Um Identität des Opfers zu schützen: „Ich bin Jane Doe“-Solidaritätswelle nach mutmaßlicher Vergewaltigung an Cornell-Uni

Die Geschichte einer Studentin von der US-Elite-Universität Cornell schlägt zurzeit große Wellen. Die anonyme junge Frau, die in der Berichterstattung zu ihrer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung Jane Doe genannt wird, erhob 2024 schwere Vorwürfe gegen sieben Männer. In dem Haus einer Studentenverbindung der Hochschule sei sie unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol mehrfach vergewaltigt worden.

Berichte von zwei studentischen Journalistinnen der „Cornell Daily Sun“ brachten den Fall 2026 zurück in die Öffentlichkeit. In den sozialen Medien solidarisieren sich nun Hunderte Opfer sexueller Gewalt mit der unbekannten Studentin – und zwar, um sie zu schützen.

Junge Frauen wollen „Cornell-Jane Doe“ verstecken und beschützen

Jane Doe gehe es nicht gut, erklärte ihr Anwalt Thomas Giuffra gegenüber der BBC. Sie werde von „Möchtegern-Online-Detektiven“ belagert. Mehrere Posts hätten Frauen fälschlicherweise als das mutmaßliche Opfer identifiziert, bei denen es sich jedoch nicht um die „Cornell-Jane Doe“ handele. Unter anderem drohte der Journalist und Kommentator Michel Tracy damit, die persönlichen Daten von Jane Doe zu veröffentlichen.

Um die Identität der jungen Frau zu schützen, veröffentlichten zahlreiche andere junge Frauen Beiträge auf Instagram und TikTok. Darin sagen oder schreiben sie: „Ich bin Jane Doe“ und berichten von ihren Erfahrungen mit sexueller Gewalt. „Wir sind alle Jane Doe, bis keine von uns mehr Jane Doe ist“, heißt es in vielen Beiträgen.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Externen Inhalt anzeigen

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Vor der Kamera erzählen sie ungeschönt davon, vergewaltigt oder sexuell belästigt worden zu sein. Ob Schulen, Universitäten oder Strafverfolgungsbehörden – sie seien nicht ernst genommen und nicht ausreichend geschützt worden. In den Kommentaren unterstützen sich die Userinnen und User gegenseitig. „Wir hören und sehen dich, und glauben dir“, schreibt ein Nutzer. „Danke, dass du so mutig bist“, kommentiert ein anderer.

Zivilklage von Jane Doe sorgt für neue Ermittlungen

Nach Jane Does Strafanzeige 2024 kam es nie zu einem Prozess oder nennenswerten Ermittlungen. Der Fall entwickelte sich kürzlich zu einem Politikum: Der damals zuständige Bezirksstaatsanwalt von Tompkins County, Matthew Van Houten, wurde durch Letitia James ersetzt. Sie soll nun aufklären, was in der Nacht vom 19. Oktober 2024 wirklich geschehen ist. Auch strafrechtliche Konsequenzen sind möglich. New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul erklärte den Schritt damit, dass durch das Verhalten von Van Houten und seiner Behörde das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Justiz untergraben worden sei.

Am 14. September dieses Jahres reichten Jane Doe und ihr Anwalt eine Zivilklage gegen die US-Universität ein. In der Klage gegen die Elite-Universität Cornell heißt es, dass die damals 20-Jährige unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen mehrfach vergewaltigt worden sei. Die Elite-Universität habe derweil nicht genug getan, um Jane Doe zu beschützen.

Cornell äußert sich nach massiver Kritik öffentlich

Nun, da der Fall neu aufgerollt wird, reagiert auch die US-amerikanische Hochschule, die derzeit massiv in der Kritik steht. „Was Jane Doe im Jahr 2024 widerfahren ist, ist zutiefst beunruhigend und wird unsere Gemeinschaft noch viele Jahre belasten“, sagte Michael I. Kotlikoff in einem Video der Universität.

„Mir schmerzt das Herz, wenn ich daran denke, was sie durchgemacht hat“, sagte Kotlikoff weiter. Der Vorfall werfe „herzzerreißende und beunruhigende Fragen zu sexueller Gewalt, Entmenschlichung und Aspekten der Partykultur, des Alkohol- und Drogenkonsums“ auf.

Woher kommt der Name Jane Doe?

Laut „Wordsmart“ wird das männliche Gegenstück zu Jane Doe, John Doe, schon seit dem 14. Jahrhundert als Name für nicht identifizierte oder anonyme Menschen in rechtlichen Vorgängen genutzt. Demnach sei der Name John Doe erstmals in einem mittelalterlichen britischen Rechtsverfahren aufgetaucht, das die Besitzverhältnisse von Immobilien klären sollte.

Dabei erfanden vermeintliche Hausbesitzer einen Mietvertrag zwischen zwei fiktiven Menschen, damit das Gericht feststellen musste, wer tatsächlich Eigentümer des betroffenen Grundstückes war. So konnte der Eigentümer seine Rechte als Vermieter geltend machen. Die Methode sei beliebt gewesen, so „Wordsmart“, weil es unter dem damals geltenden Gewohnheitsrecht sonst sehr kompliziert und langwierig gewesen sei, die Besitzverhältnisse von Immobilien festzustellen.

Der Name Jane Doe tauchte erst später, zu Beginn des 18. Jahrhunderts, auf. Ob es sich bei John und Jane Doe um zufällig ausgewählte Namen handelt oder um reale, damals lebende Personen, ist nicht bekannt. In den USA, Kanada und Großbritannien dienen sie bis heute als Platzhalter für tatsächliche Namen. (mit dpa)