Trockenheit macht Landwirtschaft zu schaffen

Stand: 17.07.2026, 07:00 Uhr

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Auf dem BASF-Versuchsfeld (hinten, v.l.): Landrat-Stellvertreter Hans Wiesmaier, BBV-Kreisobmann Jakob Maier, Lengdorfs Bürgermeister Bernhard Hartl, Fraunbergs Bürgermeister Simon Selmeier, Dr. Josef Schächtl vom AELF und Landwirt Georg Brielmair sowie (vorne, v.l.) Monika Bauer vom VLF Erding, Fraunbergs Ortsbäuerin Angelika Wenhart, Landwirtin Caroline Brielmair und Kreisbäuerin Irmgard Posch.

Auf dem BASF-Versuchsfeld (hinten, v.l.): Landrat-Stellvertreter Hans Wiesmaier, Jakob Maier, Bernhard Hartl und Simon Selmeier, Dr. Josef Schächtl und Landwirt Georg Brielmair sowie (vorne, v.l.) Monika Bauer vom VLF Erding, Fraunbergs Ortsbäuerin Angelika Wenhart, Landwirtin Caroline Brielmair und Kreisbäuerin Irmgard Posch. © Kathrin Kapfer

Die Trockenheit von April bis Juni und die Dauertiefpreise wirken sich auf die Ernteerträge aus. Soja dagegen wächst jetzt gut auf 1144 Hektar – ein Zuwachs von 56 Prozent.

Grucking – Die Extremhitze von vor zwei Wochen und die Trockenheit von April bis Juni machen den Ackerfrüchten zu schaffen. Bei Winterraps und Winterweizen rechnet Dr. Josef Schächtl, stellvertretender Behördenleiter am Amt für Ernährung und Landwirtschaft, mit deutlichen Ernteeinbußen. Beim Erntepressegespräch auf dem Brielmair-Hof in Grucking erklärte er auch die Standortfrage zu einem entscheidenden Faktor: Mancherorts, wie in Grucking, speicherten die Böden das Wasser länger.

Entscheidende Standortvorteile

Nur wenige Kilometer weiter stellt sich die Situation anders dar, wie Fraunbergs Bürgermeister und Nebenerwerbslandwirt Simon Selmeier berichtete. Seine Äcker lägen in eher hügeligem Gelände und seien der Erosion stärker ausgesetzt, außerdem sei der Boden nicht ganz so gut wie in Grucking. Wie andere baut auch Selmeier unter anderem Sojabohnen an. Die aus Asien stammende Pflanze komme besser mit den klimatischen Bedingungen zurecht, erklärte Schächtl. Auf 1144 Hektar wächst Soja im Landkreis, 56 Prozent mehr als im Vorjahr – prozentual der stärkste Zuwachs.

Auch der Mais könne die Hitze gut aushalten, erklärte der für den Bereich Landwirtschaft zuständige Amtsvertreter. Bei der Top-Kultur im Landkreis – Mais wird auf knapp 19.500 Hektar Fläche angebaut – rechnet er nur mit trockenheitsbedingten Einbußen. „Wer heuer früh Mais angebaut hat, war eindeutig im Vorteil“, warf Fraunbergs Ortsbäuerin Angelika Wenhart ein. Gastgeberin Caroline Brielmair, selbst Ackerbäuerin, erklärte, warum: Im frühen Wachstumsstadium führt die Trockenheit dazu, dass sich die Wurzeln tiefer in den Boden schlagen. Dadurch ist die Pflanze robuster. Der Preis für Mais sei auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr, informierte Schächtl.

Deutlich negativer bewertete der Fachmann die Situation beim Grünland, das nach Mais die größten Flächen im Landkreis bedecke. Der Anteil an der landwirtschaftlichen Nutzfläche liegt nach seiner Darstellung bei 21 Prozent. Im Frühjahr sei deutlich weniger Gras auf den Flächen gestanden, so Schächtl, und „bei jedem Schnitt wurde es weniger“. Er schätzte, dass die Landwirte noch eine Zwischenpflanze oder zusätzlich Mais anbauen müssen, um den Futterbedarf für die Tiere zu decken.

Eine gute Wertschöpfung sieht Schächtl bei Dinkel und anderen Nischenkulturen: Hier könne man sich vom Weltmarkt abheben und über entsprechend faire Verträge mit regionalen Mühlen Geld verdienen. Anders bei Weizen, der am Weltmarkt gehandelt werde: Dass die Ernte hier wegen der Trockenheit schlechter ausfalle als im vergangenen Jahr – im Erntejahresvergleich von Oktober bis Juni fielen rund 100 Liter weniger Regen als normal –, wirke sich nicht auf den Preis aus. Dagegen schlage es sich sofort im Preis nieder, „wenn mal ein Schiff mit Weizen nicht aus der Ukraine rauskommt“.

Diese Unkalkulierbarkeit sieht auch Lengdorfs neuer Bürgermeister Bernhard Hartl, der einen Betrieb für Schweinemast betreibt, als großes Problem der Landwirtschaft. „Früher wusste man: Im Sommer wird gegrillt, da kann man mehr Schweinefleisch zu einem besseren Preis verkaufen. Im Winter, wo mehr Rindfleisch gegessen wird, könnte man das mit Ackerfrüchten ausgleichen“, sagte er. „Heute kann man sich nichts mehr herleiten“. Wie der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Jakob Maier, berichtete, liege der Preis für ein Kilo Schweinefleisch mit 1,40 Euro „im Keller“. Überhaupt sei die Lage „mit Tiefstpreisen in allen Bereichen mehr als besorgniserregend“. Den Milchpreis bestätigte Kreisbäuerin Irmgard Posch mit rund 40 Cent pro Liter auf einem ebenfalls sehr niedrigen Niveau.

Eine „schlechte Erlössituation“ vermeldete Schächtl auch für die Kartoffel. In der Folge sei der Anbau um 10 Prozent zurückgegangen. Auch hier ist Trockenheit ein Problem: „Fast jeder Kartoffelbauer im Landkreis hat eine Bewässerungsanlage“, sagte Maier.