„Schlechte Idee“: EU warnt vor Rekord-Dieselpreisen, weil die USA ihre Exporte nach Europa kappen wollen

USA wollen Diesel-Exporte drosseln – warum das auch an deutschen Tankstellen teuer werden könnte

Stand: 25.09.2026, 07:44 Uhr

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Brüssel lehnt einen US-Vorschlag ab, Dieselexporte zu begrenzen. Das Weiße Haus betont, es gehe um gezielte Auflagen statt eines vollständigen Stopps. Auch die Branchenverbände kritisieren das Vorhaben.

Brüssel/Washington – Die Europäische Union hat ein mögliches US-Verbot für Dieselexporte kritisiert. Der Vorschlag, Dieselexporte zu begrenzen, kam von der US-Regierung und Präsident Donald Trump. Die EU spricht von einer „schlechten Idee“, die beiden Volkswirtschaften schaden könnte.

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Dieser Artikel von Simon Ormiston entstand in Kooperation mit Euronews

Trump stellte sich in dieser Woche hinter ein solches Verbot. Die Diesel- und Benzinpreise steigen rasant, angetrieben vom Krieg im Nahen Osten und den Folgen des US-Iran-Kriegs. Das gefährdet für die Republikaner die Kontrolle über den Kongress bei den Kongresswahlen im November, während die EU-Kommission die Pläne „mit Sorge“ sieht, wie Sprecher Olof Gill sagte.

Donald Trump

Donald Trump. © MediaPunch/Imago

„Wir halten das für eine schlechte Idee“, erklärte Gill auf einer Pressekonferenz. „Wir glauben, dass dies beiden Seiten schaden kann. Das sagen wir unseren US-Partnern auf höchster Ebene.“ Gleichzeitig verweist Brüssel darauf, dass koordinierte Schritte nötig seien, um Verwerfungen auf dem globalen Energiemarkt zu vermeiden.

EU warnt vor Schäden für gemeinsame Märkte

Auch Europa kämpft seit Beginn des US-Iran-Kriegs Ende Februar mit stark gestiegenen Spritpreisen. Die EU ist aber deutlich stärker von Importen abhängig als die USA und damit besonders verwundbar, wenn große Lieferanten ihre Ausfuhren drosseln.

Nach Angaben einer AFP-Auswertung von Kommissionsdaten lag der durchschnittliche Dieselpreis in den 27 EU-Staaten am Donnerstag bei einem Rekord von 2,23 Euro pro Liter. Die USA deckten im August rund 50 Prozent der Dieselimporte des Blocks und gelten damit als entscheidender Lieferant für den europäischen Markt.

„Wir erwarten, dass enge Partner sich abstimmen, bevor sie Maßnahmen ergreifen, die gemeinsame Märkte betreffen“, so Gill weiter. Ein Alleingang Washingtons könnte aus Sicht Brüssels nicht nur Preise treiben, sondern auch das Vertrauen in die transatlantische Energiepartnerschaft untergraben.

US-Regierung spricht von gezielten Beschränkungen

Die Reaktion aus Brüssel folgte, nachdem US-Energieminister Chris Wright am Mittwoch (23. September) die Pläne der Regierung präzisieren wollte. Die USA würden kein vollständiges Exportverbot verhängen, sondern Beschränkungen für Dieselexporte einführen, sagte er und stellte in Aussicht, dass bestimmte Ausfuhren weiterhin möglich bleiben sollten.

Ziel sei es demnach, Engpässe im Inland zu verhindern, ohne den weltweiten Markt übermäßig zu destabilisieren. Am Rande der UN-Generalversammlung erklärte Wright beim Format „Journal House“ des Wall Street Journal, die USA müssten die globalen Märkte weiter beliefern und zugleich den Anstieg der Inlandspreise bremsen.

Etwaige Maßnahmen sollten freiwillig bleiben, also eher auf Absprachen mit der Industrie als auf verbindliche staatliche Vorgaben setzen. Damit versucht die Regierung offenbar, Kritik an Eingriffen in den Markt zuvorzukommen.

Industrie warnt vor unerwarteten Folgen

„Wir versuchen, den groben Vorschlag einer staatlichen Zwangsmaßnahme zu vermeiden, weil wir wissen, wie komplex die Raffinerien arbeiten“, sagte Wright. Raffinerien müssten ihre Produktion langfristig planen, und abrupte Änderungen könnten nach Einschätzung der Branche zu Lieferproblemen führen.

Trump hatte am Dienstag erstmals offen über Exportbeschränkungen für Diesel nachgedacht und damit die Öl- und Gasbranche aufgeschreckt. Unternehmen warnen, geringere Exporte könnten unerwartete Folgen auslösen und am Ende auch die Preise für Diesel und Benzin im Inland nach oben treiben.

Branchenverbände leisten heftigen Widerstand

Wrights Aussagen blieben jedoch vage, sodass unklar ist, wie weitreichend die geplanten Beschränkungen tatsächlich wären. Einige Lobbyverbände der Branche erinnern zudem daran, dass abgestimmte Beschränkungen unter Raffinerien kartellrechtliche Fragen aufwerfen könnten und damit neue rechtliche Risiken schüfen.

Branchenverbände äußern deutlichen Widerstand – eine der schärfsten Reaktionen der Industrie auf die Regierung, seit Trump wieder im Amt ist.

Der Verband American Exploration & Production Council erklärte: „Politische Entscheidungsträger sollten diesen kurzsichtigen Ansatz verwerfen und sich stattdessen auf Lösungen konzentrieren, die die Preise an der Zapfsäule wirklich senken.“ Als Alternativen nennt die Branche etwa eine Ausweitung der Förderung und den Abbau regulatorischer Hürden.