Design
Über deutsches Design: Beobachtungen vom Berliner Designfestival Currents
Zwei Berliner Journalistinnen haben ein neues Festival ins Leben gerufen. Wir waren vor Ort und haben dabei einige Meter gemacht
Anne Feldkamp
Ein neues, ambitioniertes Design-Festival? Berlin schien danach zu lechzen. Zumal die Macherinnen, die Design-Journalistinnen Jasmin Jouhar und Laura Ewert über entsprechende Credibility verfügen – und sich vorgenommen haben, das kreative Potential der Stadt sichtbar zu machen. Herzstück der über die Stadt verteilten zweitägigen Veranstaltung: Das 1957 für die Internationale Bauausstellung erreichtete Eternithaus im Hansaviertel. Hier fanden Talks ("Berlin – The Lost Creative Capital?") statt, die "Currents Bar" wurde von Protagonisten der lokalen Designszene gehostet.
Ausstellung in der Jalousiefabrik
So stellt man sich Berlin noch immer vor: In einer stillgelegten Rollladenfabrik in Kreuzberg, die seit Jahrzehnten nicht öffentlich zugänglich war, stellten vierzehn Designer aus. Mit dabei: etablierte Hersteller wie Berliner Studios. Die Location, die ein Berliner Büro bald in Wohnungen umbauen wird: ein Glücksfall. Der Parcours lässt viel entdecken – von den kunstvoll gewebten Wandteppichen Noël Saavedras über die Leuchten von Llot Llov, der in Berlin ansässigen Marke von Ania Bauer und Jacob Brinck bis hin zu den Bubble-Leuchten von Balzer Balzer Studio.
Bunte Überraschungen
Wer glaubt, Berliner Design setze ausschließlich auf coole Metalloptik, wurde hier und da eines Besseren belehrt. Die Arbeiten des 2024 von Friederike Delius gegründeten Studio Berg bewegen sich zwischen Kunst und Design. Delius übersetzt Ideen aus der Alltagskultur (wie Zuckerstangen oder Gugelhupfformen) in farbenfrohe, verspielte Designobjekte.
Experimente mit Studierenden
Eine Teppichmatte aus Haaren? Ein Waschbecken aus Seife? Am Savignyplatz ließ das Unternehmen Kaldewei den Designnachwuchs der Design Academy Eindhoven (DAE) experimentieren. "Behind Closed Doors: The Culture of Circularity" hieß die Ausstellung, in der sich zehn Studierende mit dem Badezimmer, dem wohl intimsten Ort einer Wohnung, auseinandersetzten. Oder besser: mit Themen wie Körperlichkeit und Ressourcen.
Synergien mit der Art Week
Dass das Designfestival Currents während der Art Week stattfand? Ein kluger Schachzug. So wurden Synergien genutzt. In Reinickendorf im Norden der Stadt zeigten über 65 Designerinnen, Designer, Marken und Studios ihre Arbeiten in einer luftigen, stillgelegten ehemaligen Brennerei in Berlin. Organisiert wurde sie von der Designplattform Deoron.
Nicht weit davon entfernt: Die 1.680 Quadratmeter große Halle The Foundry, ein ehemaliges Eisenwerk auf dem Gelände der Wilhelm Hallen. Sie wurde von der Kuratorin Anna Carnick und dem kanadischen Leuchtenhersteller Bocci bespielt. (Anne Feldkamp, 17.9.2026)
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