Ukraine-Krieg aktuell: Verhandlungen mit Russland? Selenskyj macht Andeutung

Newsblog zum Krieg in der Ukraine

"Ich gehe davon aus": Selenskyj deutet Verhandlungen an


Aktualisiert am 05.10.2026 - 21:39 UhrLesedauer: 6 Min.

Kiew nennt neue Zahlen zur Wirkung der Angriffe auf Russland Ölindustrie. Selenskyj macht eine Andeutung. Alle Entwicklungen im Newsblog.

Montag, 5. Oktober

"Ich gehe davon aus": Selenskyj deutet Verhandlungen an

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hofft trotz der verstärkten russischen Angriffe auf sein Land auf eine baldige Wiederaufnahme von Gesprächen über eine Beendigung des Kriegs. "Ich gehe davon aus, dass es der amerikanischen Seite im Oktober gelingen wird, ein Dreiertreffen zu organisieren", sagte er in seiner abendlichen Videoansprache. Das ukrainische Verhandlungsteam stehe bereit. "Diese Bereitschaft muss nun auch von Russland kommen."

Die Diplomatie müsse nun auch in Russland zur Priorität werden. "Bislang konzentrieren sie sich ausschließlich auf Angriffe auf die Ukraine und auf destabilisierende Aktivitäten in Europa", sagte Selenskyj. Eine wichtige Aufgabe der USA und aller starken Partner der Ukraine sei es, Russland zur Diplomatie zu bewegen, "zu konkreten Schritten statt zu Tötungen".

Russland hat seit Beginn seines Angriffskriegs gegen die Ukraine mehrfach angedeutet, zu Verhandlungen unter Bedingungen bereit zu sein, sich dann aber wieder distanziert. Eine echte Gesprächsbereitschaft Moskaus wird von Kiew, seinen westlichen Verbündeten und Beobachtern stark angezweifelt. Kremlchef Wladimir Putin hatte Anfang des Monats erneut betont, Russland sei bereit, Verhandlungen aufzunehmen und schnellstmöglich abzuschließen. "Aber natürlich zu Bedingungen, die auch für die Russische Föderation, für unser Volk und für das russische Volk akzeptabel sind", schränkte er ein.

Tote und Verletzte bei Gleitbombenangriff auf Charkiw

Durch russische Fliegerbomben sind in der ostukrainischen Großstadt Charkiw nach Behördenangaben mindestens drei Menschen getötet worden. Bürgermeister Ihor Terechow schrieb auf Telegram außerdem von mindestens 29 Verletzten. Unter den Trümmern eines Wohnhauses werde noch nach Vermissten gesucht. Eine Lagerhalle sei in Brand geraten.

Nach Terechows Angaben griff die russische Luftwaffe die Stadt mit drei sogenannten Gleitbomben an. Kampfjets klinken diese Bomben im sicheren eigenen Luftraum aus, sie fliegen dann gesteuert über Dutzende Kilometer ins Ziel. Schon in der Nacht war in Charkiw ein Mann bei einem russischen Angriff getötet worden. Dabei hatte die russische Armee unter anderem kleine Marschflugkörper des Typs Banderol eingesetzt.

Im Süden der Ukraine schlug während eines russischen Angriffs ein Geschoss an einem Grenzübergang zur Republik Moldau ein. Dabei wurde nach Medienberichten ein ukrainischer Grenzbeamter leicht verletzt. Ein Reisebus und ein Abfertigungshäuschen am Übergang nach Palanca in Moldau seien beschädigt worden. Russland hat in den vergangenen Wochen immer wieder ukrainische Grenzübergänge nach Polen, Moldau und Rumänien angegriffen. Auf diese Weise soll die Ukraine isoliert werden. Russland überzieht das Nachbarland seit mehr als viereinhalb Jahren mit einem Angriffskrieg.

