Toy Story 5 mit Social Media als Bösewicht: Ein Film mit düsterem Nachgeschmack

Cowboy Woody ist mittlerweile ein altes, weißes Spielzeug. Im zeitgeistigen „Toy Story 5“ taucht mit „Lilypad“ ein digitaler Bösewicht im Kinderzimmer auf

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24.07.2026

Eine Szene aus dem Film „Toystory 5“, in der ein Pferd und ein Cowgirl einem Tablet gegenüberstehen

In „Toy Story 5“ konkurrieren die Spielzeuge nicht gegeneinander – sondern gegen das neue Tablet

Credit: Disney/Pixar

Bei der immer wieder erstaunlichen Wechselwirkung zwischen Film und Leben schießt Disney momentan den Vogel ab. Der von den Pixar Studios in gewohnter Qualität hergestellte neue, fünfte Toy-Story-Teil behandelt nämlich ausgerechnet den aktuell hitzigsten aller Mediendiskurse: das Bildschirmzeit-Dilemma oder die Frage, ob und wie Kinder sich mit digitalen Medien beschäftigen.

Die als wertkonservativ geltende Disney-Familie zeigt in Toy Story 5 die achtjährige Bonnie, Besitzerin der Cowgirl-Puppe Jessie, zunächst als introvertiertes Mädchen, das Schwierigkeiten hat, Freundschaften zu schließen, und sich – zur Freude der „Toys“ – lieber mit seinem Spielzeug beschäftigt, wenn auch immer allein.

Bei der Recherche nach potenziellen Freund:innen in der Nachbarschaft entdeckt die fürsorgliche Jessie allerdings, dass Bonnie die Einzige ist, die das tut: In sämtlichen anderen Häusern starren die Kinder längst auf ihre Bildschirme.

Das iPad als Klugscheißer

Um Bonnie zumindest in die Gruppe der digital Interagierenden zu integrieren, knicken Bonnies Eltern ein und kaufen ein froschgrünes „Lilypad“, ein kindgerecht aufgemachtes Tablet, das sich gegenüber den analogen Spielzeugen als unfassbarer Klugscheißer entpuppt: Unermüdlich fließen online-enzyklopädische Informationen aus dem geschwätzigen Computer.

Der Algorithmus kennt sich darüber hinaus bestens mit den Gewohnheiten von Kindern aus, macht Bonnie umgehend zur Bewohnerin eines niedlichen virtuellen Froschteichs und verschafft ihr damit schneller neue Freundinnen, als man „Quak“ sagen kann. Dass jene digitalen Freundschaften nur die Illusion von Kommunikation sind, mag eine Binse sein, stimmt aber – erst recht – für Grundschulkinder.

Der erzählerisch etwas biedere, dennoch zuweilen hochkomische Film beschreitet damit einen dornigen Weg: Ausgerechnet die Marke Disney, selbst Hersteller von Kindertablets mit dem üblichen Suchtpotenzial, gibt sich als Mahner vor ebendieser Gefahr.

Das kann man als fragwürdig bis pharisäisch empfinden. Dennoch möchte man annehmen, dass eben auch Disney-Mitarbeiter und -Produktentwickler ihre Kinder lieben und darüber verzweifeln, wie sie das kindliche Gehirn einerseits an der Gegenwart, zu der die digitale Welt gehört, teilnehmen lassen, und sie andererseits aber davor schützen wollen.

Auch da imitiert also das Kino das Leben. Im Film findet Bonnie nach einigem Heckmeck, eher überflüssigen Nebenhandlungen und mit der Hilfe der brav auf Gemeinschaftssinn pochenden Spielzeuge (sogar das nervige Lilypad sieht irgendwann ein, dass „kreatives“ Spiel lebensnotwendig ist) schließlich eine Freundin, mit der es sich herrlich in den Fantasiepalast abtauchen lässt, inklusive von den Mädchen analog verkleideter, alter und neuer digitaler Devices wie dem Töpfchentrainer „Smarty Pants“.

Düsterer Nachgeschmack: Am Ende wird vor der Macht des Digitalen resigniert

Dass die Filmschaffenden diesem nur in der Vorstellung der Kinder existierenden Fantasiepalast dabei das Aussehen eines Zeichentrickfilms geben, ist ein hübscher Zug. Ein Happy End gibt es – wie in Wirklichkeit – dennoch nicht: Weil zwei Mädchen großen Spaß am haptischen Spiel haben, heißt das noch lange nicht, dass es anderen Kindern ebenso geht.

Trotz des leichten bis kitschigen Tons hinterlässt der Film somit einen düsteren Nachgeschmack: Genau wie der aktuellen Diskussion um das Verbot oder die Einschränkung digitaler Medien für bestimmte Altersstufen wohnt ihm eine gewisse Resignation inne. Ist es nicht eh schon zu spät, müsste man die Kinder und vor allem deren Eltern nicht eher mit aller Kraft so medienkompetent machen, dass sie sich besser selbst schützen können?

Um das in diesem Kontext oft überstrapazierte Beispiel der Verkehrserziehung zu bemühen: Die Ampel ist elementar, dass wir zusätzlich nach rechts und links schauen ebenso.

Übrigens ist Woody, der Held der bisherigen Toy-Story-Teile, mittlerweile ein altes, weißes Spielzeug geworden, auf dessen Hinterkopf die Farbe genau dort abblättert, wo Männern eines gewissen Jahrgangs zuweilen ein Knie wächst.

Richtig gut hat es eigentlich nur Woodys Partnerin Barbie. Sie braust am Anfang kurz durchs Bild, um sich dann zum Mädelswochenende zu verkrümeln. Und man weiß ja, wie heftig Barbies feiern.