„Es hieß nur: raus hier, weg!“: Urlauberin erlebt Flammenhölle – und macht Campingplatz schwere Vorwürfe

Urlauberin flüchtet vor Feuerinferno in Frankreich – und macht Campingplatz schwere Vorwürfe

Stand: 17.08.2026, 19:00 Uhr

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Frankreich hat in diesen Wochen mit zahlreichen Waldbränden zu kämpfen. Die deutsche Camperin Ruth W. musste vor den Flammen flüchten – dennoch bleibt sie.

Pas-de-Calais – Ascheflocken, die durch die Luft wirbeln, Flammen, die auf 200 Meter heranrücken und ein völlig überforderter Campingplatz: Ruth W. hat in ihrem Frankreich-Urlaub Stunden erlebt, die sie nicht vergessen wird. Bei Merkur.de von Ippen.Media erzählt sie ihre Geschichte. Dabei sind Vorwürfe wie Frust nach dem einschneidenden Erlebnis gewaltig.

Ruth W. sah die Feuerwand über ihrem Campingplatz am vergangenen Mittwoch (12. August) in Nordfrankreich. Ihr Zelt überstand den Brand, Ruth urlaubt weiter.

Ruth W. sah die Feuerwand über ihrem Campingplatz am vergangenen Mittwoch (12. August) in Nordfrankreich. Ihr Zelt überstand den Brand, Ruth urlaubt weiter. © Privat

Wie Ruth ergeht es in diesem „Sommer der Feuer“ vielen Urlauberinnen und Urlaubern. Ruth kommt aus Bielefeld. Nur gut dreieinhalb Autostunden davon entfernt, an der belgischen Grenze, kämpfen Feuerwehr und Bundeswehr gegen den bislang größten Waldbrand Belgiens – der sich auf deutsche Orte auszuweiten droht.

Deutschland, Kroatien, Italien, Frankreich und Spanien kämpfen seit Wochen zum Teil gleichzeitig mit verheerenden Waldbränden. Am Gardasee mussten mehr als 200 Menschen aus der Gemeinde Tignale evakuiert werden, darunter auch eine Familie aus Rosenheim, deren Balkon plötzlich voll Asche war. In Frankreich aktivierte Präsident Emmanuel Macron sogar den EU-Katastrophenschutzmechanismus, um Löschflugzeuge und Hubschrauber aus dem Ausland anzufordern.

„Als ich näher kam, flogen mir Ascheteile entgegen“ – deutsche Camperin erlebt Waldbrand in Frankreich

Seit einigen Tagen ist Ruth mittendrin. Es war der Abend der Sonnenfinsternis (12. August), als sie von einem Ausflug in der Nachbarstadt Le Touquet auf den Campingplatz Cristal d‘Opale zurückkehren wollte. „Auf dem Rückweg sah ich schon die Flammen. Als ich näher kam, flogen mir Ascheteile entgegen“, schildert sie. Straßensperren, Polizei, die Anweisung: „Es hieß nur: raus hier, weg!“ Innerhalb von zwei Stunden habe sich die Lage dramatisch zugespitzt. „Die Flammen waren zeitweise nur etwa 200 Meter vom Campingplatz entfernt und breiteten sich rasend schnell aus. Das war verdammt nah dran“, erinnert sie sich, als wir sie am Telefon zwei Tage später erreichen.

Was folgte, beschreibt sie als Chaos. „Es gab keinerlei Infrastruktur und Organisation und keinerlei Anlaufpunkte für die Gäste“, widerspricht sie Berichten, wonach Notunterkünfte bereitgestanden hätten. Die Campingplatzrezeption sei überfordert gewesen, kaum jemand habe Englisch gesprochen, Durchsagen liefen nur auf Französisch. Ruth war auf sich alleine gestellt, ihre Partnerin hatte ihr Kind an diesem Tag nach Deutschland zurückgebracht. Sie habe noch Gepäck aus dem Zelt geholt und sei dann völlig überladen mit dem Fahrrad eine Stunde zu Fuß in den Nachbarort geflohen, wo eine angebliche Notunterkunft auf sie warten sollte. Doch die schien gar nicht zu existieren.

Auf einem anderen Campingplatz half man ihr, an Informationen zu kommen. „Die Leute dort waren sehr bemüht, haben uns auf dem Laufenden gehalten und hätten sogar ein Bett für mich organisiert“, sagt sie. Doch dann kam die erleichternde Information, Ruth könne wieder in ihr Zelt. Also schob sie gegen 23 Uhr Gepäck und Rad zurück auf ihren Campingplatz. Dort musste sie sich wie alle anderen Rückkehrer in eine Liste eintragen. Der Campingplatz hatte offenbar Struktur in das Chaos gebracht. Wir baten den Campingplatz um eine Stellungnahme, erhielten jedoch bisher keine Antwort.

Ruth will bleiben und urlauben – trotz Ausnahmezustand

Kann man jetzt einfach dort weiterurlauben? „Am Mittwochabend qualmte es noch überall und Hubschrauber flogen über unsere Köpfe. Freitagnacht bin ich aufgewacht, weil ich Rauch gerochen habe“, erzählt Ruth. Ihr Koffer stehe griffbereit, für den Fall einer erneuten Flucht. Glutnester, Löschflugzeuge, Hubschrauber – all das gehört inzwischen zu ihrem Urlaubsalltag. Dazu kommen bedrückende Nebenschauplätze: zurückgelassene Kleidung von Migranten in den verkohlten Dünen, angespülte Schuhe und Westen, Berichte, wonach laut Feuerwehr ein brennendes Flüchtlingsboot den Brand ausgelöst haben soll. Tatsächlich ist die Region für Überfahrten von Migranten nach England bekannt. Die Ursachenforschung läuft.

Ruth bleibt vor Ort, geht sogar wieder an den Strand. Doch die Ruhe ist trügerisch: Noch am Wochenende habe es zwei Brandherde in 500 Metern Entfernung gegeben. Wenn Rauchsäulen aufsteigen, werde ihr mulmig, sagt sie. Sie bleibt in ständiger Alarmbereitschaft. (Quellen: Interview, AFP, radiofrance) (mke)