Stand: 15.09.2026, 19:11 Uhr
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Der US-Präsident sieht in KI keine Gefahren für die Menschheit. Es werden keine Roboterarmeen die Städte zerstören, so Trump. Gut – aber das befürchtet auch niemand.
Washington – Donald Trump ist wieder einmal extrem sauer. Wie man es vom US-Präsidenten inzwischen gewohnt ist, machte der Republikaner seinem Ärger auf seiner eigenen Plattform Truth Social Luft – und ließ eine ganze Tirade an Wut-Postings ab. Zwischen der bekannten exzessiven Selbstbeweihräucherung finden sich nun eine Handvoll Posts zu Trumps neuem Opfer: Menschen, die vor potenziellen Gefahren der künstlichen Intelligenz warnen. Kernbotschaft: Dabei handelt es sich um einen Hoax, also um eine bewusste Falschmeldung.

Kurz zum Hintergrund: Tech-Unternehmen haben bereits unvorstellbare Summen in die Zukunftstechnologie investiert. Dario Amodei, Chef des einflussreichen KI-Unternehmens Anthropic, rief die Branche nun vor wenigen Tagen auf, ihre leistungsfähigsten Modelle zu verlangsamen. Seine direkten „Tech-Bro“-Konkurrenten – OpenAI-Chef Sam Altman und Tech-Milliardär Elon Musk – stimmen ihm zu. Einer der Auslöser des plötzlichen Kurswechsels: fortschrittliche KI-Modelle, die aus einer geschützten Testumgebung ausgebrochen und selbstständig Hackingangriffe auf andere Unternehmen gestartet haben sollen. Die Befürchtung ist, dass sich die Technik immer weiter verselbstständigt, der Mensch sie irgendwann nicht mehr verstehen kann – und schließlich die Kontrolle darüber verliert. OpenAI hat bereits reagiert und den für dieses Jahr geplanten Börsengang verschoben.
Trump wischt Ängste vor KI weg – und nennt sie einen „Hoax“
Diese Ängste hält Trump für Blödsinn. Konkrete Gründe nennt er nicht. Dafür setzt er es mit anderen Dingen gleich, die seiner Meinung nach ein Hoax sind. „Die Leute, die behaupten, KI werde die Welt zerstören (…), sind dieselben, die noch vor Kurzem gesagt haben, die Welt würde durch den ‚Klimawandel‘ untergehen“, schreibt Trump. Oder, wie er es in einem anderen Post ganze 23 Minuten später noch einmal formuliert: „Die Behauptung, dass ‚KI die Welt übernehmen wird‘, ist ein Hoax, genau wie die globale ‚Erwärmung‘, bei der eigentlich schon längst alle tot sein müssten“.
Doch zum Glück gibt es Donald Trump, der sich dessen annehmen wird. Schließlich sei er immerhin der „Hoax Buster“ (zu deutsch etwa „Schwindelentlarver“), wie er sich selbst in einem der Posts bezeichnet. Und jetzt kümmere er sich eben um diese Angelegenheit und entlarve den Schwindel, dass „KI die Welt übernehmen, verschlingen und zerstören“ werde und dass „Roboter in unsere Städte einmarschieren und uns alle beseitigen“ werden.
Wir sind also sicher vor KI-Robotern, die unsere Städte überrennen. Das ist erst einmal gut, allerdings befürchtet das aktuell auch niemand ernsthaft. Bei den Warnungen aus dem Silicon Valley geht es viel mehr um kritische Infrastruktur, die von KI übernommen werden könnte. Oder etwas abstrakter um gesellschaftliche Konsequenzen, die aus der rasanten Ausbreitung von künstlicher Intelligenz in unseren Alltag folgen könnten. Gleichzeitig hat beim letzten großen angeblichen Hoax – dem menschengemachten Klimawandel und dessen gravierenden Folgen für den ganzen Planeten – keiner behauptet, dass die Menschheit bereits 2026 wegen Hitze ausgestorben sei.
Unvorstellbare Summen stecken in KI – und warum ist Trump sauer?
Was Trump zu seiner Tirade bewegt hat, geht aus seinen Posts auf Truth Social nicht hervor. Normalerweise teilt Präsident Trump die Meinungen und Ansichten aus dem Silicon Valley. Elon Musk hatte es bis in Trumps Regierung geschafft. Fest steht allerdings, dass die Warnungen reale Auswirkungen haben. Im Ausbau und der notwendigen Infrastruktur für Künstliche Intelligenz steckt inzwischen ein Investitionswert, der kaum noch vorstellbar ist. Allein für das Jahr 2026 sollen etwa 740 Milliarden US-Dollar in die Technologie gesteckt worden sein, und das sind nur die Ausgaben der vier Tech-Giganten Amazon, Google, Microsoft und Meta. Zum Vergleich: Der Deutsche Bundeshaushalt beträgt für das Jahr 2026 etwa 600 Milliarden US‑Dollar.
Künstliche Intelligenz hat sich zum Investitionssubjekt entwickelt. Und irgendwann wollen die Investoren auch etwas von ihrem Geld wiedersehen. Wegen Verzögerungen im Ablauf wie dem verschobenen Börsengang von OpenAI müssen die nun länger warten. Je länger das dauert, desto größer kann die Investitionsblase werden. Und sollte die platzen, könnte das zu einem Problem für die Weltwirtschaft werden. Einem fast so großen Problem wie KI-gesteuerten, mordlustigen und auf Zerstörung programmierten Roboterarmeen. Bei letzterem sind wir aber vorerst sicher. (spr)