Es gibt nicht viel, was Donald Trump und Irans Führung gemeinsam haben. Aber eines schon: Beide haben großes Interesse, möglichst viel Geld einzunehmen. Sei es für sich selbst oder ihre jeweiligen Staatskassen.
Den Machthabern in Teheran geht es darum, die wirtschaftliche Lage im Land und damit ihre Herrschaft zu stabilisieren. Und nebenbei die eigenen Taschen zu füllen – ebenso wie der US-Präsident.
Dessen Bestreben ist schon lange Zeit offenkundig: Gewinnmaximierung, die nicht zuletzt dem Familienclan zugutekommen soll.
Das dürfte kaum noch jemanden überraschen. Doch auf welche Art und Weise Trump jetzt kassieren möchte, hat selbst gemessen an der ihm eigenen Dreistigkeit eine neue Dimension: Der 80-Jährige beabsichtigt, auf Kosten eines Großteils der Welt kräftig zu verdienen.
Wie viele Schiffe passieren die Straße von Hormus?
Täglich gezählte Schiffs-Durchfahrten an einem festen Messpunkt in der Meerenge (drei Tage Verzögerung)
Schiffe ohne aktive Transponder werden nicht gezählt, außerdem können in Konfliktregionen Signale gestört sein (z. B. durch sogenanntes GPS Jamming). Die Dunkelziffer kann also höher sein.
Am Montag kündigte er an, die Vereinigten Staaten würden künftig die Straße von Hormus allein kontrollieren und für die Passage eine saftige Gebühr von 20 Prozent des Frachtwertes erheben.
Diese Maut – also eine Zwangsabgabe – will sein Land als „Wächter“ der Meerenge verlangen, weil das US-Militär die Durchfahrt absichern werde. Für diesen Geleitschutz eine Entschädigung zu entrichten, sei aus „Fairnessgründen“ mehr als gerechtfertigt.
Doch mit Anstand ist es bei Trump bekanntermaßen nicht weit her. Das alleinige Motto lautet: Geld machen um jeden Preis. Auch den der Glaubwürdigkeit.

© imago/UPI Photo/IMAGO/Charly Triballeau
Waren es nicht noch bis vor wenigen Tagen die freiheitsliebenden USA, die eine ungehinderte Fahrt durch die Wasserstraße von Hormus forderten und eine solche versprachen? Hat Washington nicht immer wieder den Iran dafür verdammt, dieser wolle sich mithilfe einer Gebühr die Taschen füllen?
Hat Washington nicht immer wieder den Iran dafür verdammt, dieser wolle sich mithilfe einer Gebühr die Taschen füllen?
Christian Böhme
Jetzt plant Amerika, es dem Erzfeind gleichzutun. Macht, Methoden und Mittel: Wenig unterscheidet die beiden Kontrahenten. Es ist beschämend.
Trumps Art, Geschäfte zu machen, gleicht einem Verrat an den Werten des Westens und lässt fassungslose Verbündete zurück.
Zumal der Chef des Weißen Hauses mit seiner „Fairnesspauschale“ gegen das Völkerrecht verstößt: Allenfalls Anrainerstaaten können eine Servicegebühr für die Nutzung einer Wasserstraße erheben, wenn sie durch ihre Hoheitsgebiete führt.
Nur interessiert sich der US-Präsident herzlich wenig für so etwas wie Werte und Völkerrecht. Beides ist ihm bestenfalls gleichgültig.
America first, Trump first – der 20-Prozent-Aufschlag für Hormus zeigt, wie fatal sich ein solches Denken und Handeln im Ernstfall auswirken kann.