Tschüss NRW: Immer mehr Deutsche wandern ins Ausland aus

Immer mehr deutsche Staatsbürger aus NRW ziehen weg ins Ausland. Laut einer Antwort der Landesregierung auf eine FDP-Anfrage wurden im Jahr 2025 insgesamt 67.480 deutsche Auswanderer aus Nordrhein-Westfalen gezählt. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 waren es 61.876 und vor zehn Jahren etwa 25.000.

„Das ist ein Alarmsignal“, meint Marcel Hafke, Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Fraktion im Landtag. „Die steigende Zahl von Auswanderern führt zu dramatischen Fachkräfteverlusten in unseren Unternehmen und bringt die Demografie weiter in Schieflage.“

Zielland meist unbekannt

Beim Thema Auswandern gibt es aber viele offene Fragen. Laut dem NRW-Fluchtministerium von Verena Schäffer (Grüne) ist zum Beispiel weder bekannt, warum so viele Menschen mit deutschem Pass ins Ausland ziehen noch welche beruflichen Qualifikationen sie haben. Und noch etwas fällt auf: Die Landesregierung weiß zwar, wie viele Menschen insgesamt zuletzt auf Dauer fortzogen, aber in fast 40.000 Fällen ist das Zielland unbekannt.

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Die, von denen die Behörden wissen, wo sie lieber wohnen möchten als in NRW, zieht es vor allem in die Schweiz (zuletzt 2.914 Auswanderer), nach Spanien (2.058), nach Österreich (1.732), in die Türkei (1.563) und in die USA (1.345). Seit 2023 verlegen auch jedes Jahr etwa 750 Deutsche ihren Wohnsitz in die Russische Föderation – obwohl Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt und die Meinungsfreiheit dort stark eingeschränkt wird.

In den Iran wanderten im vergangenen Jahr 79 Menschen aus NRW mit deutschem Pass aus, nach Afghanistan 16. Insgesamt zogen im Jahr 2025 übrigens mehr als 250.000 Menschen aus NRW ins Ausland. Die meisten von ihnen haben aber nicht die deutsche Staatsangehörigkeit. Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung erwägt jeder fünfte Deutsche, das Land zu verlassen.

NRW ist für Fleißige zum Auswanderungsland geworden“

27. Sitzung des Landtags NRW.Marcel Hafke (FDP), Parlamentarischer Geschäftsführer

Ist NRW unattraktiv geworden?

„Wir alle sind stolz auf Nordrhein-Westfalens Geschichte als Einwanderungsland für fleißige Menschen – in Wahrheit ist NRW aber in den letzten Jahren für genau diese Fleißigen zum Auswanderungsland geworden“, sagt FDP-Politiker Hafke. Er vermutet, dass das Land für viele „Leistungsträger“ wie zum Beispiel Fachkräfte, Gutverdiener und Unternehmer nicht mehr attraktiv sei.

Die Steuerlast sei hoch, die Verkehrswege aber marode, und viele Arbeitsplätze seien nicht mehr sicher. Unter den Auswanderern dürften allerdings auch viele Rentnerinnen und Rentner sein, die sich ihren Traum von einem Lebensabend im Ausland erfüllen oder aus Kostengründen auswandern.

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Die NRW-Landesregierung erinnert in der Antwort an ihre „Fachkräfteoffensive“, mit der Qualifizierte in NRW gehalten oder aus dem Ausland angelockt werden sollen. Angebote wie der „Bildungsscheck“ und die „Meisterprämie“ sowie die schnellere Anerkennung von im Ausland erworbenen Abschlüssen seien wirksame Instrumente im Werben um Fachkräfte.