Trump empfängt Selenski und Netanyahu: Die Trauerfeier für Lindsey Graham wird zum diplomatischen Gipfeltreffen
Die Beerdigung des Senators und führenden Aussenpolitikers Lindsey Graham hat in Washington einen Gesprächsreigen zu den Kriegen in der Ukraine und in Iran entfacht. Im Senat stehen schärfere Russland-Sanktionen kurz vor dem Durchbruch.
28.07.2026, 20.28 Uhr
4 Leseminuten

Treffen im Oval Office unter neuen Vorzeichen: Donald Trump empfängt den ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski.
IMAGO/Zelenskyy Social Media Account / Imago
Es wäre wohl durchaus im Sinne des amerikanischen Senators Lindsey Graham gewesen, dass der Tag seiner Beerdigung zu einem diplomatischen und politischen Showdown wurde. Graham, der vor zwei Wochen überraschend an einer Herzkrankheit starb, war nicht nur ein persönlicher Freund von Präsident Donald Trump gewesen. Er gehörte auch zu den einflussreichsten Aussenpolitikern in Washington und hielt die traditionellen amerikanischen Allianzen mit Europa, der Ukraine und Israel hoch.
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Für die Gedenkfeier auf dem Capitol, wo Grahams Sarg aufgebahrt war, und den Trauergottesdienst in der National Cathedral am Dienstag reisten zahlreiche Würdenträger an, unter ihnen der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. Beide waren mit Graham befreundet gewesen und nutzten die Reise in die amerikanische Hauptstadt nun für Arbeitstreffen mit Trump im Oval Office.
Selenski bei Trump höher im Kurs
Der Besuch Selenskis stand unter ganz anderen Vorzeichen als das denkwürdige Treffen im Februar 2025, als Trump und Vizepräsident J. D. Vance den ukrainischen Präsidenten vor laufender Kamera massregelten und brüskierten. Selenski war im schwarzen Militär-Outfit im Weissen Haus erschienen, was ihm die Trump-Entourage als Respektlosigkeit auslegte. Nach dem damaligen Treffen sistierte Trump die Militärhilfen an die Ukraine und den Austausch von Geheimdienstinformationen und schien das kriegsversehrte Land an Russland ausliefern zu wollen.
In letzter Zeit aber ist Selenski, der aus Anlass des Trauergottesdienstes für Graham auch im Oval Office einen Anzug trug, in der Gunst des amerikanischen Präsidenten wieder gestiegen. Wie amerikanische Medien im Vorfeld des Besuches unter Berufung auf Quellen im Weissen Haus berichteten, soll sich Trump jüngst tief beeindruckt von der Resilienz Selenskis und von den militärischen Erfolgen der Ukraine namentlich im Drohnenkrieg geäussert haben.
Anders als bei früheren Treffen, zu denen Trump die Medienschaffenden für ein paar Fragen ins Oval Office einlud, fanden die Treffen mit Selenski und Netanyahu unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Doch äusserte sich der ukrainische Präsident auf Social Media positiv und sprach von einem sehr guten Treffen. Die beiden Präsidenten hätten die Bedeutung des Schutzes der ukrainischen Bevölkerung diskutiert sowie die amerikanischen Möglichkeiten, um der Ukraine bei der Raketenabwehr zu helfen.
Konkret ging es dabei um Trumps Versprechen, der Ukraine eine Lizenz zur Produktion von Patriot-Raketen zu erteilen – ein Schritt, der einer Investition in die langfristige Zukunft der Ukraine gleichkäme. Selenski dankte Trump für die «starke Unterstützung». Trump äusserte sich zunächst nicht direkt, liess aber über seine Pressesprecherin ausrichten, sowohl das Gespräch mit Selenski wie jenes mit Netanyahu sei «positiv und produktiv» verlaufen.
A good meeting with President Trump @POTUS at the Oval Office. Thank you for everything we do together to protect the lives of Ukrainians and advance peace. First and foremost, I offered President Trump our condolences on the passing of Lindsey Graham. He was a true friend of… pic.twitter.com/56yoaeqb2B
— Volodymyr Zelenskyy / Володимир Зеленський (@ZelenskyyUa) July 28, 2026
Versöhnlicher Auftritt
Netanyahu betrat das Weisse Haus unmittelbar nach Selenski. Im Gegensatz zum Tauwetter zwischen Trump und Selenski hat sich das Verhältnis zwischen Trump und Netanyahu in letzter Zeit verschlechtert. Ende Februar noch waren Israel und die USA Arm in Arm in den Iran-Krieg gezogen. Doch als Trump eine Vereinbarung mit Teheran und eine diplomatische Lösung in Libanon zu suchen begann, tat sich eine Kluft zwischen den beiden auf.
Trump soll Netanyahu am Telefon sogar angeschrien und als «verrückt» bezeichnet haben. Schlecht kam in Israel auch an, dass sich Trump in letzter Zeit um ein gutes Einvernehmen mit der Türkei bemüht und mit Saudiarabien ein Nuklearabkommen abgeschlossen hat.
In Washington ist die Darstellung verbreitet, Netanyahu habe Trump zum Krieg gegen Iran verleitet. Auch Graham war ein vehementer Befürworter der Angriffe auf das Mullah-Regime gewesen, was bei Netanyahu die Hoffnung nährte, am Gedenktag des Senators liessen sich die Risse im Verhältnis mit Trump wieder kitten.
Fest steht, dass beide Seiten am Dienstag um einen versöhnlichen Auftritt bemüht waren. Der Pressedienst von Netanyahu veröffentlichte Bilder, die Netanyahu neben Trump im Oval Office zeigen. Anwesend waren unter anderem auch Aussenminister Marco Rubio, der zu einem wichtigen Ansprechpartner der Israeli avanciert ist, Verteidigungsminister Pete Hegseth sowie Vizepräsident J. D. Vance, der Israel in letzter Zeit scharf kritisiert hatte.
Offizielle Details zum Inhalt der Unterredung wurde zunächst nicht bekannt. Netanyahu erklärte auf Instagram, das Gespräch mit Trump sei eines der besten gewesen, die er jemals gehabt habe. Seine Kommunikationschefin erklärte gegenüber Medienschaffenden, es sei absolut unwahr, dass Netanyahu Trump in seinem Vorgehen gegen Iran in die eine oder andere Richtung zu beeinflussen suche.
Neue Sanktionen gegen Russland
Auf dem Capitol zeigte sich derweil eine überparteiliche Gruppe von Senatoren gewillt, Grahams Andenken auch politisch zu ehren. Die Senatoren bestätigten vor einem Treffen mit Selenski, dass sie sich auf einen neuen Gesetzestext zur Verschärfung der Sanktionen gegen Russland geeinigt hätten. Das Gesetz, das auch die Unterstützung von Trump zu geniessen scheint, würde den Präsidenten dazu ermächtigen, Zölle von bis zu 100 Prozent gegen die fünf grössten Käufer russischen Rohöls und Erdgases zu verhängen.
Der Gesetzesentwurf, der neuerdings auch eine Verlängerung von Sanktionen gegen Iran enthält, wird von einigen Demokraten kritisiert, da Trump neue Vollmachten zur Verhängung von Zöllen erhielte. Dennoch ist eine Mehrheit wahrscheinlich. Das Repräsentantenhaus tagt erst im September wieder, doch könnte der Senat das Gesetz nach einer ersten Abstimmung am Dienstag noch diese Woche bereinigen. Das wäre ein Signal nicht nur ganz im Sinne von Graham, sondern auch seiner Freunde aus der Ukraine und Israel.
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