Tornado in Glückstadt: Bahnchaos vor Wacken

Im Norden

Tornado im Norden: Große Schäden, Züge den ganzen Tag verspätet

Der Tornado hat in Glückstadt Dächer von Häusern gerissen.
picture alliance/dpa | Marcus Brandt

Ein Tornado richtet in der Region um Glückstadt an der Elbe schwere Schäden an. Dächer wurden abgedeckt, die Bahnstrecke zwischen Elmshorn und Itzehoe beschädigt. 

Ein Tornado hat am Sonntagabend in Glückstadt und Umgebung zahlreiche Gebäude beschädigt. Nach Angaben der Polizeidirektion Itzehoe registrierten Einsatzkräfte nach ersten Schätzungen Schäden an etwa 40 bis 50 Gebäuden. Auch der Bahnverkehr war lange beeinträchtigt. Verletzt habe sich niemand. Eine Person erlitt nach Angaben der Polizei einen Nervenzusammenbruch und erhielt vorübergehend Betreuung.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat am Montag bestätigt, dass es sich um einen Tornado handelte. Er sei nach bisherigen Erkenntnissen mit einer Rotationsgeschwindigkeit von etwa 180 Kilometern pro Stunde durch Glückstadt und die umliegenden Gemeinden gezogen, sagte DWD-Meteorologe Tobias Reinartz.

Hallendach in Industriegebiet fast vollständig abgedeckt

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Besonders starke Schäden sind nach Angaben der Polizei im Industriegebiet in der Straße Der Keil, in der Temming-Siedlung sowie in der Engelbrechtschen Wildnis entstanden. Im Industriegebiet habe der Sturm das Dach einer Halle nahezu vollständig abgedeckt. Umherfliegende Dachteile hätten anschließend weitere Industriegebäude und Anlagen erheblich beschädigt.

Auch der Bahnverkehr ist von den Schäden beeinträchtigt und dadurch auch die Anreise der Fans zum Festival Wacken Open Air, das am Mittwoch beginnt. Eine Oberleitungsstörung durch Sturmschäden und eine bereits bestehende Weichenstörung hatten den Zugverkehr durcheinander gebracht.

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Zugausfälle behinderten Anreise zum Wacken Open Air

Mit Hilfe der Feuerwehr habe ein umgestürzter Baum aus den Gleisen entfernt werden können. Erst am Montagabend konnte die Strecke wieder freigegeben werden, es kam aber weiter zu Verspätungen und Ausfällen kommen. Derzeit läuft die Anreise zum Wacken Open Air, viele Metalfans waren zwischenzeitlich in Pinneberg gestrandet.

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„Wir sind am Sonntag gegen 19 Uhr alarmiert worden”, erklärte der Wehrführer der Glückstädter Feuerwehr, Sven Thießen. Wegen der Vielzahl von Anrufen habe man die Kreisfeuerwehrbereitschaft des Kreises Steinburg und das Technische Hilfswerk (THW) aus Elmshorn und Itzehoe um Hilfe gerufen. In der Spitze seien 120 Einsatzkräfte beteiligt gewesen. Der Einsatz sei nachts gegen 2 Uhr beendet worden. 

Feuerwehrleute nahmen Notreparaturen vor

Allein in Glückstadt seien bis zu 25 Gebäude beschädigt worden, sagte Thießen. In der Temming-Siedlung stellten die Einsatzkräfte an zahlreichen Reihenhäusern teilweise schwere oder vollständige Dachschäden fest. Der Tornado riss zudem mehrere Gartenhäuser und Garagen aus ihren Verankerungen und schleuderte sie auf angrenzende Grundstücke.

„Teilweise flogen Einzelteile bis zu 100 Meter durch die Luft”, sagte der Wehrführer. Auch in der Engelbrechtschen Wildnis beschädigte das Unwetter die Dächer mehrerer Wohngebäude massiv.

Gesamtschaden im hohen sechsstelligen bis siebenstelligen Bereich

Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks sicherten nach Angaben der Polizei die betroffenen Gebäude und nahmen Notreparaturen vor. Die Stadtwerke und das Ordnungsamt Glückstadt boten weitere Sofort- und Hilfsmaßnahmen an. Der Gesamtschaden dürfte nach einer ersten Einschätzung im hohen sechsstelligen bis siebenstelligen Bereich liegen.

Tornados sind rotierende Luftsäulen, die unterhalb einer Regen- oder Gewitterwolke entstehen. Der Tornado in Glückstadt habe mit einer Rotationsgeschwindigkeit von 180 km/h eine Stärke von 1,5 auf der internationalen Fujita-Skala erreicht. Der Höchstwert liegt bei 5, sagt der DWD-Meteorologe Tobias Reinartz. Er habe sich mit etwa 30 Kilometern pro Stunde vorwärts bewegt.

Bundesweit jährlich etwa 50 Tornados

Bundesweit zählen die Experten pro Jahr etwa 50 solcher Tornados. Es seien keine regionalen Hotspots auszumachen, wo sie vermehrt auftreten. „Für einen Ort ist ein Tornado immer ein sehr seltenes Ereignis”, sagt Reinartz. Einen Zusammenhang zum Klimawandel und steigenden Temperaturen sehen die Meteorologen derzeit nicht.

Für den Fall, dass Menschen einen Tornado auf sich zukommen sehen, rät der Meteorologe, massive Häuser aufzusuchen und sich dort auf keinen Fall an Fenstern oder Türen aufzuhalten. „Das ist brandgefährlich, denn umherfliegende Trümmerteile können zu tödlichen Geschossen werden.” Draußen in der Natur solle man beobachten, in welche Richtung sich ein Tornado bewegt, und dann seitlich wegrennen, sofern das möglich sei. In letzter Konsequenz könne man sich flach auf den Boden legen. (dpa/mp)