„Vetternwirtschaft vor Sachverstand“: Klingbeil ersetzt Top-Beamtin durch SPD-Mann – Kubicki rechnet ab
Stand: 14.08.2026, 18:18 Uhr
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Ausgerechnet in der heißen Phase des Haushalts verliert eine Schlüsselfigur im Finanzministerium ihren Posten. Intern gab es Zweifel am Kurs. Kubicki wird deutlich.
Berlin – Ausgerechnet kurz vor der heißen Verhandlungsphase zum Haushalt 2027 kommt es an einer entscheidenden Stelle im Bundesfinanzministerium zu einem Personalwechsel. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat die Leiterin der Haushaltsabteilung, Corinna Westermann, abgesetzt. Ihr Nachfolger sorgt für Kritik.

Laut der Wirtschaftswoche (WiWo) soll ein Haushaltsreferent aus der SPD-Bundestagsfraktion, Torge Christiansen, Westermanns Posten übernehmen. Als politischer Beamter fällt er in die Besoldungsstufe B9, mindestens 14.077 Euro brutto pro Monat. Ein SPD-Mann, der eine langjährige Mitarbeiterin des Finanzministeriums aus dem Stand ablösen soll. Das sorgt für Kritik.
„Sozis ohne Sachverstand“: FDP-Chef Kubicki kritisiert Wechsel im Finanzministerium
„Es ist schlicht zynisch und unanständig, Genossen mit Spitzenpositionen in Ministerien zu versorgen, während das Land an den Folgen sozialdemokratischer Politik zugrunde zu gehen droht“, meint der Parteivorsitzende der FDP, Wolfgang Kubicki, in einem Beitrag auf der Onlineplattform X. „Vetternwirtschaft vor Sachverstand. Die Sozialdemokraten können einfach nicht aus ihrer Haut. Gott schütze unser Land (vor Sozis ohne Sachverstand).“
Westermann galt als Protégé des langjährigen Haushaltsstaatssekretärs Werner Gatzer. Er ist ebenfalls SPD-Mitglied, galt jedoch unabhängig davon als dem Haushalt verpflichtet. Beide dienten unter anderem unter Wolfgang Schäuble (CDU), Olaf Scholz (SPD) und Christian Lindner (FDP).
Westermann soll sich laut der WiWo kritisch über die Haushaltsplanung für das Jahr 2027 und darüber hinaus geäußert haben. Damit ist sie wohl nicht die einzige. Beamte im Ministerium betonten, dass geplante Einnahmen und Ausgaben nicht seriös genug kalkuliert seien. Im Kabinett wurde der Haushaltsentwurf jedoch zügig durchgewinkt.
Vor erster Lesung für den Haushalt 2027: Klingbeil ebenfalls in der Kritik
Im Finanzministerium winkt man Gerüchte von Streit ab. Auf Anfrage erklärte eine Sprecherin des Ministeriums lediglich: „Bundesfinanzminister Lars Klingbeil dankt Corinna Westermann für ihren langjährigen Einsatz. Frau Westermann hat die Aufstellung des Bundeshaushalts in den vergangenen Jahren maßgeblich mitgeprägt.“ Die Haushaltsaufstellungsverfahren würden „planmäßig“ verlaufen.
Wie die Bild berichtet, sollen Fraktionshaushälter seit mindestens zwei Wochen von der Ablösung gewusst haben. Unions-Chefhaushälter Christian Haase (CDU) zeigte sich in einem Kommentar zur Bild zurückhaltend: „Die Personalie war länger vorbereitet. Ob es mit der Qualität der Arbeit der Abteilung oder interner Kritik an der Amtsführung des Ministers liegt, vermag ich nicht zu sagen.“
Währenddessen gerät auch Klingbeil selbst unter Beschuss: „Er kennt die Zahlen nicht, muss sich alles soufflieren lassen“, sagte laut der Bild ein erfahrener Unions-Finanzpolitiker. Ein anderer meint: „Ihm fehlt jegliche finanzpolitische Vision – er weiß nicht, wo er hinwill mit Land und Staatsfinanzen.“ Am Freitag wurde der Haushaltsentwurf dem Bundestag zugeleitet. Unmittelbar nach der Sommerpause kommt der Entwurf in die erste Lesung im Bundestag. Dort könnte der Personalwechsel Grund zur Diskussion werden. (Quellen: Wirtschaftswoche, Bild, eigene Recherche) (lismah)