Traditionelle Hersteller kämpfen gegen Zuckersteuer: Süße Handwerkskunst vor dem Aus?
Stand: 18.10.2026, 14:07 Uhr
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Frankreich plant eine neue Abgabe auf verarbeitete Zuckerprodukte. Traditionelle Süßigkeitenhersteller warnen nun vor massiven Belastungen und Existenznöten.
Frankreich will den Kampf gegen Übergewicht ausweiten und plant im Entwurf für das Sozialversicherungsgesetz eine neue Steuer auf stark verarbeitete, zuckerhaltige Lebensmittel. Französischen Medien zufolge, begründete Gesundheitsministerin Stéphanie Rist den Vorstoß damit, dass ernährungsbedingte Erkrankungen wie Adipositas und Diabetes das Gesundheitssystem enorm belasten.
Bereits seit 2012 existiert in Frankreich eine Steuer auf zuckerhaltige Erfrischungsgetränke, die nun stufenweise auf feste, verpackte Produkte ausgeweitet werden soll. Laut dem Radiosender RMC soll die neue Zuckersteuer auf zuckerhaltige verarbeitete Lebensmittel wie Kekse, Kuchen, Süßigkeiten, Brotaufstriche sowie Frühstückscerealien erhoben werden.
Neue Zuckersteuer in Frankreich: Handwerksbetriebe bangen um historische Rezepte
Doch während die Politik auf Reformulierungen und gesündere Rezepturen abzielt, schlagen kleine Süßwarenhersteller Alarm. Bei der 1946 gegründeten bretonischen Manufaktur La Maison d'Armorine blickt man mit großer Sorge auf die Pläne. „Eine Steuer von 3 Prozent entspricht je nach Zuckergehalt zwischen 4 und 22 Cent pro 100 Kilo“, rechnet Betriebsleiter Gildas Peron gegenüber franceinfo vor. „Für uns sind die Folgen alles andere als unerheblich.“
Er warnt davor, dass die neue Abgabe auf ohnehin drastisch gestiegene Kosten für Grundzutaten wie Butter und Sahne treffe. Peron rechnet daher mit einer Erhöhung von mehr als fünf Prozent. Zudem sei ein Absenken des Zuckeranteils bei historischen Rezepturen kaum möglich. Man habe die „Rezepte seit 80 Jahren nicht verändert“.
Der französische Süßwarenverband Confiseurs de France verdeutlicht die heikle Lage der Branche. Mit 85 Unternehmen erwirtschaftet der Sektor rund 1,6 Milliarden Euro Umsatz, sagt Verbandspräsidentin Marie-Claude Stoffel zu franceinfo. Der Großteil davon sind kleine und mittlere Betriebe. Stoffel sieht die Existenz vieler Familienbetriebe gefährdet: „Wenn wir diese Steuer an unsere Einzelhandelspreise weitergeben müssen, geraten wir in Schwierigkeiten.“
Debatte über Zuckersteuer auch in Deutschland
Auch in Deutschland wird immer wieder intensiv über Sonderabgaben auf zuckerhaltige Produkte und die daraus folgenden Belastungen für Verbraucher und Lebensmittelpreise debattiert. Kleinere Getränkehersteller kritisieren die Pläne der Merz-Regierung scharf. Nach langen Diskussionen hat sich die Koalition aber doch auf die Zuckersteuer geeinigt. Damit steigen die Preise hierzulande ab 2027.