Sturzdrama auf der 15. Etappe: Vingegaard muss Tour de France aufgeben

Mit gesenktem Kopf und bandagierter rechter Schulter betrat Jonas Vingegaard das Röntgen-Mobil. Der tragische Höhepunkt der Tour de France 2026 geschah kurz vor der harten Kletterpartie zum Plateau de Solaison. 22 Kilometer vor der Bergankunft stürzte Mitfavorit Vingegaard und musste die Tour de France vorzeitig beenden.

Am Schlussanstieg selbst erlebte der deutsche Rad-Star Florian Lipowitz trotz des Aufrückens in der Gesamtwertung einen leichten sportlichen Rückschlag. Der 25-Jährige konnte etwa sieben Kilometer vor dem Ziel nicht mehr folgen. Sein Teamkollege Remco Evenepoel – späterer Tagessieger – folgte Pogacar und dürfte die Kapitänsfrage eine Woche vor Ankunft in Paris zu seinen Gunsten entschieden haben.

Der fünfte Tagessieg von Titelverteidiger Pogacar blieb aus, denn Evenepoel besiegte den Slowenen im Schlusssprint und feierte den ersten Etappensieg für das deutsche Team Red Bull. Pogacars Teamkollege Isaac del Toro aus Mexiko wurde Dritter. Lipowitz kam 58 Sekunden nach Evenepoel ins Ziel.

Doch bei den Ereignissen um Vingegaard rückte das fulminante Finale in den Hintergrund. Für den zweimaligen Champion bei der Frankreich-Rundfahrt markiert der Vorfall eine sportliche Zäsur: Die Tour begann eigentlich mit einem gut aufgelegten Star beim Auftakt in Barcelona, endete nach einigen sportlichen Rückschlägen aber mit dem vorzeitigen Aus.

Sturz im Kreisverkehr beendet Tour-Träume von Vingegaard

Der bisherige Gesamtzweite kam 22 Kilometer vor dem Ziel der 15. Etappe in einem Kreisverkehr zu Fall. Bandagiert am rechten Arm und an der Schulter stieg der Däne in einen Rettungswagen, ehe sich das Gefährt auf den Weg zum Röntgen-Mobil machte.

Wie sind Team später mitteilte, zog sich Vingegaard bei dem Sturz einen Schlüsselbeinbruch und mehrere Schürfwunden zu. „Aufgrund der Schwere des Schlüsselbeinbruchs wurde ein chirurgischer Eingriff empfohlen, der in den kommenden Tagen durchgeführt wird“, hieß es.

Vingegaard war mit einem Abstand von 4:30 Minuten auf Ausnahmefahrer Pogacar in die Etappe gestartet. Der Slowene galt schon vor Vingegaards Aufgabe als klarer Siegfavorit, dem eigentlich nur durch Sturz oder Krankheit der fünfte Tour-Sieg zu nehmen ist.

5

Minuten beträgt Pogacars Vorsprung jetzt auf den neuen Zweitplatzierten Evenepoel

Der Kapitän des Visma-Teams hatte 2022 und 2023 die Frankreich-Rundfahrt gewonnen. In den vergangenen beiden Jahren belegte er jeweils den zweiten Gesamtrang.

Der Sturz ereignete sich auf dem Weg zum Schlussanstieg zum Plateau de Solaison. Neben Vingegaard kamen auch Pogacars Teamkollege Felix Großschartner und del Toro zu Fall. Der Österreicher und der Mexikaner konnten aber weiterfahren.

Cycling - Tour de France - Stage 15 - Champagnole to Plateau de Solaison - Plateau de Solaison , France - July 19, 2026
Red Bull - BORA - hansgrohe's Remco Evenepoel celebrates winning stage 15 REUTERS/Stephanie Lecocq

Remco Evenepoel bezwang Tadej Pogacar im Zielsprint.

© Reuters/Stephanie Lecocq

In der Gesamtwertung steht Pogacar nun mit einem Abstand von fünf Minuten an der Spitze vor Evenepoel. Del Toro ist 5:58 Minuten Dritter hinter dem Slowenen. Lipowitz rückte vom sechsten auf den fünften Rang vor – 6:48 Minuten hinter Pogacar und 1:48 hinter Evenepoel, der beim kommenden Einzelzeitfahren großer Favorit ist.

Zwischen den beiden harten Bergetappen zum Ende der zweiten Tour-Woche erlebten die Stars Pogacar und Vingegaard eine unruhige Nacht. Die beiden Tour-Gewinner mussten nach eigenen Angaben nachts eine Dopingprobe abgeben.

Es ist gut, dass sie testen, aber wenn es die Leistung beeinflusst und deinen Schlaf, dann denke ich nicht, dass es so gut ist.

Jonas Vingegaard zur Dopingkontrolle in der Nacht zuvor

„Ich habe vier Stunden Schlaf bekommen“, sagte der Slowene Pogacar bei Eurosport vor der 15. Etappe. Er sei um fünf Uhr morgens kontrolliert worden. „Ich gehe immer spät schlafen, aber es war trotzdem ein großer Schock“, berichtete der 27-Jährige. Pogacar wird als Träger des Gelben Trikots für den Gesamtführenden schon jeden Tag rund um die Etappe getestet.

Auch Vingegaard war betroffen. Die International Testing Agency (ITA) habe dem Dänen „nicht erlaubt, viel zu schlafen“. „Das war eine große Überraschung für mich“, sagte er.

Im Gegensatz zu Pogacar reagierte Vingegaard etwas zerknirscht. „Es ist gut, dass sie testen, aber wenn es die Leistung beeinflusst und deinen Schlaf, dann denke ich nicht, dass es so gut ist. Hoffentlich bin ich am Ende nicht der Einzige, denn am Ende sollte es für jeden gleich sein. Es ist nicht so schön um zwei Uhr“, sagte er. Es habe 40 Minuten gedauert, ehe er wieder im Bett war.

Dabei war die Etappe am Vortag in Le Markstein vor zahlreichen deutschen Fans anstrengend genug gewesen. Am Montag steht der zweite Ruhetag an, Dienstag wartet auf die Profis das einzige Einzelzeitfahren bei der diesjährigen Tour. Knapp 26 Kilometer zwischen Évian-Les-Bains und Thonon-Les-Bains am Ufer des Genfersees stehen auf dem Programm.