

Starker Ostwind sorgt auch für Fährausfälle auf der Nordsee

Während an der Ostsee die Pegel steigen, ist der Wasserstand wegen des starken Ostwindes an der Nordsee niedrig. Das führt zu Problemen bei Fährverbindungen, sowohl in Niedersachsen als auch in Schleswig-Holstein. Deshalb sollten auch Reisende nach Föhr und Amrum (Kreis Nordfriesland) ihre Abfahrtszeiten prüfen.

Campingplätze und Bootsbesitzer treffen Vorbereitungen

Auf dem Campingplatz Langballigau bei Westerholz (Kreis Schleswig-Flensburg) trafen Camper und Betreiber am Samstag teils spontane Vorkehrungen. Dort hatten am Samstagvormittag noch etwa 60 Dauercamper ihre Wagen stehen. Laut Betreiber wollten einige ihre Wagen im Laufe des Tages aus Sorge abholen. Bislang sieht Geschäftsführer und Betreiber Jan-Preben Arnold die Lage entspannt: "Wenn wir bei jedem Hochwasser in Alarmismus verfallen, machen wir uns ja verrückt. Und das will ja keiner. Es kommt, wie es kommt. Wir sind gut vorbereitet."

Auch mehrere Bootsbesitzer an der Ostsseeküste wollten ihre Boote zur Sicherheit noch kurzfristig aus dem Wasser holen. So wurden im Hafen Travemünde-Priwall (Lübeck) laut Hafenmeister den ganzen Tag Boote verkrant. Ähnlich sah es nach NDR Recherchen auch bei der Katamaran- und Jollenstation Mövenstein aus. Hier holten am Samstag viele ihre Boote von den angrenzenden Wiesen und transportierten sie in trockene Bootshallen. Wegen des guten Wetters und der Herbstferien hatten offenbar viele Segler und Yachtbesitzer ihre Boote noch im oder am Wasser.

Hochwasser im Winterhalbjahr am häufigsten

Die typische Hochwassersaison an der Ostsee läuft von Oktober bis April. Eine Übersicht der Wasserstände und aktuellen Sturmflutwarnungen finden Sie hier.