Dämonisierung hilft gegen die Klimakrise nicht weiter

Dieser Sommer verlangt den Deutschen einen Sinneswandel ab. Die Hitze lässt sich nicht mehr so einfach bewältigen, Niedrigwasser schränkt die Schifffahrt ein, Dürre belastet die Landwirtschaft, Trockenheit drosselt die Energiewirtschaft. Mit jedem dieser Punkte ist die Klimakrise beschrieben, die uns schon länger verfolgt. Mit jedem der Punkte sind aber auch Entscheidungen angesprochen, für die eine Klimakrisenbeschwörung nicht weiterhilft.

Weil der Rhein an manchen Stellen zu flach geworden ist, gehen etliche Bundesländer dazu über, das Fahrverbot für Lastwagen am Sonntag aufzuheben. Das ist sinnvoll, weil es wenig bringt, wenn nur einzelne Länder so handeln, dann aber an der Grenze zum Nachbarland Schluss mit dem Transport ist.

Klimaziele schützen nicht vor Irrwegen

Doch die Ausnahmeregelung ist buchstäblich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. So viele Lastwagen und Straßen gibt es gar nicht, dass sie so kurzfristig die Binnenschifffahrt ersetzen könnten. In Zukunft wird man langfristiger planen müssen.

Für die Energiewirtschaft gilt das schon längst. Aber der Protest gegen die Energiepolitik der Bundeswirtschaftsministerin zeigt, dass ausgerechnet hier das Umdenken besonders schwerfällt. Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien wird es nicht getan sein. Klimaziele schützen nicht vor Irrwegen. Allmählich spricht sich herum, dass allein mit Wind und Sonne ein erschwinglicher Energiebedarf nicht zu haben sein wird.

Wenn nun Klimaschützer und Umweltaktivisten folgern, die Politik habe noch immer nicht begriffen, was die Klimakrise bedeute, richtet sich ihre Kritik in Wahrheit gegen sie selbst. Zu lange wurde das Phänomen dämonisiert, ohne die Symptome zu bekämpfen.

Es nutzt den Bauern, Spediteuren, Stromkunden, Energiekonzernen, Brandbekämpfern, Hitzeleidenden nichts, wenn Deutschland und Europa morgen schon klimaneutral wären. Es hilft ihnen aber sehr wohl, wenn in Technik investiert wird, die heute schon die Folgen der Klimakrise bändigt.