Erneute WM-Kritik an Tuchel – nun schießt der Trainer gegen den englischen Fußball

Stand: 17.07.2026, 18:38 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Nach dem dramatischen Halbfinal-Aus gegen Argentinien verteidigt Thomas Tuchel seine Taktik – und findet dabei überraschend deutliche Worte über die Fußballkultur seines Gastlandes.

Atlanta – Das Halbfinal-Aus bei der Fußball-Weltmeisterschaft brennt den Three Lions noch immer auf der Seele. Infolge des bitteren 1:2 gegen Titelverteidiger Argentinien, bei dem England eine Führung ab der 85. Minute noch verspielte, meldete sich Nationaltrainer Thomas Tuchel nach einem ersten Statement nun ein zweites Mal zu Wort. Beim englischen Sender Sky Sport News wich der Nationaltrainer den kritischen Fragen, insbesondere zur zurückhaltenden Spielweise nach dem Führungstreffer, nicht aus – im Gegenteil.

Absolut hautnah. Absolut fundiert: Absolut Fussball berichtet für euch von der WM 2026. Unsere Reporter sind in Amerika vor Ort und versorgen euch mit News, Videos und exklusiven Einblicken.

Absolut hautnah. Absolut fundiert: Absolut Fussball berichtet für euch von der WM 2026. Unsere Reporter sind in Amerika vor Ort und versorgen euch mit News, Videos und exklusiven Einblicken. © Absolut Fussball

Besonders bemerkenswert: Tuchel führte die Schlussoffensive der Argentinier nicht auf seine Aufstellung zurück, sondern auf eine grundsätzliche Schwäche des englischen Spiels. Ballbesitz und Spielkontrolle lägen „nicht so in unserer DNA wie in der spanischen, argentinischen oder brasilianischen DNA“, erklärte der 52-Jährige. Man sei zu passiv gewesen und habe den Gegner durch verlorene Zweikämpfe nicht vom eigenen Strafraum fernhalten können.

Keine Spielkontrolle im WM-Halbfinale: Tuchel rechnet mit englischer Fußballkultur ab

Dass sein Team nach dem 1:0 durch Anthony Gordon in der 55. Minute das Spiel förmlich aus der Hand gab, erklärte Tuchel mit einem kollektiven Verlust des Momentums: Der Ballbesitz sei danach „dramatisch“ eingebrochen, England habe sich immer tiefer zurückziehen müssen. „Das war nie der Plan, aber es ist so passiert“, räumte er ein. Sein taktisches Eingreifen wäre demnach aussichtslos gewesen: „In diesem Moment war mein Gefühl, dass keine Spielordnung der Welt uns geholfen hätte.“

Insights aus dem DFB-Team!

Damit ihr nicht nur mitreden könnt, sondern besser informiert seid als die anderen: der WM-Newsletter.

Damit ihr nicht nur mitreden könnt, sondern besser informiert seid als die anderen: der WM-Newsletter. © Absolut Fussball

Seien Sie näher am DFB-Team dran als je zuvor! Unser WM-Newsletter versorgt Sie mit den wichtigsten News; liefert Ihnen Videos, Reportagen und exklusive Interviews direkt und ganz bequem in Ihr Postfach. Sie erfahren, was im Laufe des Tages wichtig wird, können bei unserem Tippspiel tolle Preise gewinnen und bekommen alle Social-Media-Highlights aufbereitet.

Sind Sie dabei?

Jetzt zum WM-Newsletter anmelden

All unsere Inhalte, Videos, Grafiken, Statistiken und vieles mehr gibt es auch auf absolutfussball.com.

Auffällig ist, dass Tuchels Erklärungsansätze für das Ausscheiden eher bei der Mannschaft und der Dynamik der Schlussphase ansetzen als bei eigenen Entscheidungen. Dabei war seine Bilanz bis zum Halbfinale außergewöhnlich: Seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 blieb England unter ihm in Pflichtspielen ungeschlagen, nur zwei Testspiele gingen verloren. Diese Serie brachte dem gebürtigen Schwaben zuletzt eine historische Bestmarke unter Europas Nationaltrainern ein.

Doch der öffentliche Druck wächst: England-Ikone Gary Lineker stellte im Podcast „The Rest is Football“ pointiert infrage, ob der Deutsche der richtige Mann sei, um die Three Lions voranzubringen – garniert mit einem süffisanten Seitenhieb in Richtung deutscher Fußballkultur. Auch „der am Boden zerstörte“ Wayne Rooney übte offen Kritik. Wie Tuchel mit dem wachsenden Gegenwind umgeht, dürfte den englischen Fußball weiter beschäftigen.

Nach WM-Enttäuschung: Tuchel glaubt noch „hundertprozentig“ an Titel mit England

Dass der Deutsche tatsächlich als Trainer der Nationalmannschaft freigestellt wird, scheint trotz des vernichtenden Urteils von Experten sowie der englischen Presse wenig realistisch. Wie The Athletic berichtet, hätten sowohl der Verband FA als auch Tuchel die Option auf eine Vertragsauflösung gehabt, wäre man vor dem Viertelfinale ausgeschieden. Da dies nicht eingetreten ist, dürfte eine Trennung kostspielig und daher wohl vermieden werden.

Trotz der riesigen Enttäuschung glaubt Tuchel „hundertprozentig“ daran, mit England noch einen großen Titel zu holen. „Es gibt noch genug, was wir verbessern können, und ich freue mich darauf, das tun zu können“, gibt er sich kämpferisch. Mit dem Spiel um Platz drei gegen Frankreich hat er schon am Samstag die Gelegenheit, den ersten WM-Frust der Engländer vergessen zu machen und für ein positiveres Stimmungsbild zu sorgen – auch in Bezug auf seine eigene Person. (fn)