Hunderte Fälle: Ukrainer fliehen aus deutschen Trainingscamps und wollen Asyl

Publiziert20. August 2026, 21:12

Hunderte FälleUkrainer fliehen aus deutschen Trainingscamps und wollen Asyl

Zahlreiche ukrainische Soldaten werden in Deutschland trainiert. Doch einige fliehen aus den Ausbildungseinrichtungen und beantragen stattdessen Asyl.

Reto Bollmann

Darum gehts

  • Seit 2022 hat Deutschland rund 29'000 ukrainische Soldaten ausgebildet – doch mehrere Hundert desertierten aus den Trainingslagern.
  • Die Männer beantragen in Deutschland Asyl, um der Front zu entgehen.
  • In der Ukraine drohen den Deserteuren mehrjährige Haftstrafen wegen unerlaubten Entfernens von der Truppe.

Deutschland unterstützt die Ukraine bereits seit 2022 in der Ausbildung von Truppen. Bisher 29'000 Absolventen wurden so Grundlagen im Schiessen, Tarnen und Erster Hilfe beigebracht. Wie ein Bericht der «Zeit» nun zeigt, kommt es jedoch auch immer wieder dazu, dass die ausgebildeten Soldaten nicht wie vorgesehen in die Ukraine bzw. an die Front zurückkehren.

Allein im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt sind etwa 80 Fälle von Desertion bekannt, im ganzen Land sind es mehrere Hundert Fälle. Die Männer fliehen dabei aus ihren Ausbildungseinrichtungen und versuchen, über reguläre Asylverfahren das Bleiberecht zu erhalten. Weil sie offiziell zur Ausbildung anwesend sind, profitieren sie nicht von den vereinfachten Aufnahmeregeln, die für ukrainische Kriegsflüchtlinge gelten.

Schutz durch langes Asylverfahren

Die Deserteure erhalten durch das Asylverfahren eine Perspektive, da die Prüfungen in diesem Fall in der Regel länger als ein Jahr dauern. Damit sie Asyl erhalten, müssen sie nachweisen, dass ihnen bei einer Rückkehr Gefahr oder politische Verfolgung droht. Die Aussichten auf Anerkennung dürften laut «Zeit» gering sein.

In der Ukraine droht ihnen jedoch eine Verurteilung aufgrund von unerlaubtem Entfernen von der Truppe. Die Desertion kann mit mehrjährigen Haftstrafen geahndet werden. Läuft ein Asylverfahren, ist es jedoch unwahrscheinlich, dass Deutschland die Männer ausliefert.

Die «Zeit» berichtet etwa von einem Ukrainer, der direkt vom Truppenübungsplatz Altengrabow in Sachsen-Anhalt floh. Auch mit weiteren Deserteuren sprach die Zeitung. Dabei haben sie sich aus verschiedenen Gründen für den Schritt entschieden, etwa aufgrund von schlechter Behandlung, Konflikten mit Vorgesetzten oder weil sie zu Angehörigen wollten, die in Europa leben.

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Reto Bollmann

Reto Bollmann (bre), Jahrgang 1991, verstärkt seit Ende 2021 als Redaktor den Newsdesk von 20 Minuten. Eine Vorliebe hat er für politische, wissenschaftliche und geschichtliche Themen.

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