Ermittlungen wegen Untreue bei Behindertenverein: Mehr Beschuldigte als bislang bekannt

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Soziale Förderstätten Bebra Ermittlungen wegen Untreue - mehr Beschuldigte als bislang bekannt

Die Unregelmäßigkeiten beim Verein Soziale Förderstätten Bebra (SFB) sind noch immer nicht geklärt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen vier ehemalige Führungskräfte. Ein externer Prüfbericht liegt bei den Behörden, doch über den Inhalt wird bislang größtenteils geschwiegen.

Ein Bürogebäude von außen.

Die Geschäftsstelle der Förderstätten in Bebra. Bild © privat

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00:39 Min. |Volker Siefert

Bild © hessenschau.de| zur Audio-Einzelseite

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Beim Verein Soziale Förderstätten Bebra (SFB) sind die Untreuevorwürfe gegen mehrere Führungskräfte noch immer in der Klärung. Vor einem Jahr hatte der hr erstmals über die Vorgänge berichtet. Der ehemalige Geschäftsführer, ein Verwandter von ihm und sein Stellvertreter sollen sich an Geldern der SFB bereichert haben. Bislang war von drei Beschuldigten die Rede. Dabei geht es um den Verdacht, dass sie Handwerkerrechnungen, Einkäufe teurer Werkzeuge und einen Teil von Baumaßnahmen an ihren Häusern über den Behindertenhilfeverein abgerechnet haben sollen.

Im Zuge der Recherchen hatte der hr die drei Führungskräfte mit konkreten Rechnungen von Handwerkern und Händlern konfrontiert. Noch vor der Veröffentlichung wurden die Mitarbeiter von Landrat Torsten Warnecke (SPD) freigestellt und stellten Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft Fulda. Dort wurde allerdings bereits seit Monaten aufgrund einer anonymen Anzeige ermittelt.

Auf hr-Anfrage erklärt die Staatsanwaltschaft Fulda nun, dass sie in dem Verfahren von insgesamt vier Beschuldigten ausgeht. Damit rückt der frühere kaufmännische Geschäftsführer erstmals in den Fokus der SFB-Affäre. Er war zuständig für Finanzen und Controlling und hatte den Sozialverein im Januar 2025 verlassen. Was genau die Staatsanwaltschaft ihm vorwirft, ist nicht bekannt. Er hat sich auf hr-Anfrage bislang nicht zu den Ermittlungen geäußert. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Landrat will Bericht nicht öffentlich machen

Nachdem die Vorwürfe bekannt geworden waren, stellten sich viele in der Region die Frage, wie das passieren konnte? Wie konnten private Abrechnungen oder die fragwürdige Nutzung von Dienstwagen niemandem in den Kontrollgremien auffallen?

Landrat Torsten Warnecke beauftragte eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die auf die Prüfung sozialer Einrichtungen spezialisiert ist. Ihr Auftrag war es, die finanziellen Transaktionen der alten Führungsriege zu durchleuchten und den Schaden zu ermitteln.

Der Bericht ist inzwischen fertig und soll laut Warnecke der Staatsanwaltschaft vorliegen. "Um die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen damit nicht zu gefährden, werden wir den Abschlussbericht vorerst nicht öffentlich machen und auch keine detaillierten Auskünfte zu Ihrem Fragenkatalog geben können", lässt Warnecke erklären.

Eine entsprechende Ansage der Staatsanwaltschaft, den Bericht unter Verschluss zu halten, gibt es jedoch nicht. "Eine Kommunikation mit dem Landrat fand nach Auskunft des zuständigen Dezernenten nicht statt", erklärt die Behörde auf Anfrage.

Experte: Vereine werden zu groß für Kontrolle

Weitere Fragen, welche Lehren er als Vorsitzender aus den Missständen in dem Verein ziehen wird, hat Warnecke bislang nicht beantwortet. Auch auf Fragen zu vorhandenen oder zu verbessernden Compliance-Regeln geht er nicht ein. Eine inzwischen verlängerte Antwortfrist von mehreren Tagen ließ er verstreichen.

Der Politikwissenschaftler Rupert Graf Strachwitz erkennt in dem, was bei den SFB bekannt geworden ist, ein häufig zu beobachtendes Muster. Er ist Gründer der Maecenata Stiftung, die sich für zivilgesellschaftliches Engagement einsetzt. Demnach wachsen Vereine zu mittelständischen Wirtschaftsunternehmen heran, ohne dass sich die Kontrolle in gleichem Maß entwickele.

Wenn, wie in diesem Fall, mangelnde Compliance zu finanziellem Missbrauch geführt habe, berge das die Chance, Lehren für die Zukunft daraus zu ziehen. Allerdings müssten die Verantwortlichen dafür auch Mitarbeiter und die Öffentlichkeit mitnehmen. "Bei Transparenz und Compliance kommt es eigentlich auf Zahlen und Fakten an und weniger auf allgemeine freundliche Worte", kommentiert er Warneckes Erklärung.

Nach hr-Informationen beläuft sich der Schaden für den Verein auf einen hohen fünfstelligen Betrag. Damit liegt der Schaden höher als bislang angenommen. Offen ist noch, welche Erkenntnisse die Durchsuchungen der Staatsanwaltschaft in Büroräumen und Privatwohnungen Ende 2025 erbracht haben. Ein Ende der Ermittlungen ist noch nicht abzusehen.

Lebenshilfe schaltet externen Prüfer ein

Im Zuge der hr-Recherchen war auch eine fragwürdige Spendenquittung ans Tageslicht gekommen, die der ehemalige Geschäftsführer sich selbst ausgestellt hat. Daraus drohen dem Verein erhebliche negative rechtliche Konsequenzen durch das Finanzamt. Laut Quittung soll er dem Verein, dessen Vorsitzender er damals war, Windeln, ein Pflegebett und einen Rollstuhl im Wert von rund 6.500 Euro gespendet haben.

Angesprochen auf diese Spende, musste der Landesverband der Lebenshilfe Hessen seinerzeit einräumen, dass es sich bei dem Rotenburger Verein um eine Karteileiche handelt. Kenntnisse über dessen Vereinsleben oder Spendenaktionen hatte der Dachverband keine.

Man stehe mit dem neuen ehrenamtlichen Vorstand der Lebenshilfe Rotenburg im Austausch. Zur Aufarbeitung der "vorliegenden Fragen" sei geplant, eine "externe Beratung" einzubeziehen.

Betriebsrat sieht Versäumnisse – insgesamt auf einem guten Weg

Der Betriebsrat der SFB erklärt, dass die Mitarbeiter im Rahmen einer Betriebsversammlung über erste Erkenntnisse aus dem Aufklärungsprozess informiert wurden. Er räumt ein, dass es "in einzelnen Bereichen Versäumnisse gab und Prozesse nicht ausreichend abgesichert waren."

Als Konsequenz daraus werde der Beschaffungsprozess überprüft und eine neue Organisationsstruktur eingeführt. Befürchtungen, dass es im Zuge des Skandals zu Entlassungen komme, seien nicht eingetreten. Wirtschaftlich habe sich die Lage stabilisiert.

Ende 2025 sei wieder ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt worden, so der Betriebsrat. Die Zahl der Beschäftigten liegt demnach stabil bei rund 440. Damit sind die SFB weiter einer der größten Arbeitgeber in der Region. Sie begleiten rund 800 Menschen mit Behinderung in Werkstätten und Wohngruppen, um ihnen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.