Systemrelevanz von Batteriehersteller? Staat prüft bei Varta-Insolvenz

Varta-Rettung: Springt der Staat ein? Systemrelevanz-Check läuft

Stand: 08.08.2026, 07:57 Uhr

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Der Batteriehersteller Varta steckt tief in der Krise – und hat schon einmal viel Steuergeld bekommen, ohne dauerhaft gerettet zu werden. Wie es weitergehen könnte.

Ellwangen – Seit mehr als 130 Jahren stecken Varta-Batterien in deutschen Taschenlampen, Hörgeräten und Fernbedienungen. Jetzt steckt das Traditionsunternehmen aus dem schwäbischen Ellwangen selbst in der Klemme – und Berlin schaut sehr genau hin. Laut WirtschaftsWoche prüft das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, ob Varta als systemrelevant einzustufen ist. Sollte ein Teilverkauf des Konzerns schwerwiegende wirtschaftliche Folgen haben, könnte das Ministerium eingreifen. Eine Entscheidung steht noch aus.

Batteriehersteller Varta

Geldgeber wollen Haushaltsbatterien aus Konzern herauslösen. © Bernd Weißbrod/dpa/Archivbild

Das wäre nicht das erste Mal, dass der Staat Varta unter die Arme greift. Bereits 2020 versprach der damalige Wirtschaftsminister Peter Altmaier dem Unternehmen Subventionen in dreistelliger Millionenhöhe. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete, flossen aus einem Fördertopf von Bund und Ländern rund 137 Millionen Euro an Varta – der Löwenanteil eines Pakets, das insgesamt auf 14 Unternehmen verteilt wurde. Das Geld sollte Varta zum deutschen Batteriechampion machen. Daraus wurde nichts.

Insolvenzverwalter: Viele Interessenten für Varta

Trotz der Krise meldet der vorläufige Insolvenzverwalter Tobias Wahl von der Kanzlei Anchor überraschend positive Signale. „Es gibt bereits jetzt zu diesem frühen Zeitpunkt eine erfreulich große Zahl von Interessenten“, sagte er laut der Deutschen Presse-Agentur. Ob Finanzinvestoren oder Industrieunternehmen dahinterstecken, ließ Wahl offen. Er zeigte sich dennoch zuversichtlich: „Aufgrund der hohen technischen Kompetenz und gewachsener Kundenbeziehungen in der ganzen Welt glaube ich an die Chance für eine nachhaltige Sanierungslösung.“

Am 24. Juli 2026 stellten die Varta AG und drei Tochtergesellschaften beim Amtsgericht Stuttgart Insolvenzanträge, wie SWR berichtete. Betroffen sind die Varta Microbattery GmbH, die Varta Micro Production GmbH und die Varta Storage GmbH. Das Geschäft mit Haushaltsbatterien bleibt außen vor.

Als wesentlicher Auslöser gilt der Verlust des Großkunden Apple: Der Konzern bezieht die Knopfzellen für seine AirPods-Kopfhörer künftig aus China. Das Nördlinger Werk mit rund 350 Beschäftigten soll deshalb noch im Herbst 2026 schließen.
Mittlerweile laufen die vier Insolvenzverfahren nicht mehr in Eigenverwaltung, sondern als klassische vorläufige Insolvenzverfahren – ein Wechsel, den Varta selbst diese Woche bestätigte.

2.300 Jobs bei Varta in der Schwebe

Bei den vier betroffenen Einheiten arbeiten rund 2.300 Menschen. Ob Stellen wegfallen, wollte Wahl noch nicht sagen. Der Fokus liege zunächst auf der Sicherung des laufenden Betriebs. Für Varta wäre eine erfolgreiche Investorenlösung bereits die zweite Rettung binnen kurzer Zeit: 2024 hatte das Unternehmen eine Pleite durch ein Restrukturierungsverfahren abgewendet – damals verloren Altaktionäre ihre Anteile, Gläubiger strichen Teile ihrer Forderungen. (Quellen: dpa, WirtschaftsWoche, SWR, FAZ) (cgsc)