Umstrittene Extrawurst für Luxusschlitten
Uri gewinnt Schmähpreis wegen Passsperrung
Der Kanton Uri erhält den Schmähpreis «Teufelsstein», weil er im Juni Furka- und Oberalppass für eine private Ausfahrt von 60 Supersportwagen sperren liess. Pro Alps kritisiert Lärm, Emissionen und den Widerspruch zum Klimaschutzkonzept.
Publiziert: vor 2 Minuten
- Pro Alps verlieh Uri den «Teufelsstein» 2026 und kritisierte Lärm und Emissionen in den Bergen
- Uri sperrte Furka und Oberalppass je eine Stunde für 60 Sportwagen des Supercar Owners Circle
- Der Kanton rechtfertigt die Sperrung mit Alpabzügen oder Velorennen, für Pro Alps hinkt der Vergleich
Janic UrechRedaktor Politik
Ein paar Superreiche wollten mit ihren Sportflitzern über die kurvigen Bergstrecken düsen – und der Kanton sperrte eigens für sie die Strassen. So geschehen im Juni, als Uri den Furka- und den Oberalppass für jeweils eine Stunde sperren liess. Der Grund: zwei Passfahrten des exklusiven «Supercar Owners Circle».
Dieser Entscheid beschert dem Kanton nun einen Schmähpreis: Uri erhält den «Teufelsstein» 2026. Vergeben wird dieser von der Organisation Pro Alps.
Über 10'000 Franken für Pässefahrten
An den Passfahrten im Juni nahmen 60 Sportwagen teil, darunter Boliden mit über 1000 PS. Einige mussten gar per Lastwagen angeliefert und wieder abgeholt werden, weil sie keine Strassenzulassung hatten. Wer über die eigens gesperrten Passstrassen brettern wollte, musste mindestens 10’219 Franken Teilnahmegebühr hinblättern. Ein Vergnügen also, das sich kaum an gewöhnliche Sonntagsfahrer richtete.
Der Teufelsstein
Der Teufelsstein wird seit 2002 jährlich von der Organisation «Pro Alps» verliehen. Damit schmäht es Unternehmen oder Institutionen, die mehr Autos in die Alpenregionen locken und damit die dortige Umwelt belasten. Dieses Jahr standen fünf Projekte in einer Abstimmung zur Auswahl. Der Kanton Uri erreichte mit dem Event für Luxusschlitten 1’637 Stimmen und setzte sich damit gegen den Rest durch.
Der Teufelsstein wird seit 2002 jährlich von der Organisation «Pro Alps» verliehen. Damit schmäht es Unternehmen oder Institutionen, die mehr Autos in die Alpenregionen locken und damit die dortige Umwelt belasten. Dieses Jahr standen fünf Projekte in einer Abstimmung zur Auswahl. Der Kanton Uri erreichte mit dem Event für Luxusschlitten 1’637 Stimmen und setzte sich damit gegen den Rest durch.
Pro Alps kritisiert, dass der Kanton Uri die Passstrassen für ein privates Freizeitvergnügen gesperrt habe. Damit stelle er den Supercar-Event über den Schutz des Alpenraums. Denn Lärm und Emissionen belasteten laut der Organisation die Natur und Tierwelt im Gebirge. Zudem widerspreche der Entscheid dem eigenen Klimaschutzkonzept des Kantons. Dieses sehe vor, die touristisch bedingte Mobilität bis 2030 zu dekarbonisieren.
Kanton nimmt Kritik nicht hin
Uri rechtfertigt die Strassensperrungen für die Luxusboliden damit, dass die Passstrassen auch für andere Anlässe wie Alpabzüge oder Velorennen gesperrt würden.
Diesen Vergleich lässt Pro Alps nicht gelten: «Ein traditioneller Alpabzug oder ein öffentlicher Sportanlass lässt sich nicht mit einem exklusiven Motorspektakel für zahlende Gäste ab 10’000 Franken gleichsetzen», schreibt die Organisation in einer Mitteilung. Übergeben wurde der «Teufelsstein» am Freitag vor dem Telldenkmal in Altdorf.
Der «Teufelsstein» wird seit 2002 an Projekte vergeben, die die Alpen mit unnötigem zusätzlichen Verkehr belasten.