Der pakistanische Premier Shehbaz Sharif ist schon seit Donnerstag da. Nun reiste auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in die saudische Hafenstadt Dschidda am Roten Meer Dann ging es gut 60 Kilometer weiter in die für Muslime heilige Stadt Mekka zu einem Treffen mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman .
Anlass: Inmitten weiterer kriegerischer Eskalationen in der Golfregion schließen Pakistan, die Türkei und Saudi-Arabien nach Angaben pakistanischer Sicherheitskreise einen gemeinsamen Verteidigungspakt. Bei dem Treffen der Staats- und Regierungschefs der drei Länder in Mekka wurde am Freitagmittag ein solches Bündnis unterzeichnet,.
Bündnis zwischen Öl-Staat, Atommacht und NATO-Mitglied
Das Abkommen bringt das ölreiche Saudi-Arabien mit der Atommacht Pakistan sowie der Türkei zusammen, die über die zweitgrößte Armee der NATO und eine rasch wachsende Rüstungsindustrie verfügt. Der türkische Fernsehsender Haberturk berichtet, das Abkommen werde voraussichtlich gemeinsame Armeeübungen und Militärausbildung, Technologietransfers sowie den Austausch von Geheimdienstinformationen ermöglichen.
Andere unbestätigte Berichte deuten darauf hin, dass sogar eine Art Beistandsverpflichtung vorgesehen ist. Im Klartext bedeutet das: Jeder Angriff auf eines der Länder würde als Angriff auf alle Bündnispartner angesehen werden. Ein Abkommen mit dieser Zielrichtung hatten Pakistan und Saudi-Arabien bereits vor bald einem Jahr im vergangenen September geschlossen.
Ziel: Gemeinsame Waffenproduktion
Die neuerliche Vereinbarung sei jedoch etwas anders gelagert, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus pakistanischen Sicherheitskreisen. Auch von türkischer Seite heißt es dazu: Der Pakt sichere nur gegenseitige Unterstützung im Verteidigungsbereich zu. Das Abkommen richte sich nicht gegen einen bestimmten Akteur und stehe auch anderen Ländern der Region offen.
Während die vorangegangene Vereinbarung vom September auf pakistanische Truppenstationierungen in Saudi-Arabien abzielte, heißt es aus Pakistan, der neue Pakt beziehe sich auf die Waffenproduktion. Geld aus Saudi-Arabien, Technologie aus der Türkei und pakistanische Gefechtstauglichkeit würden zusammenfließen.
Saudi-Arabien, dessen kritische Infrastruktur und Ölanlagen im Rahmen des USA-Iran-Kriegs angegriffen wurden, ist bestrebt, seine Verteidigungspartnerschaften zu diversifizieren. Das Abkommen kommt zudem vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen der Türkei und Israel wegen des Gazastreifens und anderer regionaler Konflikte, darunter der Krieg im Iran und im Libanon.
Mehr Sicherheit und mehr Handel
Der pakistanische Premier ist insgesamt drei Tage in Saudi-Arabien. Begleitet wird Sharif von einer hochrangigen Delegation, zu der auch Armeechef Asim Munir gehört.

Bei dem Gipfel in Mekka geht es auch darum, wie sich die Spannungen zwischen den USA und dem Iran entschärfen lassen. Zudem wollen die drei Staats- und Regierungschefs laut Angaben von Beamten auch Möglichkeiten zur Ausweitung des Handels, der wirtschaftlichen Beziehungen und einer umfassenderen Sicherheitszusammenarbeit ausloten.
Das pakistanische Außenministerium teilte mit, dass Sharifs Besuch zwar vor dem Hintergrund der verschärften Spannungen am Golf stattfinde, jedoch über die unmittelbare Krise hinausgehe. Seine Gespräche mit Vertretern Saudi-Arabiens würden darauf abzielen, die bilateralen Beziehungen zu stärken und die Koordination in regionalen und internationalen Fragen zu verbessern.
AR/haz (dpa, ap, afp, rtr)