Triathlon: Tränen und Schmerzen: Drama-Aus von Lange in Hawaii

Triathlon Tränen und Schmerzen: Drama-Aus von Lange in Hawaii

Kailua-Kona · Der letzte Auftritt wird zum Tränen-Drama: Patrick Lange muss bei der Ironman-WM in Hawaii aufgeben. Beim Wendepunkt biegt er ab - und taucht später als Helfer auf.

11.10.2026 , 02:19 Uhr

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Tränen und Schmerzen: Drama-Aus von Lange in Hawaii

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Foto: Ezra Shaw/Getty Images for IRONMAN/dpa/Ezra Shaw

Patrick Lange versuchte es noch einmal, kämpfte gegen die immer schlimmer werdenden Krämpfe. Doch nach zwei Stopps auf der Radstrecke einem immer größeren Rückstand auf die Spitze endete für den mittlerweile 40 Jahre alten Hawaii-Gewinner von 2017, 2018 und 2024 der letzte Auftritt mit Tränen und einer riesigen Enttäuschung. „Das ist so eines der härtesten DNFs (Did not Finish) in meinem Leben“, sagte Lange rund drei Stunden nach seinem Aus: Die Krämpfe hätten aber nicht mehr aufgehört. 

„Wenn die Chance bestanden hätte, hier zu finishen, egal, in welcher Zeit, hätte ich es getan“, sagte Lange - mittlerweile im gelben Helfer-T-Shirt an einer Verpflegungsstation - dem ZDF. „Wenn ich schon nicht die Finish-Line respektieren kann, dann möchte ich wenigstens die Energie zurückgeben und hier an der Strecke und denen es ein bisschen leichter machen, die Finish-Line heute hoffentlich sehen werden.“ 

Als Erster erreichte sie völlig überraschend der Franzose Vincent Luis in 7:47:27 Stunden vor Ex-Weltmeister Gustav Iden aus Norwegen und dem US-Amerikaner Matthew Marquardt. 

„Die Kehrseite der Medaille“

Am Wendepunkt der Radstrecke in Hawi nahm Lange nicht die 180-Grad-Kurve. Stattdessen steuerte er sein Triathlon-Rad zwischen den grünen Pylonen vorbei. Runter vom Kurs auf der Insel, die er so liebt und der er - wie er selbst immer wieder gesagt hat - so viel zu verdanken hatte. 2013 noch als Zuschauer. 2016 beim WM-Debüt über die 3,8 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer bereits als Dritter auf dem Podest, damals zusammen mit Jan Frodeno und Sebastian Kienle. 

Danach die beiden Triumphe, dann 2019 - auch damals musste Lange aussteigen auf der Radstrecke. Fünf Jahre später feierte er ein von vielen kaum für möglich gehaltenes Sieg-Comeback in Hawaii. Beim ersten gemeinsamen Rennen für Männer und Frauen seit 2019 und der Corona-Pandemie wollte er noch mal zeigen, was in ihm steckt. 

Es wurde zum Déjà-vu. „Jetzt kommt ein bisschen die Kehrseite der Medaille“, sagte sein Trainer Benjamin Reszel im Livestream des ZDF. „Richtig bitter“, kommentierte auch die ehemalige Hawaii-Gewinnerin Anne Haug als TV-Expertin.

Ein Beginn, wie er nicht besser hätte sein können

Dabei hätte es zunächst nicht besser laufen können. Regen in der Nacht und auch noch am Morgen sorgten für ordentlichen Wellengang vor Kailua-Kona. Doch Lange hielt mit den Schnellsten im Wasser mit, nachdem das Rennen wie immer mit einem Kanonenschuss gestartet worden war. 

Lange behauptete sich in der Top-Gruppe und kam mit nur zwölf Sekunden Rückstand wieder an Land. Doch dann vergrößerte sich der Rückstand zunehmend auf den zunächst führenden Landsmann Jonas Schomburg, den später aber ebenfalls muskuläre Probleme bremsten. 

Auf einmal stand Lange am Straßenrand, nach gerade mal 68 Kilometern auf dem Rad. „Es geht nicht“, sagte er zu seinem Coach. Lange fasste sich immer wieder an den hinteren linken Oberschenkel bzw. unteren Rücken. Seine beste Disziplin sollte doch mit dem abschließenden Marathon erst noch folgen. Es kam anders. 

Lange hatte in diesem Jahr schon mal die Probleme

„Im ersten Moment ist es unheimlich brutal“, schilderte Reszel: Es sei eine Krampfneigung „über die gesamte hintere Kette“. Ein Problem, das Lange in diesem Jahr auch schon mal zur Aufgabe in Texas gezwungen hatte. 

In Hawaii, auf seiner Insel, wollte er nicht wieder aufgeben, schon gar nicht bei seinem letzten Auftritt. Doch wenige Meter vor dem Wendepunkt hielt Lange wieder an. Bis dahin hatte er es geschafft, so war auch die Absprache. Es zumindest noch mal versuchen. Dort wollten sie neu entscheiden. 

Lange entschied. Er senkte den Kopf, rollte noch mal den leichten Hügel hoch, ehe er rechts abbog. Er stieg aus, hielt sich die Hände vors Gesicht, griff sich an den Rücken und verschwand mit gesenktem Kopf.

© dpa-infocom, dpa:261010-930-821013/3