Überraschender Zusammenhang
Wer Käse isst, könnte ein geringeres Demenzrisiko haben
Käse gehört für viele zum Alltag. Eine japanische Studie liefert nun einen überraschenden Hinweis: Menschen über 65, die regelmässig Käse assen, entwickelten seltener eine Demenz. Doch schützt das Lebensmittel tatsächlich das Gehirn?
Publiziert: vor 33 Minuten
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Aktualisiert: vor 15 Minuten
Darum gehts
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- Japanische Studie: Käseesser entwickeln seltener Demenz als Nicht-Käseesser
- Relatives Risiko um 24 Prozent gesenkt, absoluter Unterschied 1,1 Prozentpunkte
- 7914 Personen über 65 untersucht, Ernährung und Demenzrisiko analysiert
Blick Lifestyle
Demenz gehört zu den grössten gesundheitlichen Herausforderungen einer alternden Gesellschaft. Weil es bislang keine einfache Möglichkeit gibt, die Erkrankung zuverlässig zu verhindern, untersuchen Forschende auch alltägliche Gewohnheiten wie die Ernährung. Dabei ist ein Lebensmittel besonders aufgefallen: Käse.
Eine japanische Studie kommt zum Ergebnis, dass ältere Menschen, die mindestens einmal pro Woche Käse assen, während des Untersuchungszeitraums seltener eine Demenz entwickelten als Personen, die darauf verzichteten.
Fast 8000 Menschen untersucht
Für die im Fachjournal «Nutrients» veröffentlichte Untersuchung werteten Forschende Daten von 7914 Menschen über 65 Jahren aus. Die Teilnehmenden lebten selbständig und benötigten zu Beginn der Untersuchung keine Langzeitpflege. Die Forschenden teilten sie in zwei Gruppen ein: Personen, die mindestens einmal pro Woche Käse assen, und jene, die überhaupt keinen Käse konsumierten. Auch Faktoren wie Alter, Geschlecht, Bildungsstand und finanzielle Situation wurden bei der Auswertung berücksichtigt.
Nach drei Jahren zeigte sich ein Unterschied: 3,4 Prozent der Käseesser entwickelten eine Demenz, bei den Personen ohne Käsekonsum waren es 4,5 Prozent. Das entspricht einem um rund 24 Prozent niedrigeren relativen Risiko. Absolut betrug der Unterschied allerdings nur 1,1 Prozentpunkte.
Warum könnte Käse das Gehirn schützen?
Die Forschenden haben nicht direkt untersucht, welcher biologische Mechanismus hinter dem Zusammenhang steckt. Sie nennen jedoch mehrere mögliche Erklärungen. Eine davon ist Vitamin K2, das unter anderem am Kalziumstoffwechsel beteiligt ist und eine Rolle für die Blutgefässe spielt. Gefässerkrankungen wie Bluthochdruck und Arteriosklerose gelten wiederum als Risikofaktoren für Demenz. Auch Eiweiss und Aminosäuren könnten eine Rolle spielen. Sie werden für zahlreiche Funktionen des Nervensystems benötigt. Bei fermentierten Käsesorten kommen zudem bioaktive Stoffe hinzu, denen unter anderem entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften zugeschrieben werden. Ein weiterer möglicher Zusammenhang betrifft die Darm-Hirn-Achse. Fermentierte Lebensmittel können die Zusammensetzung der Darmflora beeinflussen. Forschende untersuchen deshalb zunehmend, ob die Darmgesundheit auch für die Gesundheit des Gehirns eine Rolle spielt.
Wichtig: Daraus lässt sich nicht ableiten, dass Käse Alzheimer oder Demenz verhindert. Die möglichen Mechanismen müssen erst in weiteren Studien untersucht werden.
Nicht jeder Käse ist gleich
Interessant ist, dass die Mehrheit der untersuchten Käseesser gar nicht zu den klassischen gereiften oder fermentierten Sorten griff. 82,7 Prozent assen Schmelzkäse, während lediglich 7,8 Prozent Käse mit Weissschimmel wie Brie oder Camembert konsumierten.
Das macht die Ergebnisse schwieriger zu interpretieren. Denn Schmelzkäse enthält deutlich weniger der für fermentierte Käsesorten typischen Mikroorganismen und bestimmten bioaktiven Substanzen. Die Forschenden vermuten deshalb, dass möglicherweise andere Bestandteile von Milchprodukten oder mehrere kleine Effekte gemeinsam für den beobachteten Zusammenhang verantwortlich sind.
Vielleicht ernähren sich Käseesser einfach gesünder
Eine weitere wichtige Frage lautet: Lag es tatsächlich am Käse oder an der gesamten Ernährung? Die Käseesser griffen in der Studie häufiger auch zu Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch. Eine insgesamt ausgewogenere Ernährung könnte ebenfalls mit einer besseren kognitiven Gesundheit zusammenhängen.
Die Forschenden berücksichtigten deshalb zusätzlich andere Bestandteile der Ernährung. Der Zusammenhang wurde dadurch zwar etwas schwächer, verschwand aber nicht: Aus dem zunächst errechneten um 24 Prozent niedrigeren relativen Risiko wurden rund 21 Prozent. Das ist interessant, beweist aber weiterhin nicht, dass Käse die Ursache für das geringere Demenzrisiko ist.
Ein- bis zweimal pro Woche reichte in der Studie
Täglich Käse zu essen, war offenbar nicht notwendig, um in der Untersuchung zur Käsegruppe zu gehören. 72,1 Prozent der Käseesser konsumierten ihn lediglich ein- bis zweimal pro Woche. Daraus lässt sich allerdings keine bestimmte «Dosis» ableiten, die vor Demenz schützen würde. Die Studie zeigt lediglich, dass bereits bei diesem Konsummuster ein statistischer Zusammenhang beobachtet wurde.
Hinzu kommt ein weiterer Unsicherheitsfaktor: Menschen, die Käse assen, waren bereits zu Beginn der Untersuchung bei bestimmten alltäglichen Aufgaben selbständiger und berichteten seltener über Gedächtnisprobleme. Es ist deshalb möglich, dass sie von Anfang an insgesamt gesünder waren.
Kein Beweis für einen Schutz vor Demenz
Die Ergebnisse sind deshalb spannend, aber mit Vorsicht zu interpretieren. Die Studie zeigt einen statistischen Zusammenhang und keinen Beweis dafür, dass Käse Demenz verhindert. Zudem wurde der Käsekonsum nur zu Beginn erfasst. Die Forschenden wussten also nicht, ob sich die Ernährungsgewohnheiten der Teilnehmenden später veränderten. Auch die genauen Mengen wurden nicht berücksichtigt.
Weitere Studien müssen deshalb klären, ob die Käsesorte, die Menge und die Dauer des Konsums eine Rolle spielen. Bis dahin gilt: Käse kann Teil einer ausgewogenen Ernährung sein, sollte aber keinesfalls als Schutzmittel gegen Demenz betrachtet werden.
Dieser Artikel stammt vom polnischen Nachrichtenportal Fakt.pl, welches zu Ringier Medien gehört.
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