Von Drohne getroffen? Frachter sinkt im Schwarzen Meer – Tote

Bei einem Unglück auf einem Handelsschiff im Schwarzen Meer sind zwei Seeleute ums Leben gekommen. Elf Crew-Mitglieder seien gerettet worden, teilte das rumänische Innenministerium mit. Das Schiff sei gesunken. Rumänische Medien hatten berichtet, dass es von einer Drohne getroffen worden sei. Dafür gab es zunächst keine offizielle Bestätigung.

Zu dem Unglück sei es 30 Seemeilen südlich des rumänischen Schwarzmeer-Orts Sfantu Gheorghe gekommen, hieß es weiter aus dem Innenministerium in Bukarest. Das Unglück, bei dem es auf dem Schiff auch zu einem Brand gekommen sei, habe sich in der ausschließlichen Wirtschaftszone Rumäniens im Schwarzen Meer ereignet, schrieb das Ministerium weiter.

Unbestätigten Medienberichten zufolge soll es sich um ein türkisches Schiff handeln, das mit Getreide beladen auf dem Weg nach Italien war.

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Putins Militär greift die Ukraine mit verbesserten Drohnen an. Kiews Analysten stellen nun ein brisantes Bauteil aus den USA sicher. Den ganzen Artikel lesen Sie hier.

Russland verliert offenbar weiter massiv Raffineriekapazitäten

Russlands Ölraffinerien haben nach Angaben aus Kiew bislang 51 Prozent ihrer Produktionskapazitäten infolge von ukrainischen Drohnenangriffen eingebüßt. Das sagte der ukrainische Verteidigungsminister Jewhenij Chmara laut "Kyiv Independent" am Sonntag unter Berufung auf ukrainische Geheimdienste. Demnach hat Russland seit der letzten Einschätzung aus Kiew vom 21. September weitere sechs Prozent an Raffineriekapazitäten verloren.

"51 Prozent zerstörte Raffineriekapazitäten sind ein erheblicher Schlag gegen die Wirtschaft des Feindes und seine Fähigkeit, Krieg zu führen und seine Armee zu unterhalten", sagte Verteidigungsminister Chmara laut "Kyiv Independent". "Dies ist das Ergebnis systematischer Aktionen mit dem Ziel, Russlands Kriegsmaschinerie und sein militärisch-wirtschaftliches Potenzial zu zerstören", so der Verteidigungsminister weiter.

Seit etwa zwei Jahren greift die ukrainische Armee gezielt Anlagen der russischen Ölindustrie an, die wichtigste Finanzierungsquelle des russischen Staates. In diesem Jahr hat die Ukraine die Kampagne gegen Raffinerien, Öldepots und Verladehäfen in Russland verstärkt, auch dank effektiverer Drohnen, die weiter fliegen und größeren Schaden anrichten als früher. Im Bereich der Drohnenkriegsführung sei die Entwicklung aber noch nicht am Ende, so Jewhenij Chmara. "Wir werden unsere Fähigkeiten für Fernschläge weiter ausbauen".

Kiew meldet 1,54 Millionen russische Verluste seit Kriegsbeginn

Russland hat nach Angaben des ukrainischen Generalstabs seit Beginn der großangelegten Invasion vor mehr als vier Jahren rund 1,54 Millionen Soldaten verloren. Allein in den vergangenen 24 Stunden seien 2.020 weitere Verluste hinzugekommen. Darüber hinaus meldet der Generalstab erhebliche Verluste bei militärischen Geräten. Demnach wurden seit Kriegsbeginn unter anderem 12.393 Panzer, 25.487 gepanzerte Fahrzeuge, 50.733 Artilleriesysteme und 1.688 Luftabwehrsysteme zerstört oder anderweitig außer Gefecht gesetzt.

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Die Angaben zu den personellen Verlusten lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Der ukrainische Generalstab veröffentlicht keine Angaben zu den eigenen Verlusten und begründet dies mit der operativen Geheimhaltung.